Zum Leben führt ein schmaler Weg (Ulm 1720, EG Württ. 1912 #403)

1) [1] Zum Leben führt ein schmaler Weg
Ein‘ rauhe Bahn [Ein rauher Pfad] und enger Steg,
Nur in dem ernsten [rechten] Schrankenlauf
Geht’s himmelauf,
Wovon nichts weiß der große Hauf‘.

2) [2] Ihr Weg ist lustig, weit und breit.
Darauf sie gehn zur Ewigkeit.
O Spott aufs Evangelium!
Ein Christentum,
Das nur ein Schatten um und um.

3) [3] Wie teuer, Gott, ist deine Güt,
Daß du erleuchtet mein Gemüt,
Und selbst zur Buße mich gebracht,
Als ich in Nacht
Mit jenen fortging unbedacht!

4) [4] Laß mich nun desto treulicher
Den Weg des Lebens gehn, o Herr;
Und stehe mir allmächtig bei,
Daß täglich neu
Dein Werk bei mir im Fortgang sei.

5) [5] Wenn nur um ihre [seine] Leibeshütt‘
Sind Andere [Ein Andrer sich] zuerst bemüht,
So laß mich achten allermeist
Auf meinen Geist
Und daß ich dir Gehorsam leist‘.

-) [6] Gehn Andre über Land und See,
Durch Ungewitter, Wind und Schnee,
Im Regen über Berg und Tal
Viel hundertmal,
Dem Bauch zu dienen überall:

-) [7] So laß mich um dein Kanaan
All Müh‘ und Arbeit wenden an,
Und auch auf meiner Pilgerreis‘
Auf andre Weis‘
Erzeigen einen solchen Fleiß.

6) [8] Wenn jene Schar des Fleisches pflegt,
es wartet, schont und [Dasselbe schont und] zärtlich hegt,
So gib mir neue Kräfte,
daß Ich’s ernstlich hass‘,
Und kreuzige ohn‘ Unterlaß.

7) [9] Herr, mach du mich, wie ich soll sein,
Ich weiß, hier gilt kein Heuchelschein,
Gib in mich deine Lichtnatur,
Denn die gilt nur,
Und eine neue Kreatur.

8) [10] Nach dieser Regel laß mich gehn
So daß auch Andre können sehn,
Daß mich der heilge Geist regier‘,
Und wohne hier
und Jesus Christus leb [auch] in mir.

-) [11] Dies wird geschehn, Herr Jesu Christ
Wenn du nun auch geboren bist,
In mir, und deine Gottheit sich
So gnädiglich
Herniederlassen wird in mich.

9) [12] Nun, mir geschehe, wie du will’t,
Ich will dir einst in deinem Bild
Wann ich darnach werd‘ sein erwacht
Und neu gemacht,
lobsingen: „Nun, es ist vollbracht!“

Liedtext: Ulm, 1720; vielleicht von Tafinger (1691-1757)
Melodie: 1589, bei J. Rhau „Ich hab mein Sach Gott heimgestellt“

Gehet ein durch die enge Pforte. Denn die Pforte ist weit, und der Weg ist breit, der zur Verdammnis abführt; und ihrer sind viele, die darauf wandeln. Und die Pforte ist eng, und der Weg ist schmal, der zum Leben führt; und wenige sind ihrer, die ihn finden. (Matth. 7, 13.14)

Bild “Der breite und der schmale Weg”: Charlotte Reihlen (Idee); Paul Beckmann (Ausführung) / Public domain

Links und Verweise:

Lied Nr. 409: Gesangbuch für die evangelische Kirche in Württemberg, 1846 (alle 12 Strophen, Numerierung und Textabweichungen in [ ] gesetzt)

Lied Nr. 403: Gesangbuch für die evangelische Kirche in Württemberg, Schmuckausgabe, S. 429. Verlagskontor des evangelischen Gesangbuchs, Stuttgart 1912 (9 Strophen)

Traktat: Der breite und der schmale Weg (pdf)