Offenbarung 6, 17

Denn es ist gekommen der große Tag seines Zorns, und wer kann bestehen?
(Offb. 6, 17)

Es wird Offenb. 6, 12-17. ein großer Schrecken und eine verzweiflungsvolle Angst beschrieben, worein die unseligen Toten gesetzt worden seien, als das Lamm das sechste Siegel an dem Buch auftat, welches Ihm von dem Vater übergeben worden. Das Ende der Welt und der Anbruch des jüngsten Tages wurden diesen Toten in einem Gesicht gezeigt, wobei sie sich dann in den Klüften und Felsen an den Bergen verbargen, und zu den Bergen und Felsen sprachen: Fallet auf uns, und verberget uns vor dem Angesicht Des, der auf dem Stuhl sitzt, und vor dem Zorn des Lammes, denn es ist kommen der große Tag Seines Zorns, und wer kann bestehen? Merkwürdig ist’s, daß diese unseligen Toten sich nicht nur vor dem Angesicht Dessen, der auf dem Thron sitzt, sondern auch vor dem Zorn des Lammes fürchten. Es ist also die Herrlichkeit Jesu Christi auch in der Hölle geoffenbart, und die Zungen der unseligen Toten bedenken, daß Er der HErr und Richter sei. Kläglich ist’s also, daß sie vor Seinem Zorn sich verbergen wollen, da Er doch ihr Erlöser gewesen war, ihre Sünden getragen hatte, und sie zum Genuß Seiner Gnade berufen hatte. Dieser Genuß war aber nun versäumt. Nun fürchten sie sich vor dem Zorn des Lammes. Nun sehen sie den großen Tag Seiner Zukunft als den großen Tag Seines Zornes an. Nun fragen sie: Wer kann bestehen? Und ihr Gewissen antwortet ihnen: unter uns Keiner, weil es uns an der Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, fehlt.

Diese Vorstellung soll den sterblichen Menschen, bei denen die angenehme Zeit und der Tag des Heils noch währet, dazu dienen, daß sie des Wortes Gottes, das sie hören, wohl wahrnehmen, damit sie nicht mit andern Ungläubigen dahin fahren, Hebr. 2, 1., in dem gnadenreichen Heute, da sie Gottes Stimme hören, ihre Herzen nicht verstocken, Hebr. 3, 15., und sich fürchten, damit sie die Verheißung, in die Ruhe Gottes einzukommen, nicht versäumen. O es ist etwas Schreckliches, in die Hände des lebendigen Gottes fallen, und den Zorn des Lammes am Tag des Gerichts erfahren. Und dieses wird doch Königen und Obersten und Reichen und Hauptleuten und Gewaltigen und Sklaven und freien Leuten widerfahren, welche nie Buße getan, und sich zu Christo dem Hirten und Bischof der Seelen nie bekehrt haben. Sie waren vorher oft zornig: nun kommt aber der göttliche Zorn, und schlägt sie nieder, und der Tag des Gerichts bricht an, an welchem sie in ihrer schändlichen Blöße offenbar werden und ihr Urteil empfahen sollen. Lasset uns also jetzt mit Freimütigkeit zu dem Gnadenstuhl hinzutreten, auf daß wir Barmherzigkeit empfangen und Gnade finden auf die Zeit, wenn uns Hilfe not ist, Hebr. 4, 16. Lasset uns Alles, was der blinden Welt ein Gewinn zu sein deucht, für Schaden achten, damit wir Christum gewinnen und in Ihm erfunden werden, nicht habend ihre Gerechtigkeit, die aus dem Gesetz, sondern die durch den Glauben an Christum kommt, nämlich die Gerechtigkeit, die von Gott dem Glauben zugerechnet wird, Phil. 3, 8.9. Lasset uns im Glauben an Ihn leben und sterben; denn wer an Ihn glaubt, wird nicht zu Schanden werden.

(Magnus Friedrich Roos)

Eingestellt am 28. März 2022