Samuel Hebich: Erste Predigt.

Der Teufel macht dir vor, du seiest gerecht, und dein Nachbar macht dich ungerecht, und sowie du keine Ungerechtigkeiten einstecken kannst, bist du verloren. Es ist eine große Sache, innerlich stille werden, d. h. mit Gott umgehen. Neulich bekam ich eine Zeitung in die Hand und las nur ein paar Worte, nemlich daß Napoleon mit dem Papst Freundschaft mache. Das war mir sehr wichtig, was kann Ein Tag bringen! Ich sage Euch das nur so in das Ohr hinein, es stehen wichtige Sachen bevor; wir gehen in sehr wichtige Zeiten hinein, daher ist’s auch so wie’s ist: keiner traut dem andern, die Leute merken, daß etwas kommt, aber sie wissen nicht was. Das sage ich überall, daß, wer seine Seele erretten will, der soll’s jetzt thun, und zwar recht; jetzt kommt es recht drauf an, Ernst zu machen, wir können nicht zwei Herren dienen. Wenn du mit der Welt Freundschaft machst, so kannst du nicht Gott dienen; du darfst nicht nach dieser und jener Person deinen Kopf hängen, sondern es handelt sich um das, daß du dem heiligen Geist gehorsam bist. Siehe, ob du geleitet bist durch den heiligen Geist, prüfet euch vor Gott, ob ihr nach dem heiligen Geist laufet; prüfet euch vor Gott, ob ihr eure Reden nach dein heiligen Geist richtet, der ist uns gegeben, damit wir alles geistlich richten können, betrübet den heiligen Geist nicht und wenn ihr Ihn betrübet habt, thut ernstlich Buße.

Wenn wir jung sind, wissen wir viel zu schwätzen, wenn wir aber unter der Zucht des heiligen Geistes stehen, dann werden wir stille. Prüfet euch vor Gott, wie ihr vor Ihm stehet. Wir haben jetzt gar kein gesundes Urtheil in den Dingen Gottes; jeder schwätzt gerade, wie ihm der Schnabel gewachsen ist, es wird nicht geurtheilt nach diesem Buch, die Frommen haben gar kein gesundes Urtheil über das Buch.

Du bist theuer erkauft, Ihm gehörst du, nimm dich in Acht, was du sprichst, denkst, handelst, der Teufel geht aus dich zu verführen und dir deinen Schatz zu rauben; wenn du aber dem heiligen Geist gehorsam bist, hast du Frieden mit Gott, und wenn du keinen Frieden hast, kannst du gewiß sein, der Teufel hat dich, Hebr 9, 27.28.

„Und wie dem Menschen ist gesetzt, Einmal zu sterben, darnach aber das Gericht, also ist Christus Einmal geopfert wegzunehmen Vieler Sünden. Zum andern Mal aber wird Er ohne Sünde erscheinen denen, die auf Ihn warten zur Seligkeit“. Das sind so die Worte, die vor meinem Geiste stehen. Christus kommt wieder ohne Sünde und gibt Seligkeit denen, die auf Ihn warten. Das Wort hat mit einem Juden zu thun, der das Alte Testament kennt, aber obgleich wir keine Juden sind, müssen wir uns doch dahinein arbeiten, sonst verstehen wir Gott nicht; wir werden von Gott und von Christus wenig verstehen, wenn wir das Alte Testament nicht lesen, Hebr. 9, 1-8. Es hatte zwar auch das erste seine Rechte des Gottesdienstes und äußerlichen Heiligkeit, Denn es war da aufgerichtet das Vordertheil der Hütte, darinnen war der Leuchter und der Tisch und die Schaubrote und diese heißt das Heilige, hinter dem andern Vorhang aber war die Hütte, die da heißt das Allerheiligste…

Quelle: Predigten auf Weihnachten, die Passions- und Osterzeit aus den Jahren 1867 und 1868, von Samuel Hebich, Missionar. Mit einem Anhang, enthaltend fünf Missions- Vorträge von demselben. Basel Missions-Comptoir, 1872