2. Thessalonicher 2, 3

«Lasst euch von niemand in irgendeiner Weise verführen! Denn es muss unbedingt zuerst der Abfall kommen und der Mensch der Sünde geoffenbart werden, der Sohn des Verderbens» (2. Thess 2, 3).

Gewissheit statt Chaos

Was für ein Abfall muss vor dem Ende kommen? Manche sehen in diesem Abfall die Entrückung. Doch Paulus verwendet das Wort apostasia. Apostasie bedeutet, von etwas wegzufallen, während die Entrückung unsere Versammlung zum Herrn hin ist. Daher kann Paulus nicht an die Entrückung gedacht haben, als er das Wort verwendete. Der Begriff bezeichnet im Griechischen denn auch eine militärische, politische oder religiöse Rebellion, wie wir zum Beispiel in Apostelgeschichte 21, 21 sehen: «Es ist ihnen aber über dich berichtet worden, du würdest alle Juden, die unter den Heiden sind, den Abfall
[ ἀποστασία – apostasia] von Mose lehren und sagen, sie sollten ihre Kinder nicht beschneiden und nicht nach den Gebräuchen wandeln»

Wie Noah haben auch
wir die Aufgabe, eine
gleichgültige Welt zu
warnen und am Glauben
und an der Hoffnung
festzuhalten.

Bei dieser endzeitlichen apostasia geht es um Abtrünnigkeit, um die bewusste Abkehr von Christus. Der Herr selbst sagt in Matthäus 24, 9-13:

«Dann wird man euch der Drangsal preisgeben und euch töten; und ihr werdet gehasst sein von allen Heidenvölkern um meines Namens willen. Und dann werden viele Anstoss nehmen, einander verraten und einander hassen. Und es werden viele falsche Propheten auftreten und werden viele verführen. Und weil die Gesetzlosigkeit überhandnimmt, wird die Liebe in vielen erkalten. Wer aber ausharrt bis ans Ende, der wird gerettet werden.»

Vor dem Ende «werden viele Anstoss nehmen» (V. 10). Das heisst, viele werden im Christentum und vom Christentum abfallen – vom christlichen Glauben, von den christlichen Werten und dem christlichen Weltbild. Das sehen wir heute, wenn in der Gesellschaft biblische Wahrheiten umgekehrt werden, wie zum Beispiel in der Genderdebatte. Die Menschen der letzten Zeit fallen von Gott selbst ab. Und bei diesem Abfall im Christentum wird sich der Mensch der Sünde offenbaren bzw. die Bühne für seine Erscheinung wird vorbereitet. Die Bibel nennt ihn auch den Mensch der Gesetzlosigkeit, den zukünftigen Fürst (Dan. 9, 26), das kleine Horn (Dan. 7, 8), das Tier aus dem Meer (Offb. 13, 2-10) oder den Antichrist.

Was wissen wir über ihn? Paulus  schreibt, dass er «sich widersetzt und sich über alles erhebt, was Gott oder Gegenstand der Verehrung heisst, so dass er sich in den Tempel Gottes setzt als ein Gott und sich selbst für Gott ausgibt» (2. Thess. 2, 4). Und: «Dann wird der Gesetzlose geoffenbart werden, den der Herr verzehren wird durch den Hauch
seines Mundes, und den er durch die Erscheinung seiner Wiederkunft beseitigen wird, ihn, dessen Kommen aufgrund der Wirkung des Satans erfolgt, unter Entfaltung aller betrügerischen Kräfte, Zeichen und Wunder und aller Verführung der Ungerechtigkeit…» (V. 8-10).

Dieser Mensch der Sünde ist eine Person, steht aber auch für ein antichristliches
System. In Offenbarung 13 zum Beispiel wird er als eine Person beschrieben (das Tier aus dem Meer, V. 1-10), verbunden mit einer weiteren Person (das Tier aus der Erde, V. 11-18). Zugleich geht es um ein System, für das er steht: «Und es bewirkt, dass allen, den Kleinen und den Grossen, den Reichen und den Armen, den Freien und den Knechten, ein Malzeichen gegeben wird auf ihre rechte Hand oder auf ihre Stirn, und dass niemand kaufen oder verkaufen kann als nur der, welcher das Malzeichen hat oder den Namen des Tieres oder die Zahl seines Namens» (Offb. 13, V. 16-17; vgl. Offb. 17, 12-13).

Wir sollten uns nicht bloss aus Neugierde mit dem Antichristen beschäftigen oder weil die Bibel ihn erwähnt, sondern weil wir so Einsicht in das Geheimnis der Gesetzlosigkeit, das schon am Wirken ist, erhalten (2. Thess. 2, 7). Wenn wir auf die Struktur des Bösen
achten, die in der Person des Antichristen deutlich zu Tage treten wird, dann werden wir dem Bösen in der Gegenwart auch erfolgreich widerstehen und es einordnen können.

Mark Hitchcock beschreibt den Mensch der Sünde wie folgt:

«Der Antichrist wird eine anziehende und charismatische Gestalt sein, ein Genie, ein von Dämonen beherrschter und vom Teufel unterrichteter Charmeur, der die Menschen für sich gewinnt. Er wird Antworten auf die gewaltigen Probleme der Menschheit haben. Er wird alles für alle Menschen sein: ein politisch erfahrener Staatsmann, ein Salonlöwe, ein finanzieller Zauberer, ein intellektueller Gigant, ein religiöser Betrüger, ein meisterlicher Redner, ein begnadeter Organisator. Er wird das trügerische Meisterwerk des Teufels und der falsche Messias der Welt sein. Mit grenzenlosem Enthusiasmus werden die Massen ihm folgen und ihm den Thron ihres Herzens überlassen als dem Erlöser und Gott der Welt.»

Quelle:

Winkler, Nathanael: Gewissheit statt Chaos, S. 8f. In: Mitternachtsruf, Ausgabe März 2023 [pdf] ─ © 2023 Missionswerk Mitternachtsruf, www.mnr.ch

Weblinks und Verweise

2. Thessalonicherbrief

Zöfelt, Achim: Betrachtung 2. Thessalonicher (2) bei bibelstudium.de

Prof. Dr. Manfred Seitz (1928-2017): Antichrist – Wer oder was ist das? – Information AG1086 bei AG Welt (pdf)

Pfarrer i.R. Walter Schaal: 2. Thessalonicher 2, 1-12 – Der Durchblick des Glaubens [Download als pdf, externer Link]

Weitere Auslegung zum Vers

Bibelverse zum Thema „Warnung vor Verführung


Übersicht: 2. Thessalonicherbrief

Eingestellt am 21. Februar 2023 – Letzte Überarbeitung am 9. Juli 2024