Predigt über Apostelgeschichte 19, 19

„Viele aber, die da vorwitzige Kunst getrieben hatten, brachten die Bücher zusammen und verbrannten sie öffentlich, und überrechneten, was sie wert waren, und fanden des Geldes fünfzig tausend Groschen.”
(Apostelgeschichte 19, 19)

In dem Herrn geliebte Gemeinde.

Gar viele haben ihr Heil vertrunken. Sie zerrütteten durch den Taumelkelch dieser Welt Leib und Seele. Wie in den äußeren Gliedern keine Gesundheit und kein Halt mehr war, so fehlte er auch in den inneren. Wie sie nicht mehr arbeiten konnten, so konnten sie auch nicht mehr glauben, beten und denken. Es zog zwar noch manchmal eine flüchtige Reue ein, es rannen auch noch einmal die Tränen vom Angesichte. Aber das war Alles wie Sonnenschein im November. Es war kein Bleiben, kein Halt mehr da. —

Gar Viele haben ihr Heil verzweifelt, verspottet, verschworen und verflucht. Wer den Namen Gottes braucht zu wüstem Lärmen, zum Toben im Zorn, zu schnödem Witz, zur Lüge und zum Meineid, der kann ihn nicht brauchen zum Beten, Loben und Danken. Wer sein Geld in den Kot wirft, der hat Nichts, wenn er Brot kaufen soll. — Das alles ist euch deutlich, ihr sagt “Ja” dazu. —

Wie aber, wenn wir nun noch hinzufügen: „Gar Viele haben ihr Heil verlesen?” — Das wundert euch. Und es ist doch wahr. —

Sehen wir erst einmal in die Stadt Ephesus. Da trieben viele Leute vorwitzige Künste. Sie hatten Zauberbücher in den Händen voll wunderlicher Sprüche, wie die Heiden in Afrika und Asien heutzutage noch haben. Diese Bücher dienten teils zur Wahrsagerei; teils wollte man die Götter damit versöhnen; teils wollte man Unglück von sich abwenden, sich anderer Leute Gunst und Liebe erzaubern, auch Geld und Gut gewinnen, teils Feinden Schaden damit zufügen. Es war eine Partie aus des Teufels Bibliothek. Wer in diesen Büchern las und lebte, lebte im echten Heidentum, im klaren Abfall von dem lebendigen Gott. Er las und zauberte sich um seiner Seelen Seligkeit.

Nun kam der Apostel Paulus in die Stadt, lebte und predigte daselbst drei Jahre. Er verkündigte den Gott, der in Christo versöhnt ist, der sich seine Güter nicht durch vorwitzige Kunst ablocken und entwinden läßt, sondern sie den glaubenden und betenden Herzen herzlich gern gibt. Schon nach Ablauf der zwei ersten Jahre hatte Paulus ein solches Feuer in den Herzen der Epheser angezündet, daß diese auf offenem Markte noch ein zweites anzündeten, in dem sie alle jene Zauberbücher verbrannten, an Wert bei 50000 Groschen oder 6000 Taler. Der alte, treue Knecht Christi mag bei diesem Feuer recht warm und fröhlich geworden sein. — Wollte Gott, wir hätten dabei gestanden und uns so daran gewärmt, daß wir Mut hätten ein ähnliches Feuer anzuzünden! —

„Was “, sagt ihr, „gibt es denn unter uns auch solche Zauberbücher?” Ja, wohl. Ich will nur flüchtig erinnern an die vielen Bücher voll Wahrsagerei, die in den letzten vier oder sechs Jahren durch unser Volk gegangen sind, die bald von reinen Betrügern, bald von Somnambulen, bald von anderen unklaren Leuten ausgegangen sind. Die könnten auch alle verbrannt werden. — Aber das ist nicht die größeste Masse.

Wisset ihr, welches die Hauptzauberbücher sind? — Die Romane.
„Die Romane sollen Zauberbücher sein?” Jawohl, sie zaubern dir eine Welt vor, welche gar nicht da ist. Sie zaubern dein Herz aus dem stillen Frieden Gottes und aus dem Hausfrieden heraus. Sie haben so viel Elend in die Häuser gezaubert, daß sie kühn mit
jenen ephesinischen Büchern wetteifern können. — Nun haben wir in unserer letzten Andacht geredet von den christlichen Hilfsmitteln, sich ein reines Herz zu bewahren. Jch sollte mich wundern, wenn ihr da nicht eins vermißt hättet, nämlich das, daß man sich hüte vor unreinen Büchern. Das wollen wir heute besonders miteinander besprechen. Wir wollen uns zurufen:

Hüte dich, daß du dein Heil nicht verlesest in schädlichen Büchern!

I. Sie ertöten die Lust am Wort Gottes,
II. Zerrütten die Kräfte der Seele,
III. Tun den Lüsten Tor und Tür auf.

Gebet:

Barmherziger Gott und Herr, schenke uns rechte Lust an deinem lieben Wort! Laß uns in ihm leben und unsere Freude haben! Behalte uns auf deiner guten Weide! Und dadurch mache du unserm Geiste klar, daß wir es gleich fühlen, welches Wort nicht aus dir geboren ist, welches Wort mit deinem heiligen Worte nicht zusammenstimmt! O behüte uns und unsere Kinder vor dem Gift, das so viele Seelen zerrüttet hat! Hilf doch, daß wir endlich recht nüchtern werden und greifen nach der Weisheit von obenher, die für’s Erste keusch ist! Amen.

I. Schlechte Bücher ertöten die Lust am Worte Gottes.
Am Ende seines Predigers sagt Salomo (Pred. 12, 11): „Die Worte der Weisen sind Spieße und Nägel, geschrieben durch die Meister der Versammlungen und von Einem Hirten gegeben”. Darauf kommt die Warnung: „Hüte dich, mein Sohn, vor andern mehr, denn viel Büchermachens ist kein Ende”. Ei, ei, so klagt jener König schon. Wie würde er klagen, wenn er die jetzigen Leihbibliotheken, wenn er die jetzigen Messekataloge sähe! Er trifft aber den Unterschied sehr scharf. „Die Worte der Weisen sind Spieße und Nägel”. Er weiß auch, wo sie herstammen. Sie sind „von dem Einen Hirten gegeben”. Das Letztere ist deutlich genug. Die Schrift, die heilige Seelenweide, ist von dem Einen Hirten, Jesu Christo, gegeben. Im alten Bund ist Gesetz und Weissagung, im neuen ist das teure Evangelium von ihm gegeben. Was wollen aber die Spieße und Nägel? Liebe Christen, dem natürlichen Menschen ist das ganze Wort Gottes voller Spieße und Nägel. Jeder Spruch trifft wie ein Speer. Überall treibt es als Spiegel in ehrliche Selbsterkenntnis. Überall schlägt es Wunden in das faule, sichere Herz. Überall schlägt das Gesetz den eignen Willen. Überall macht es den Menschen klein. Lies, wo du willst, in der Schrift. Überall mußt du nieder in die Knie. Der eigene Wille und die eigenen stolzen Gedanken fallen vor dem Worte Gottes wie die stolzen Blumen vor der Sichel. Im alten Bunde brichst du zusammen vor dem Gesetze, das du nicht gehalten hast; im neuen vor der Gnade, die du nicht verdient hast. Wo ich im Sonnenschein stehe, da liegt mein Schatten neben mir; wo ich im Worte Gottes stehe, da liegt mein Schatten in mir, aber der ist finsterer als jener. — Nun siehe aber einmal unsere große Masse von Lesebüchern, Romanen, Novellen und dergleichen an. Machen die den Menschen auch klein? Nimmermehr! Wo findest du denn Bücher, die den Menschen in seine Sünde hineinweisen? Sie sind unter der Masse drunter wie die Goldkörner unter dem Sand. Zumeist adeln sie die Sünde. Sie wird umgeben mit einem Heiligenschein der Poesie. Von Buße ist selten darin die Rede. Fast überall ist es der eigene Wille, die eigene Wahl, die sich die Wege sucht. Nach Gottes Wegen wird nicht gefragt. Was in dem natürlichen Menschen ruht: Stolz, Ehrgeiz, Lust das Leben zu genießen, fleischliche Liebe und dergleichen, das wird herrlich gepriesen. Obschon die “Helden” solcher Bücher den Gehorsam der Eltern und der Obrigkeit brechen, obschon die Schranken der Zucht und das Mein und Dein überschritten werden, sind es doch große Helden. Das Ziel aber ist meistenteils eine große, reiche Stellung in der Welt, große Güter, große Taten, Ruhm, oder die Erreichung seines Ziels in der natürlichen Liebe. Das ist Alles, Nichts ist da von Demütigung unter das Gesetz, Nichts von Erkenntnis der Sünde, Nichts von dem Erbe der Kinder Gottes, Nichts von dem, den wir lieben sollen von ganzem Herzen, von ganzer Seele, und von ganzem Gemüt. Burgen und Schlösser kommen oft genug darin vor; aber Jerusalem, die hochgebaute Stadt, wie selten! Güter und Schätze genug; aber die Schätze, die nicht Rost noch Motten fressen, denen die Diebe nicht nachgraben, wie selten! Bräute genug; aber’der Bräutigam der Seelen, wie selten! — Wie daher ein sanfter Choral überhört und vergessen wird unter rauschender Musik, so das liebe Schriftwort unter den Büchern der Welt. — Die Schrift tötet den natürlichen Menschen, in den Romanen wird er recht lebendig gemacht, gefüttert und genährt. —

Teure Gemeinde, ein guter Teil von uns kann sagen: „Wir sind jung gewesen, und sind alt geworden”. Wißt ihr die Zeiten noch, wo ihr die erste Lust fandet an solchen Büchern? Da kam ein Umschwung in die Seele. Da hörte das Gebet auf, denn man hatte das Herz voll von andern Dingen; man mußte träumen in den Romanen und ihren Bildern. Höchstens bekam der liebe Herrgott in aller Eile einige Brocken und Abfälle, weil man noch nicht tot genug war, ihn ganz beiseite zu setzen. Oft aber ward er ganz vergessen. Wisset ihr noch, wie sich da eine Unlust gegen Gottes Wort in die Seele schlich? Was drinnen steht, kam euch da so grau, so gewöhnlich, so alltäglich vor. Es war dem Einen nicht geistreich, dem Andern nicht mannigfaltig genug. Allerdings führt es nicht wie die Romane in Ballsäle, in Räuberhöhlen, in Güter der Welt, in Titel und Würden und Orden hinein. Es gibt allen Leuten einen Titel: arme Sünder. Es führt in eine Räuberhöhle: unser Herz. Es gibt einen Orden: die Kindschaft Gottes. Es führt in einen herrlichen Saal: den Himmel. Da heißt es aber überall: „Der Weg ist schmal und die Pforte ist eng”. Dem natürlichen Menschen ist freilich das andere Wort lieber: „Die Pforte ist weit und der Weg ist breit”. Den Schluß aber läßt er weg. — Das ist das Erste und Schwerste, was diese Bücher an der Seele tun, daß sie dir die Lust zu Gottes Wort töten. Dazu kommt,

II. daß sie die Kräfte der Seele zerrütten.
Wozu werden Romane gelesen? Daß man die Geschichte wisse, daß man sich dabei unterhalte, daß man bald an’s Ende komme. Man liest nicht, damit man das Wort ausbeute; man liest nicht, um es durchzudenken, um es zu behalten. Man liest nur für den Augenblick. — Wenn nun ein Kind von Jugend auf gewöhnt gewesen ist an festes Behalten, wenn es mit dem Gedächtnis und den Gedanken fest hat zugreifen sollen, so hat dies nun ein Ende. Da rafft man es nur mit losen Armen zusammen, da ist man mit dem flüchtigen Eindruck zufrieden. Wie eine Tür oder ein Fenster oder ein Schloß, die man aus Trägheit lange nicht ordentlich geschlossen hat, nicht mehr schließen wollen, so will auch das Gedächtnis, das Gott zum Schatzmeister seiner Güter in uns gesetzt hat, nun nicht mehr zugreifen. Unter dem leichten Hinnehmen ist ihm das saure Arbeiten zur Last geworden. Der Bestand aber und die Gedanken des Menschen sollen sein wie ein Mühlstein, der aus dem Aufgeschütteten beständig den Kern und das Mehl herausarbeitet. Wenn sie nun lange dieser genauen und scharfen Arbeit entwöhnt gewesen sind, dann mögen sie nicht zugreifen, dann ist ihnen das leichte Herumfahren viel lieber. Viele Jünglinge, die Gott der Herr mit köstlichen Gaben ausgerüstet hatte, von denen ihre Eltern die besten Hoffnungen hegen konnten, sind durch solche Bücher anstatt Denker Träumer geworden. Anstatt ihre Seelen zu füllen mit rechter Erkenntnis, haben sie selbe gefüllt mit hochmütigen, üppigen Wünschen. Was sie etwa noch gelernt hatten, hing laß in der Seele herum. Weil sie kein volles Herz bei der Arbeit gehabt hatten, war es nicht angewachsen, hatte es nicht Wurzel geschlagen. Es ward nie rechtes Eigentum. — Größer aber noch ist der Schade am Glauben. Auch der Glaube muß in dem Menschen geübt werden. Auch er muß aufsteigen vom Kleinern zum Größern. Durch glauben lernt man glauben. Wenn aber die Seele voll ist von den Gedanken des Genusses und der Selbstsucht in allen Gestalten, wo bleibt da der Glaube? Du willst es tun; aber im Gläubigen will es Gott tun. Du sollst ein offenes Gefäß der göttlichen Gnade sein. Wenn du aber voll bist von deinen eigenen, großen Plänen, wie willst du die Gnade aufnehmen? Die Gerechtigkeit in Christo ist die Krone, nach der der Glaube täglich greift. Wenn du aber voll bist von eigener Herrlichkeit und Gerechtigkeit, wo sollen Demut und Glaube herkommen? — Überdies sind noch ganze Massen von solchen Büchern da, welche den Glauben geradezu zu einem Spott machen. Ein halbes Jahrhundert hindurch hat man in den Romanen von ihm geschwiegen. In dem Himmel dieser Helden gab es keinen Gott. Einen Heiland brauchten sie nicht. Das machten sie Alles selbst. Sie stiegen selbst hinauf. In unserer Zeit ist der Unglaube kühner geworden. Er schweigt nicht mehr nur, er reißt nieder. Darum mußt du mit doppelter Sorgfalt wachen, daß du durch solche Bücher keinen Schaden an deiner Seele nehmest, daß auch deine Kinder, deine Zöglinge und Pflegebefohlenen keinen Schaden nehmen. Laß es dir noch recht zur Warnung dienen, wenn du siehst,

III. wie darin den bösen Lüsten Tor und Tür aufgetan wird.

Zu allererst schleicht sich ein die Trägheit. Sich die Zeit angenehm zu vertreiben, das ist bequemer als zu arbeiten. Du hängst in dir deinen Träumen nach. Da hast du eine Welt, wie du sie gerne haben willst, da hast du sie im Traume nun selbst. Draußen mußt du ringen und kämpfen. — Teure Freunde, wenn Jeder von uns das Stück vom Leben wieder bekommen könnte, das unter solchen Träumen und Bildern verloren gegangen ist, viele bekämen ganze Jahre wieder. — An diese Trägheit hängt sich die Lüge. Jch habe manchen Schüler in meinem Leben gefragt: „Du, hast du auch in deinen Arbeitsstunden schon ein anderes Buch unter deinen Arbeiten gehabt, und hast du dem Lehrer, wenn er nachsah, vorgeheuchelt und vorgelogen, daß du gearbeitet hättest?” Mancher ehrliche Knabe (und die Mädchen nicht weniger) haben mit “Ja” geantwortet. Manche Tochter hat der Mutter am Abend versprochen: „Jch gehe gleich zu Bett”. Sie wurde zur Lügnerin, sie saß die halbe Nacht wie angezaubert. Manches Kind hat versprochen: „Jetzt, jetzt fange ich die Arbeit an, die du mir aufgegeben hast”, und das Jetzt ward hingeschoben von einer Viertelstunde zur andern. — Der Hochmut bemächtigt sich des Herzens und geht frei und ungefesselt einher. Sieht man es ja wohl, daß ein Jüngling, wenn er ein Stück durchgelesen hat, erst in der Stube auf- und abgeht und sich in den großen Gedanken erst zurechtläuft. Er kennt sich selbst nicht mehr, er wandelt in fremden Gebieten. —

Der Hauch der Jugend, der Keuschheit und Züchtigkeit wird heruntergewischt vom Herzen, es bleibt nur noch ein Schein von verstellter Züchtigkeit. Wer erst mit Wohlgefallen in unreinen Büchern lesen kann, der lebt auch mit Wohlgefallen in unreinen Gedanken. Diese setzen sich im Herzen immer fester. Darnach, wenn die Lust empfangen hat, gebiert sie die Sünde, die Sünde aber, wenn sie vollendet ist, gebiert sie den Tod (Jak. 1, 15). Du würdest in deinem Leben nicht wieder ruhig werden, wenn du Gift neben die Speise im Schrank hingestellt hättest, und dein Kind hätte davon gegessen und wäre leiblich dadurch verkrüppelt oder gar gestorben. Aber das kannst du über das Herz bringen, daß es sich innerlich am Geist vergiftet, daß es da verkrüppelt und stirbt. Halte über die Deinen und über dich selbst eine heilige Zucht. Du würdest dich schämen, wenn du mit einem losen Manne oder einem losen Weibe am Arm über den Markt und durch die Straßen gehen, oder dir von ihnen ihre Sünden vorerzählen lassen solltest. Weißt du nicht, daß du, wenn du einen unreinen Roman unter dem Arme trägst, auch einen unreinen Menschen am Arme hast? Sitzest du nicht mit einem solchen am Tische? Läßt du dir nicht von ihm seine Sünde und Schande vorerzählen und lächelst dazu? Widrig ist es dir, wenn du etwas Schmutziges oder Unreines in den Mund nehmen sollst. Aber gegen schmutzige Worte und unreine Lieder hast du keinen Widerwillen? Warum sind denn die leiblichen Nerven so viel zarter und empfindlicher als die geistlichen? — Bedenke es doch recht, was sündliche Bücher unserm Volke schon für Schaden getan haben! Der Hochmut, mit welchem die Kinder oft ihre alten, schlichten Eltern ansehen, ist meist aus Romanen zusammengelesen. Die Gedanken von falscher Freiheit, welche unser Volk umgarnt haben wie eine teuflische Macht, sind genährt worden durch schlechte Bücher. Romane und Flugschriften, oder noch besser: Fluchschriften sind die Unterlagen der Barrikaden im Jahre 1848 und 1849 gewesen. Das große Elend in den Ehen, das Murren über sein Schicksal, über seinen niederen und dienenden Stand, das wir in diesen Tagen so oft hören, hat seine Wurzeln zum großen Teil in gottlosen Büchern. Sie haben den Leuten falsche Lebensbilder in die Herzen gepflanzt, sie haben den Überdruß an dem schlichten Beruf geweckt, sie haben Tausende innerlich aus ihrem Beruf herausgerissen, so daß sie nicht mehr wissen, wo sie hingehören. Bist du im fleißigen Gebrauch des Wortes Gottes geblieben, so ist dieses gegen jedes derartige Gelüst eine scharfe Waffe. Der Herr zertritt in dir der Schlange den Kopf, Er macht dich immer wieder klein. Er treibt dich immer wieder zurück in das „Bete und arbeite”, er schenkt aber auch den Frieden Gottes, ja die Seligkeit schon hienieden. — Freilich, dem natürlichen Menschen sind jene fleischlichen Bücher lieber. Es ist darin keine Demütigung, keine Buße, kein Gefangennehmen der hochmütigen Vernunft unter den Glauben. Er hat darin seinen eigenen Willen. Und wo führt der eigene, ungebrochene Wille hin? Frage die verlorenen Söhne und die zerrütteten Familien; geh’ in die Irrenhäuser und in die Zuchthäuser; geh’ an die verzweiflungsvollen Sterbebetten: da wird man dir sagen: „Jch habe meine Seele geweidet auf den Triften des Fleisches; da habe ich den Glauben, die Zucht der Gedanken und des Lebens, den Frieden und die Seligkeit verloren”. — Paulus läßt die heidnischen Zauberbücher in Ephesus öffentlich verbrennen. Wenn doch in unserem Volke auch einmal ein Tag käme, wo es ein Herz gewönne, solch Feuer anzuzünden! Dann hätte es schon nach etwas Besserem gegriffen, dann würde es weiter darnach greifen. Die Epheser bekamen für ihre verbrannten seelenverderbenden Schriften das teure Wort Gottes. Paulus schreibt ihnen später dazu noch einen eigenen Brief. In demselben legt er den rechten Grund: „Seid fleißig zu halten die Einigkeit im Geist durch das Band des Friedens. Ein Leib und ein Geist, wie ihr auch berufen seid zu einerlei Hoffnung eures Berufs. Ein Herr, ein Glaube, eine Taufe. Ein Gott und Vater unser Aller, der da ist über euch Alle, und durch euch Alle, und in euch Allen.” Der dreieinige Gott mit seiner Gnade und seinem Heilswege sollte ihr Grund und ihre Weisheit sein. Darauf folgt die tägliche Heiligungsarbeit: „Ziehet den neuen Menschen an, der nach Gott geschaffen ist in rechtschaffener Gerechtigkeit und Heiligkeit”. Endlich schreibt er ihnen im fünften und sechsten Kapitel noch die köstliche christliche Haustafel. Eheleute, Kinder und Eltern, Knechte und Herren werden in ihren heiligen Beruf eingewiesen. In evangelischer Nüchternheit wird der Riß entworfen, wie das Heil und das Haus gebaut werden soll. — Mag denn diese heilige Nüchternheit unter uns auch wieder einkehren! Wie Sündenbücher das Wort Gottes verdrängt haben, so mag das Wort Gottes die Sündenbücher verdrängen! — Neubekehrte Christen auf den Südseeinseln wollten auch ihre Seefahrten von einer Jnsel zur andern nicht ohne die heilige Schrift machen. Wenn aber die Flut hoch ging, und sie fürchteten, das teure Buch möchte im Schiffe naß werden, dann banden sie es oben an die Masten. Ein nordamerikanischer Jndianerstamm, verdrängt durch die landgierigen Weißen, mußte ausziehen und über den Missisippi hinüberwandern. Ein Engländer hatte ihm ein großes, schönes Exemplar der heiligen Schrift geschenkt. Das ward in eine Lade gelegt, diese an Stangen befestigt, und die frömmsten und wackersten Männer des Stammes trugen sie wie einst die Kinder Israel ihre Bundeslade dem Heer voran. Gesegnet aber ist jedes Volk, jedes Haus, dem so das Wort Gottes Panier und Wegweiser ist.

Da ist auch Weg in Wüsten,
Und Bahn durch Strom und Wald,
Ist selbst an den Küsten
Ein sel’ger Aufenthalt.
Wohl stirbt das eigne Herze,
— Das muß ja in den Tod —;
Doch in dem Todesschmerze,
Da lebt es auf in Gott.

Amen.

Quelle: Friedrich Ahlfeldt, Pastor zu St. Nicolai in Leipzig. Katechismuspredigten (1852)