2. Chronika 20, 12

Unser Gott, willst du sie nicht richten? Denn in uns ist nicht Kraft gegen diesen großen Haufen, der wider uns kommt. Wir wissen nicht, was wir tun sollen; sondern unsere Augen sehen nach dir.

Betrachtung von Alfred Christlieb

Gottes Wort zeigt uns manchmal, daß es bei großen Entscheidungskämpfen nicht in erster Linie auf äußere Heeresstärke ankommt, sondern auf die rechte Herzensstellung des streitenden Volkes und Regenten vor Gott. Das kann man besonders erkennen aus dem größten der Kriege, die König Josaphat geführt hat. Drei Länder hatten sich gegen ihn verbündet. Er aber blieb siegreich gegen die gewaltige Übermacht. Worin lag das Geheimnis seines Sieges? Zunächst sehen wir, daß Josaphat sich seiner Ohnmacht tief bewußt war. Vor der versammelten Menge des Volkes betete er frei und öffentlich: ,,In uns ist nicht Kraft gegen diesen großen Haufen, der uns entgegenkommt!” – Man könnte denken, mit diesen Worten nehme der König den Kämpfern allen Mut. Aber, das ist ein Irrtum! Je gründlicher wir vor Gott unsere eigene Ohnmacht bekennen, um so besser sind unsere Aussichten auf die Hilfe des Allmächtigen. Wenn Gott uns in solchen Zeiten der Entscheidung den Geist der Beugung gibt, der alles Selbstvertrauen fahren läßt, kann er auch seine Gotteskraft an uns offenbaren. – Diese Einsicht in die eigene Ohnmacht muß aber – wie bei Josaphat – gepaart sein mit der Macht des Glaubens und des Gebetes. Josaphat schließt nicht mit den Worten: ,,In mir ist keine Kraft; wir wissen nicht, was wir tun sollen.” Nein. Er fährt fort: ,,Unsere Augen sehen nach dir!” Da lag das Geheimnis des Sieges. Der Streiter hielt bei aller Erkenntnis der eigenen Ohnmacht sein Auge voll Vertrauen auf Gott gerichtet. – Wer in seinen Kämpfen, in sich selber schwach, allein nach oben blickt, der wird mit Josaphat durch das Buß- und Tränental in das Lobetal kommen, wo er Gott für die gnädige Hilfe preisen darf.