Matthäus 25, 3.4

Die Törichten nahmen ihre Lampen, aber sie nahmen nicht Öl mit sich. Die Klugen aber nahmen Öl in ihren Gefäßen, samt ihren Lampen.

Betrachtung zum 23. Juni

Der Heiland ermahnt uns: seid gleich den Menschen, die auf ihren Herrn warten. Luk. 12, 36. Welches ist das rechte Warten auf den Herrn, auf seine Zukunft? Es gibt Leute, die sehr viel reden, wohl auch schreiben von der Zukunft Jesu Christi; die in Vielem, was über die Zukunft des Herrn geschrieben ist, bewandert sind und viel wissen, die sich aber im täglichen Wandel durch Selbstsucht, Eifersucht, Lieblosigkeit, Versäumen der einfachsten Pflichten, große Blößen geben. Solche Leute leben in einem bedenklichen Selbstbetrug, sie haben Lampen ohne Oel. Das Warten auf die Zukunft des Herrn besteht nicht in vielem Reden und Wissen davon, sondern in der Zubereitung. Das sicherste Zeichen wahrer Zubereitung auf die Zukunft unseres Herrn Jesu Christi ist „beredtes Schweigen“ und nicht vieles Reden. Beredtes Schweigen ist, wenn man einem Christen abfühlt, daß er die „Salbung,“ daß er Oel in seinem Gefäß hat. Dieses Oel ist der Geist der Sanftmuth und der Demuth, der Liebe und der Geduld, der Wahrheit, Keuschheit und Treue.

Straßburger Münster: Christus und die klugen Jungfrauen
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Christen, die mit solchem Oel ausgerüstet sind, machen es sich zum Anliegen, täglich so zu wandeln, daß wenn der Herr kommt, er sie in keiner Versäumnis ihrer Pflichten, in keiner Lieblosigkeit, in keiner Unwahrheit, in keiner Untreue ertappe, sondern wachend finde. Dieses Wachen besteht nicht in nichtsthuender Beschaulichkeit, sondern verträgt sich sehr gut mit treuer Arbeit, so daß man dem Gesinde zu rechter Zeit seine Gebühr gebe. Luk. 12, 42.43. Dieses alles lehrt uns die Salbung. Die Ausrüstung mit Oel ist nicht an die Zugehörigkeit zu dieser oder jener Kirchenabtheilung gebunden; man kann seine Lampe in diesem oder in jenem Laden kaufen und doch kein Oel haben. Das Oel gibt der Herr allen denen, die in ihm Vergebung der Sünden haben, die Sünde lassen, und unter Bitten und Flehen ihre Herzen für Seinen Geist öffnen. Sie bereitet er zu, ihm zu begegnen und wenn er kommen wird, so dürfen sie mit ihm eingehen zur Hochzeit. Der Herr bewahre uns vor bloßen Formen und Schein und vor leerem Wissen!

Herr Jesu! Deine Augen sehen auf des Herzens Grund. Hilf mir so auf Dich zu warten, daß ich nicht zu Schanden werde am Tage Deiner Zukunft. Amen.

Elias Schrenk
(1831-1913)

Quelle: Suchet in der Schrift. Tägliche Betrachtungen für das ganze Jahr mit Anhang, S. 175. Von E. Schrenk. 2. Auflage, 32. bis 36. Tausend. Kassel. Druck und Verlag von Ernst Röttger, 1892.

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