Kremation (Einäscherung)

Die Kremation ist der Vorgang der Einäscherung im Rahmen der Feuerbestattung eines Verstorbenen. Sie wird auch als Kremierung bezeichnet; früher nannte man sie Leichenverbrennung. Der Kremation folgt die anschließende Beisetzung der zurückbleibenden Asche. In der Archäologie wird vor allem die Bezeichnung “Brandbestattung” benutzt.

Die Kremation ist eine Bestattungsform der neueren Zeit. Von 4000 v.Chr bis 500 v. Chr. war die Erdbestattung die weitaus vorherrschende Art der Bestattung von Verstorbenen.

Bei den alten Griechen wurden noch zu Platos Zeiten die Toten beerdigt. Doch seit Beginn des 4. Jahrhunderts vor Christus setzte sich die Vorstellung durch, daß die Seele einer Reinigung bedürfe, um an den Ort der Seligen zu gelangen. Die Leichenverbrennung wurde ein gängiger Brauch, der auch im Buddhismus nahezu allgemeine Verbreitung fand.

Der Geschichtsschreiber Plinius berichtet von den alten Römern: «Das Verbrennen der Leichen war bei den Römern eine nicht althergebrachte Einrichtung; die Leichen wurden in der Erde begraben. Erst aus Furcht der Verunehrung griff man später zur Verbrennung.»

Die einzigen, bei denen die Verstorbenen niemals verbrannt wurden, waren Juden und Christen, die im Gehorsam gegenüber dem Wort Gottes handelten. In der frühen Übersetzung des apostolischen Glaubensbekenntnisses heißt es “Ich glaube an die Auferstehung des Fleisches“, und dieser Glaube war nicht vereinbar mit einer Zerstörung des menschlichen Leibes, der auf seine Auferweckung bzw. seine Verwandlung in den geistlichen Leib der himmlischen Herrlichkeit wartet.

Betrachtet man das biblische Zeugnis im Alten und Neuen Testament, so bedeutete die Verbrennung von menschlichen Körpern immer ein Gericht, eine Strafe oder eine Schande [2]. Mit der Verbreitung des Christentums nahm in der spätantiken Epoche die Häufigkeit des heidnischen Feuerbestattungsrituals wieder ab. Mit einem Erlass von Karl dem Großen (748814 n. Chr.) aus dem Jahr 786 wurde die Verbrennung von Toten verboten und die Erdbestattung für alle Bürger des Reiches verpflichtend eingeführt [1]. Diese Regel bestimmte für Jahrhunderte die Bestattungskultur, selbst über die Umbrüche der Reformationszeit und der Aufklärung hinaus. Beginnend im 18. Jahrhundert, und vor allem ausgehend vom Bürgertum des 19. Jahrhunderts vollzog sich jedoch ein Wandel hin zu einer Abgrenzung vom christlichen Glauben.

In Europa fand die erste Feuerbestattung der Neuzeit im Jahre 1752 auf Schloss Roßwald in Österreichisch-Schlesien statt. Damals wurde die Gemahlin des Grafen Albert Joseph von Hoditz auf einem Scheiterhaufen eingeäschert.

Die Französische Revolution brachte eine wesentliche Ausweitung der Praxis der Leichenverbrennung. Die Feinde der christlichen Kirche arbeiteten dabei sehr zielbewußt.

Im Jahre 1878 erlaubte Herzog Ernst II. von Sachsen-Coburg und Gotha den Bau des ersten Krematoriums auf deutschem Boden; es wurde am 10. Dezember 1878 in Gotha eröffnet. Auf dem Bergfriedhof in Heidelberg entstand 1891 das zweite Krematorium in Deutschland. Der aus hellem Keuper-Sandstein errichtete Hauptteil des Gebäudes hat die Form eines antiken Tempels.

Krematorium auf dem Bergfriedhof in Heidelberg

In der Folgezeit wurde die Idee der Kremation durch religions- und kirchenkritische Weltanschauungen weiter befördert, welche die leibliche Auferstehung der Toten leugnen. So bildete sich im Jahr 1905 der Verband Freidenker für Feuerbestattung. Dessen Gründerväter vertraten das Ziel: „… die Idee der Feuerbestattung, getragen von sozialistischen und antikirchlichen Erkenntnissen in die Massen des Proletariats hineinzutragen“ [3].

In Österreich setzte sich seit Ende des 19. Jahrhunderts vor allem der Verein Die Flamme für die Errichtung eines Krematoriums ein. Das erste österreichische Krematorium – die Feuerhalle Simmering in Wien – wurde im Jahr 1922 seiner Bestimmung übergeben.

Bis zu seiner völligen Zersetzung brennt ein Leichnam 1 ½ Stunden lang bei einer Feuershitze von 1200-1500 Grad.

Bibelstellen:

Also starb Mose, der Knecht des HERRN, daselbst im Lande der Moabiter nach dem Wort des HERRN. Und er begrub ihn im Tal im Lande der Moabiter gegenüber Beth-Peor. (5. Mose 34, 5.6)

So spricht der HERR: Um der drei, ja der vier Frevel willen derer von Moab will ich es nicht zurücknehmen, weil sie die Gebeine des Königs von Edom verbrannt haben zu Kalk. (Amos 2, 1)

…und bauen die Altäre des Thopheth im Tal Ben-Hinnom, daß sie ihre Söhne und Töchter verbrennen, was ich nie geboten noch in den Sinn genommen habe. (Jeremia 7, 31)

Und die Erde erbebte, und die Felsen zerrissen, die Gräber taten sich auf, und standen auf viele Leiber der Heiligen, die da schliefen, und gingen aus den Gräbern nach seiner Auferstehung und kamen in die heilige Stadt und erschienen Vielen. (Matth. 27, 52)

Bildnachweise:
Kremation in Ubud (Indonesien). Public Domain, via Wikimedia Commons
Krematorium auf dem Bergfriedhof in Heidelberg: Phaeton1, Lizenz CC-BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Einzelnachweise:

[1] Wikipedia-Artikel: Feuerbestattung

[2] Schadt-Beck, Gerhard und Ellen: Warnung vor Kremation. 3., veränderte und erweiterte Auflage 2013. Evangelischer Missiondienst “Lehret alle Völker”, Lauffen a.N. ISBN 3-9811022-6-6 [Download als pdf]

[3] Artikel zum 100. Gründungstag der „Freidenker für Feuerbestattung“ in Berlin

Eingestellt am 29. Juni 2021 – Letzte Änderung am 3. Juli 2021