Offenbarung 7, 16

Sie wird nicht mehr hungern noch dürsten.

Der Heiland preist die selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit, weil er sie satt machen will. Obige Worte reden von solchen, die ewig satt und darum ewig selig sind. Der Selbstgerechte fühlt keinen geistlichen Hunger und Durst, seine eigene Gerechtigkeit genügt ihm. Nur Sünder hungern und dürsten nach Gerechtigkeit, und sie haben Verheißung. Den Anfang des Sattwerdens bildet der Friede Gottes durch die Vergebung der Sünden; das vollendete und ewige Sattsein tritt bei uns ein, wenn wir völlig erneuert sein werden in das Ebenbild Gottes, wie David inPsalm 17, 15 sagt: ich werde satt sein, wenn ich erwache nach Deinem Bilde.

Noch sind wir nicht so weit; aber wohl uns, wenn wir unterwegs zu diesem herrlichen Ziele sind! Bist du unterwegs, so sorge nicht; denn der Herr ist dein Hirte, es wird dir nichts mangeln. Er selber will während deiner Wanderschaft dir das Lebensbrot sein und dich versorgen, wie er sein altes Bundesvolk auf seiner Wüstenreise täglich mit Manna versorgte. Die Pilger nach dem Throne Gottes sind wunderbare Leute; sie vereinigen täglichen Hunger und Durst mit täglichem Sattsein. Ihr Hunger und Durst geht nach Vollendung; denn darauf arbeitet Jesu Geist hin, der in ihnen wohnt. Ihr Sattsein finden sie im Umgang mit Jesu, der ihr Herz täglich stillt. Der Hunger macht sie nicht unglücklich, so wenig, als die Hoffnung uns unglücklich macht; wir halten uns an die Verheißung, für deren Erfüllung wir das Angeld in der täglichen Erfahrung von Jesu Hirtentreue haben. Es ist ein köstlich Ding, daß wir keine Speisekammern und keine Quellen mehr zu suchen haben. Wir haben sie ja früher auch gesucht und gedarbt. Nun aber können wir rühmen, wir haben es gut und selige Freude erfüllt unsere Herzen, wenn wir heimwärts schauen und wissen, daheim werden wir nur noch ein Bedürfnis haben: Lob und Anbetung Gottes und des Lammes.

Quelle:

Schrenk, Elias: Suchet in der Schrift; Tägliche Betrachtungen für das ganze Jahr, 2. Aufl., Kassel 1892