Du, meine Seele, wache!

1) Du meine Seele, wache!
Der Heiland sagt’s vorher;
Die Hure, Tier und Drache
Verfolgen immer mehr.
O, bei des Drachen Grimme
Und bei der Hure Wein
Und bei des Tieres Stimme
Will’s ja gewachet sein!

2) Sind Tausende im Schlafe,
Als wäre keine Not,
So denk’ du an die Strafe,
Die uns der Herr gedroht.
Hinweg mit Furcht und Scheue,
Wo nahe Not zu seh’n;
Hier ist Geduld und Treue
Bei denen Heiligen.

3) Du Hirt der kleinen Herde,
Zieh uns die Waffen an;
Gib uns Dein Wort zum Schwerte
Das Feinde fällen kann.
Einst bei des Tieres Bilde
Gib auch zu unserm Teil
Den Glauben mir zum Schilde,
Zu unserm Helm Dein Heil.

4) Herr, Du hast überwunden!
Wir haben hier noch Krieg,
Gib uns in bösen Stunden
Durch Deine Macht den Sieg.
Weck Du uns auf zum Beten,
Halt uns die Krone für;
Hilf uns durch Dein Vertreten,
So trennt uns nichts von Dir!

Schriftstelle:

Was ich euch sage, das sage ich Allen: Wachet! (Markus 13, 37)

Wenn es der Herr Jesus allen sagt, so muß es einen Jeglichen angehen in eben der Zeit, worin er lebt. Laßt uns also auf unsere Zeit merken!

Liedtext: Philipp Friedrich Hiller (1699-1769)
Melodie: Valet will ich dir geben

Quelle: Hiller, Philipp Friedrich, Pfarrer in Steinheim bei Heidenheim: Geistliches Liederkästlein zum Lobe Gottes, Zweiter Teil, zum 28. Januar, bei J.B. Müller, Stuttgart 1833