Johann Christian Lange (1669-1756)

Johann Christian Lange, Theologe und Dichter geistlicher Lieder, wurde in der Nacht vom 24. auf den 25. Dezember 1669 zu Leipzig geboren,|wo sein Vater, Johannes L., Consulent und Advocatus ordinarius war; seine Mutter war eine Schwester des Superintendenten Thomas Ittig in Leipzig (vgl. Bd. XIV. S. 645). Im Jahre 1685 kam er auf das Gymnasium in Zittau; von 1687 an studierte er in Leipzig und ward 1689 Magister. Er ward hier auch Mitglied des Collegium philobiblicum, über welches Bd. VII. S. 220 unten, zu vergleichen, und trat hierdurch mit Aug. Herm. Francke und dem Kreise desselben in nähere Verbindung. Im J. 1691 verließ er Leipzig in Folge der pietistischen Bewegungen und nahm nun eine Hauslehrerstelle bei dem Superintendenten Joh. Wilh. Petersen in Lüneburg an. Nach Leipzig im Jahre 1694 zurückgekehrt, hielt er dort Vorlesungen; er fühlte sich dann aber doch, vielleicht wieder wegen der pietistischen Streitigkeiten, veranlaßt, Leipzig wieder zu verlassen und ging im J. 1697 mit Gottfried Arnold nach Gießen. Hier wurde er auf Spener’s und Rechenberg’s Empfehlung außerordentlicher Professor der Philosophie und noch in demselben Jahre 1697 ordentlicher Professor der Moral; im J. 1707 erhielt er die Professur der Logik und Metaphysik. Er wirkte auch hier im Francke’schen Sinne und beteiligte sich an den Erbauungsstunden, welche im Hause des Professor Joh. Heinr. Majus gehalten wurden. Im J. 1716 ward er Superintendent und Hofprediger in Idstein und in dem selben Jahre erwarb er die theologische Doktorwürde. Als im J. 1722 die idsteinischen und saarbrückischen Lande vereinigt wurden, ward er Generalsuperintendent über sie; im J. 1728 erhielt er auch die Inspection über Usingen. In dieser Stellung erreichte er ein hohes Alter und starb, fast 87 Jahre alt, am 16. December 1756. —

Seine geistlichen Lieder hat er größtenteils während seines Aufenthalts in Lüneburg bei Petersen gedichtet; er dichtete hier auch deutsche Lieder nach den lateinischen Petersen’s, wie auch umgekehrt Petersen deutsche Lieder von ihm in lateinische Verse brachte. Von der überschwenglichen Weise Petersen’s findet sich auch in Lange’s Liedern etwas. Freylinghausen hat in den ersten Teil seines Gesangbuches vier Lieder Lange’s, die aber schon früher gedruckt waren, aufgenommen; einige seiner Lieder, deren Zahl im ganzen 27 gewesen sein soll, finden sich noch in Gemeindegesangbüchern.

Wetzel, Analecta hymniea, II. S. 472—479.
Rotermund zum Jöcher. III. Sp. 1219—24.
Meusel. Lexikon. VIII. S. 37—45. Meusel u. Rotermund geben das lange Verzeichnis seiner Schriften, unter denen auch Pseudonyme sind.
Koch, Gesch. d. Kirchenliedes u. s. f., 3. Aufl., 4. Bd., S. 398 bis 400.

Quelle: l. u., „Lange, Johann Christian“ in: Allgemeine Deutsche Biographie 17 (1883), S. 640-641 [Online-Version]

Lieder

Es ist in keinem anderen Heil, kein Nam ist sonst gegeben

Erstellt am 20. September 2021