O daß ich wäre wie in den vorigen Tagen, da mich Gott behütete; da seine Leuchte über meinem Haupte schien, und ich bey seinem Lichte in Finsterniß ging, wie zur Zeit meiner Jugend, da Gottes Geheimniß über meiner Jugend, da Gottes Geheimniß über meiner Hütte war. (Hiob 29, 2-4)
Die Wege des Herrn, die er die Seinen führt, sind oft sehr dunkel, daß man kaum einen Schritt vor sich sieht, und nicht weiß, wo man hintreten soll. Schwarze Nacht umgiebt die Seele von allen Seiten, kein Sternlein leuchtet – Sonne und Mond sind untergegangen; der Weg rauh, uneben und gefährlich; da denkt man, wie Hiob, an die vorigen Tage und Jahre der schönen herrlichen Erleuchtung, wo man wie am hellen Tage im Lichte, in der Sonne der Gerechtigkeit wandelte, und wo man auch in der Finsterniß noch Licht genug hatte, um freudig und sicher zu wandeln. Aber Hiob mußte doch durch diese Nacht, und der Herr führte ihn auch durch. ─ Hiobs Gott ist auch dein Gott ─ überlaß dich nur ihm, halte dich im Glauben, wenn du nichts siehst, an seiner verborgenen Hand fest. – Sie hält dich, wenn du sie gleich nicht spürst; sie läßt dich nicht. Und wenn du auch mit Jesaia sagen mußt: Wir harren aufs Licht, so wirds dunkel – statt des erharrten Lichtes froh zu werden, bricht immer mehr Finsterniß herein; so sey doch unverzagt: denn das Volk, das im Dunkeln wandelt, sieht ein großes Licht, wenn es nur im Glauben verharret. Der Herr ist gestern und heute und in Ewigkeit derselbe – wie er war in der Jugend meines Glaubens, da sein Geheimniß über meiner Hütte war, so ist er jetzt noch, wenn jetzt gleich nur Finsterniß meine Hütte bedecket; Er ändert sich nicht. – Er bleibt die Liebe, Treue und Wahrheit, in der Nacht, wie am Tage, beim Sturm, wie beim ruhigen heitern Sonnenschein. Aendere du nur deinen Glauben, deine Zuversicht nicht. Er ändert sich nicht.
(Johannes Evangelista Goßner, Schatzkästchen 3. Juli, in der Glaubensstimme)
Joh. Evangelista Goßner (1773-1858)
O daß ich wär wie in den vor’gen Tagen,
Da ach so treu mein Gott behütet mich,
Da Er so gnadenvoll Sein Kind getragen,
Da meine Seele nimmer von Ihm wich,
Da über meinem Haupte Seine Leuchte
In lichten Strahlen mild herniederschien,
Da alle Finsternis Sein Licht verscheuchte,
Da ich geliebt von ganzem Herzen Ihn.
Liedtext: Georg Wilhelm Schulze (1829-1901)
