Römer 14, 8

Leben wir, so leben wir dem HERRN; sterben wir, so sterben wir dem HERRN. Darum, wir leben oder sterben, so sind wir des HERRN.

Die letzte Eintragung.

Daß einer seinen eigenen Namen ins Sterberegister einträgt, wird selten vorkommen.

Von einem solchen Fall berichtet Georg Thürer in seiner Studie über die Kultur des alten Landes Galarus aus dem Pestjahr 1639. Der junge Pfarrer Goldbach in Obstalden mußte bei dem unaufhörlichen Sterben Namen auf Namen, auch den seiner Ehefrau, einschreiben. Oft fügte er schlichte Reime den Namen bei. Die letzten ergreifenden Verse lauten, ins Hochdeutsche übertragen:

Mein Weib, mein liebstes, bestes, ruht
seit gestern schon im stillen Grab.
Und auch die Freunde, fromm und gut –
wie viele sanken schon hinab!
Doch was soll das, ich zittre ja,
mich friert’s zu dieser Sommerzeit.

Nun denn, ich glaub’, der Tod ist da.
Gelobt sei Gott, der Herr, allzeit!
So schreib’ ich meinen Namen ein,
hin zu den lieben Namen all’n.
O Gott, du nimmst auch mich nun heim,
du tust’s nach deinem Wohlgefall’n.

Darauf hat er seinen Namen eingetragen:

Johannes Goldbach, Pfarrer dieser Gemeinde seit 1634, starb auch an der grassierenden Pest im 27. Jahr seines Alters. Gott schenke uns allen ein fröhlich’ Auferstehen und lasse uns erben seine Seligkeit!

Obstalden (Kanton Glarus) mit Kirche
Bild: Roland Zumbuehl (CC-BY-SA 3.0)

Aus: Neukirchener Kalenderblatt zum 24. November 1940 (Totensonntag)

Wer weiß, wie nahe mir mein Ende!
Hin geht die Zeit, her kommt der Tod.
Ach, wie geschwinde und behende
kann kommen meine Todesnot!

Mein Gott, mein Gott, ich bitt durch Christi Blut,
mach’s nur mit meinem Ende gut!

Es kann vor Nacht leicht anders werden,
als es am frühen Morgen war;
dieweil ich leb auf dieser Erden,
schweb ich in steter Todsgefahr.

Mein Gott, mein Gott, ich bitt durch Christi Blut,
mach’s nur mit meinem Ende gut!

So komm mein End heut oder morgen,
ich weiß, daß mir’s mit Jesu glückt.
Ich bin und bleib in Deinen Sorgen,
mit Jesu Blut schön ausgeschmückt.

Preis Dir, mein Gott! Durch Gnad und Christi Blut
machst Du’s mit meinem Ende gut!

Ämilie Juliane Gräfin von Schwarzburg-Rudolstadt (1637-1706)