Wer nur den lieben Gott läßt walten (EG 369, EG Württ. 1912 #322)

Notensatz: Pierer’s Universal-Lexikon. Altenburg 41857-1865, Band 4, S. 81-86., Public domain, via Wikimedia Commons

1) Wer nur den lieben Gott läßt walten
Und hoffet auf Ihn allezeit.
Den wird Er wunderbar erhalten
In aller Not und Traurigkeit.
Wer Gott, dem Allerhöchsten, traut,
der hat auf keinen Sand gebaut.

2) Was helfen uns die schweren Sorgen,
was hilft uns unser Weh und Ach?
Was hilft es, daß wir alle Morgen
beseufzen unser Ungemach?
Wir machen unser Kreuz und Leid
nur größer durch die Traurigkeit.

3) Man halte nur ein wenig stille
Und sei doch in selbst vergnügt,
wie unsers Gottes Gnadenwille
und Sein Allwissenheit es fügt!
Gott, der uns ihm hat auserwählt,
der weiß auch sehr wohl, was uns fehlt.

4) Er leitet uns mit Seinen Augen,
Er führet uns an Seiner Hand,
bewahrt vor Dingen, die nichts taugen,
vor Sünde, Eitelkeit und Tand,
und will bei Sturm und Sonnenschein
der beste Schirm und Schatten sein.

5) Bleib bei uns, Herr, will´s Abend werden,
gib Mut durch Deine Gegenwart,
sei unser Leitstern hier auf Erden
bis zu der sel’gen Himmelfahrt!
So heißt’s bis in die ob’re Stadt:
Wohl dem, der Dich zum Führer hat!

6) Er kennt die rechten Freudenstunden,
Er weiß wohl, wann es nützlich sei.
Wenn er uns nur hat treu erfunden
Und merket keine Heuchelei,
So kommt Gott, eh‘ wir’s uns versehn,
Und läßet uns viel Gut’s geschehn.

7) Denk nicht in deiner Drangsalshitze,
Daß du von Gott verlassen seist,
Und daß der Gott im Schoße sitze,
Der sich mit stetem Glücke speist.
Die Folgezeit verändert viel
Und setzet jeglichem sein Ziel.

8) Es sind ja Gott sehr leichte Sachen
Und ist dem Höchsten alles gleich,
Den Reichen klein und arm zu machen,
Den Armen aber groß und reich.
Gott ist der rechte Wundermann,
Der bald erhöh’n, bald stürzen kann.

9) Sing, bet und geh auf Gottes Wegen,
Verricht das Deine nur getreu,
Und trau des Himmels reichem Segen,
So wird er in dir werden neu;
Denn welcher seine Zuversicht
Auf Gott setzt, den verläßt er nicht.

Liedtext und Melodie: (1641) 1657, Georg Neumark (1621-1681)
Andere Melodie: © 2017, Johann Thomas Rüegg

Anekdote zum Lied.

Unter dem König Friedrich Wilhelm I. wurde ein Candidat der Theologie, der seinem alten Vater im Amt folgen sollte, mit Gewalt zum Soldatenstand gezwungen. In einer stürmischen Herbstnacht wurde er einfach abgeholt, um den blauen Rock anzuziehen. Es half kein Bitten und kein Jammer; die Familie war trostlos. Von einem Monat zum andern wartete der gebeugte Vater auf ein Schreiben des Sohnes; zwei Jahre verstrichen, ehe man etwas von ihm erfuhr, und dann brachte die erste Nachricht er selbst. Er erzählte: Heute vor 14 Tagen stand ich Posten als Grenadier auf dem großen Korridor des königlichen Schlosses in Berlin. Ich dachte wie gewöhnlich an die Heimat, und unwillkürlich sang ich das Lied von Freylinghausen: Mein Herz, gib dich zufrieden! Als ich an den Vers kam:

Kann’s doch nicht ewig währen,
oft hat Gott unsre Zähren
eh man’s meint, abgewischt.
Wenn’s bei uns heißt: Wie lange
wird mir so angst und bange!
So hat er Leib und Seel erfrischt;

öffnete sich zu meinem Schrecken die Türe, und eine Dame sah heraus. Nach einer Weile kam ein Page mit den Worten: Schildwache, wenn du abgelöst wirst, sollst du in diese Tür zu Ihrer Majestät der Königin kommen. Mit sehnlicher Angst erwartete ich den Stundenschlag, und zitternd trat ich ins Gemach der Königin. Ihr mußte ich alles erzählen, sie selbst aber sagte: ich kann zwar nichts für dich tun, doch will ich Sorge tragen, daß du morgen von 11-12 Uhr hier abermals Wache stehst.  Da wird der König bei mir sein. Singe dann mit deiner hellen Stimme einen Vers aus dem Lieblingslied des Königs: „Wer nur den lieben Gott läßt walten“ Dann wollen wir weiter sehen! Es geschah. Ich sang:

Es sind ja Gott sehr schlechte Sachen,
und ist dem Höchsten alles gleich,
Den Reichen klein und arm zu machen,
den Armen aber groß und reich.
Gott ist der rechte Wundermann,
der bald erhöh’n, bald stürzen kann.

Vergebens wartete ich, abgerufen zu werden. Aber am andern Tage mußte ich vor dem König erscheinen, erhielt eine goldne mit Dukaten gefüllte Tabatiere [Schnupftabakdose] und das Patent eines Generalsuperintendenten. Die ganze Errettung beugte die Eltern zum tiefsten Dank; das Patent hatte seinen Grund in der Liebe eines adeligen Fräuleins, welches man dem jungen Theologen zur Heirat anbot (Fritz Schwerin, christliche Geschichten).

War auch dieser Ausgang nach dem Geschmack jener Zeit, so war doch die Veranlassung zu dem plötzlichen Wechsel nach dem Wohlgefallen des Herrn.

Weblinks und Verweise:

Lied Nr. 322, in: Gesangbuch für die evangelische Kirche in Württemberg, Schmuckausgabe (Verlagskontor des evangelischen Gesangbuchs, Stuttgart 1912)

Lied Nr. 541, in: Johann Peter Lange, Deutsches Kirchenliederbuch, 1843.

Notensatz, 4stimmig (NEUMARK, pdf, externer Link zu Hymnary.org)

Audiofile ( midi, mp3, externer Link zu Hymnary.org)

Notensatz, 4stimmig (Rüegg, pdf, externer Link zu Christ My Song)

Lieder mit gleicher Melodie:

Die Seele ist dazu geboren (Richter)

Gott! gib mir deinen Geist zum Beten (Hiller)

Mein Gott! Wie bist du so verborgen! (Salomo Franck)

Eingestellt am 4. November 2020 – Letzte Überarbeitung am 7. September 2021