Ach traure nicht, du frommer Christ

(1)[1] Ach traure nicht, du frommer Christ,
der du im Elend jetzund bist,
mußt gehn auf fremde Straßen.
Schwer ist das Joch,
doch lebet noch,
der sein Volk nie verlassen.

(2)[2] Gedenke nicht, du seist allein:
es haben müssen Pilgrim sein
Erzväter und Propheten.
Ja, Gottes Kind,
frei aller Sünd,
war auch in solchen Nöten.

(3)[3] Schau über dich, da wohnet Gott,
versöhnt durch Christi Kreuz und Tod;
von dem kann dich nichts scheiden.
Dir ist bereit’
vor aller Zeit
das Himmelreich voll Freuden.

(-) [4] Mit Gnaden ist und bleibt er dir
dein treuer Heiland für und für,
du hast ein rein’ Gewissen:
Der alte Drach’,
mit Schimpf und Schmach,
liegt unter deinen Füßen.

(4) [5] Sind um dich her der Feinde viel,
so hat doch Gott gesteckt ein Ziel,
das sie nicht überschreiten.
Find’t sich Gefahr,
der Engel Schar
muß selber für dich streiten.

(5) [6] Gott zählet alle Härlein klein,
nicht eines soll verloren sein:
wie sollt er dann nicht sorgen
für Seel und Leib,
für Kind und Weib?
Sie sind ihm unverborgen.

(-) [7] Wenn wider dich die Feind’ aufsteh’n,
zu Rat in vollem Haufen geh’n,
sind stolz und hoch vermessen,
lacht ihrer Gott,
macht sie zu Spott,
die sein Volk wollen fressen.

(-) [8] Nimmt deine Trübsal überhand,
so ist dir doch auch dies bekannt,
daß du mußt Kreuze leiden,
zu Gottes Ehr’
und falsche Lehr’
und Abfall zu vermeiden.

(6) [9] Wird dir dein zeitlich Gut geraubt
und mitzunehmen nichts erlaubt,
befiehl Gott deine Sache.
Er ist´s, der richt’,
wenn niemand spricht.
Sein ist allein die Rache.

(7) [10] Dein traurig Herze sprich zur Ruh.
Gott wird dir Leute schicken zu,
die werden dir beispringen
mit treuem Rat
und mit der Tat,
daß du ihm wirst lobsingen.

(8) [11] Er wird ein Räumlein dir bescher’n,
daß du dich ehrlich wirst ernähr’n
und können sicher wohnen,
bis er zu sich
wird nehmen dich,
dir deine Treue lohnen.

(-) [12] Da wirst du seh’n mit Freudigkeit,
was denen ist für Qual bereit’,
die dich so schmerzlich plagen;
die Laub und Gras,
auch dürr und naß,
den Gläubigen versagen.

(-) [13] Hergegen wirst du ewiglich,
bei Gott und mit Gott freuen dich,
dort im verklärten Leben:
Für Spott und Hohn
wird er die Kron
der Herrlichkeit dir geben.

(9) [14] Du wirst erfahren in der Tat,
daß deine Zier in Gottes Stadt,
die nicht von dir wird weichen,
mit aller Pein,
die hier mag sein,
gar nicht sei zu vergleichen.

(-) [15] Wenn sie denn solches werden sehn,
wird mancher in Furcht schrecklich stehn,
der jetztund jubilieret,
ihr bestes Gut,
wird sein die Glut,
vom Teufel aufgeschüret.

(10) [16] Wohlan, so leid’ jetzt, was du soll’t!
Und wenn auch gleich der Teufel wollt’
vor Zorn die Höll anzünden,
dennoch wirst du
in Fried’ und Ruh
bei Gott dein Räumlein finden.

Liedtext: Johann Heermann (1585-1647)
Weise: 15. Jahrh./Straßburg 1560 “In dich hab ich gehoffet, Herr”

 Verweise:

Strophen in ( ):

Liedeintrag bei christliche-gedichte.de

Lied Nr. 291 (Evangelisches Kirchengesangbuch, Ausgabe für die Vereinigte Evangelisch-protestantische Landeskirche Badens, Karlsruhe 1951)

Lied Nr. 291 (Evangelisches Kirchengesangbuch, Ausgabe für die Evangelische Landeskirche in Württemberg, 1953)

Strophen in [ ]:

Liedeintrag bei hymnary.org

Lied# 535 (Neu-Eingerichtetes Gesang-Buch, in sich Haltend eine Sammlung (mehrentheils alter) Schöner lehr-reicher wunderbarlicher Lieder. Gedruckt bey Christoph Saur, auf Kosten vereinigter Freunden, Germantown [Pa.], 1762)

Heermanns Lieder (externer Link amras_de @ flickr)