Beharrlichkeit

Einer armen Frau wurde von einem wohltätigen Nachbar ein Vorrat von Steinkohlen vor die Tür gelegt. Ein sehr kleines Mädchen kam mit einer kleinen Feuerschaufel und begann, eine Schaufel voll zur Zeit zu nehmen und sie in eine hölzerne Kiste im Keller zu tragen. Ich fragte das Kind: Denkst du, daß du alle diese Kohlen mit dieser kleinen Schaufel hineintragen kannst? Sie war erst ganz verwirrt über meine Frage, aber ihre Antwort war schlagend: Ja, Herr, wenn ich lange genug arbeite. Bescheidener Arbeiter, ersetze deinen Mangel an Fähigkeit durch große Beharrlichkeit im Gutestun, so wird dein Lebenswerk nicht kleinlich sein. Die beständige Wiederholung geringer Anstrengungen wird mehr bewirken, als der gelegentliche Gebrauch großer Talente.

Beharrlichkeit im Gutestun

Ein alter Mann in Watton, den der Prediger Thornton vergebens gebeten hatte, zur Kirche zu kommen, wurde krank und bettlägerig. Pfarrer Thornton ging nach der Hütte und bat, ob er ihn besuchen dürfe. Der alte Mann hörte seine Stimme und antwortete in nicht sehr höflichem Tone: «Ich will Sie hier nicht, Sie können weggehen.» Am folgenden Tage war der Pfarrer wieder unten an der Treppe: «Nun, mein Freund, darf ich heute hinauf kommen und bei Ihnen sitzen?» Wieder erhielt er dieselbe Antwort: «Ich will Sie hier nicht.» Einundzwanzig Tage kam Thornton nach der Hütte, und am zweiundzwanzigsten wurde seine Beharrlichkeit belohnt. Es wurde ihm erlaubt, in
das Zimmer des Leidenden zu kommen, aus der Bibel vorzulesen und an seinem Bette zu beten. Der arme Mann genas wieder und wurde einer der regelmäßigsten Besucher des Gotteshauses. –
(Memoiren von Spencer Thornton).

(Galater 5, 6Galater 6, 9)

Notwendigkeit der Beharrlichkeit

Im Gras des Heidelands findet man oft eine Pflanze, die hauptsächlich bemerkenswert ist durch ihre Wurzeln; vom Hauptstamm an bis herab zur geringsten Fiber endigen alle kurz abgebrochen, als wären sie abgeschnitten oder abgebissen, und ein sonderbarer Aberglaube des Landvolks behauptet, daß die Pflanze früher besondere Kräfte besessen hätte, alle Arten von Krankheiten zu heilen, und darum hätte der große Feind der Menschen in seiner Bosheit die Wurzeln abgebissen, in denen diese Kräfte ihren Sitz gehabt. –

Die Pflanze mit dieser wundersamen Geschichte ist ein sehr gutes Sinnbild vieler wohlmeinenden, aber wenig ausrichtenden Leute. Sie könnten bezeichnet
werden als radicibus praemorsis oder vielmehr inceptis succisis. Die Wirksamkeit jeden guten Werkes liegt in seiner Vollständigkeit, aber die guten Werke dieser Leute enden alle abgebrochen und werden unvollendet gelassen. Der Teufel vereitelt ihre Wirksamkeit, indem er die Enden abschneidet; der Inhalt ihres nutzlosen Lebens besteht aus Plänen und Projekten, Entwürfen zum nützlichen Wirken, deren Ausführung nie angepackt wurde, und zu großartigen Unternehmungen, die nie weiter geführt wurden; Vereinen, die gestiftet und dann sich selber überlassen wurden, und verlorenen Wesen, die eine Zeitlang gepflegt und unterrichtet, und gerade, wenn sie Zeichen der Besserung zu geben begannen, wieder in die Welt zurückgestoßen wurden. – (James Hamilton).

Aus: Charles Haddon Spurgeon, Federn für Pfeile, oder Illustrationen für Prediger und Lehrer (autorisierte Übersetzung von E. Spliedt). Verlag von Max Kielmann, 1897.