Du gehest in den Garten beten (Mentzer)

Passion

1) Du gehest in den Garten beten,
mein treuster Jesu, nimm mich mit;
laß mich an deine Seite treten,
ich weiche von dir keinen Schritt!
Ich will an dir, mein Lehrer sehn,
wie mein Gebete soll geschehn.

2.) Du gehst mit Zittern und mit Zagen
und bist bis in den Tod betrübt.
Ach, dieses soll ans Herz mir schlagen,
daß mir die Sünde so beliebt.
Drum willst du, daß ein Herz voll Reu’
mein Anfang zum Gebete sei.

3) Du reißest dich von allen Leuten,
du suchst die stille Einsamkeit;
so muß auch ich mich wohl bereiten
und fliehen, was mein Herz zerstreut.
Zeuch mich von aller Welt allein;
daß nur wir zwei beisammen sein!

4) Du wirfst dich kniend hin zur Erden,
fällst nieder auf dein Angesicht.
So muß die Demut sich gebärden;
drum brüst´ ich Asch und Staub mich nicht,
und beuge mich in Niedrigkeit,
wie du, voll Trauer, Angst und Leid.

5) Du betest zu dem lieben Vater,
rufst “Abba, Abba!” wie ein Kind.
Dein Vater ist auch mein Berater,
sein Vaterherz ist treu gesinnt;
drum halt’ ich mich getrost an dich,
und rufe: “Abba, höre mich!”

6) Du wirfst voll Zuversicht und Liebe
dem Vater dich ans treue Herz
und rufst aus stärkstem Herzenstriebe
mit heißen Tränen himmelwärts.
Ach, Glaub und Liebe sind mir not,
sonst ist mein Beten alles tot.

7) Geduldig Lamm, wie hältst du stille,
und im Gebete dreimal an!
Dabei ist auch für mich dein Wille,
daß ich soll tun, wie du getan.
Hilft Gott nicht gleich aufs erste Flehn,
so darf ich wieder vor ihn gehn.

7) Dein Wille senkt sich in den Willen
des allerbesten Vaters ein;
darein muß ich auch mich verhüllen,
dafern ich will erhöret sein.
Drum bet’ ich in Gelassenheit:
Was mein Gott will, gescheh’ allzeit.

8) Obgleich die Jünger dein vergessen,
gedenkst du doch getreu an sie,
und da dich alle Martern pressen,
sorgt du für sie mit steter Müh.
Mein Beten bleibet ohne Frucht,
wenn es des Nächsten Heil nicht sucht.

9) Du, Herr, erlangest auf dein Flehen
Trost, Kraft, Sieg, Leben, Herrlichkeit;
und so wird’s auch mit mir geschehen,
daß ich zur angenehmen Zeit
auf ernstlich Beten freudenvoll
den gleichen Segen ernten soll.

10) Mein Jesu, hilf mir so zu beten,
wie mich dein heilig Vorbild lehrt!
So kann ich frei zum Vater treten
und werde stets von ihm erhört;
so bet’ ich mich zum Himmel ein
und will dir ewig dankbar sein.

Liedtext: Johann Mentzer (1658-1734)
Melodie: 1823, F. Sicher

Links und Verweise:

Lied Nr. 183: Gesangbuch für die evangelische Kirche in Württemberg, Schmuckausgabe, S. 191f (Verlagskontor des evangelischen Gesangbuchs, Stuttgart 1912)