12. Februar

Stehe auf, Nordwind, und komme, Südwind, und wehe durch meinen Garten, daß seine Würze triefen.
Hohelied 4, 16

Wie angenehm ist es schon im Natürlichen, wenn sich nach schwülem Wetter ein kühles Lüftchen erhebt. Wie gern gibt man sich demselben hin, und atmet’s in tiefen Zügen ein. Wie fühlt man sich so gestärkt und in allen Sinnen belebt. Wie wohl ist vollends solchen Kranken, welche an Atemnot leiden, wenn ein Anfall davon wieder vorüber ist; dann ist ihnen, als fehle ihnen nichts mehr.

Bildquelle: Bessi (Pixabay)

Etwas Ähnliches, aber viel Herrlicheres, gibt es im Reiche Gottes. Der heilige Geist ist die Luft, der Odem des Lebens, und wenn der Herr den nachläßt, verjüngt sich, wie der 104te Psalm sagt, die Gestalt der Erde und des Herzens. Die verdunkelnden Wolken weichen, und die Stellvertretung des Kreuzes und der ganzen Geschichte Christi leuchtet in ihrer
eigentümlichen, dem gebeugten Sünder so angemessenen und erfreulichen Glorie und Herrlichkeit.

Dieses Anwehen der Himmelsluft, der Luft von Bethlehem und Golgatha und dem Ölberg her, hebt den, in der Beklemmung der Buße Ächzenden aus den Schrauben, und zeigt ihm eine Fülle des Heils, die seine Bedürfnisse unendlich übersteigt, und wäre er von den Mördern noch viel ärger zugerichtet, als jener, der hinab ging von Jerusalem nach Jericho. Er muß selber sagen: Warum sollte ich doch im Geringsten zweifeln, warum nicht aus
aller Macht glauben, und hätte ich allein der halben Welt Sünde auf mir, und alle Teufel wider mich! O, welch’ eine herrliche Luft! Welch ein Atemholen!

Gelobet seist du, Gott heiliger Geist,
Der die Versöhnung des Lammes preist
Als die ein’ge Ursach’ der Seligkeiten,
Und so vernehmlich sie weiß zu deuten,
Daß wir’s versteh’n.

Andacht aus: Tägliches Manna für Pilger durch die Wüste. Schatzkästlein aus Gottfried Daniel Krummachers Predigten, Seite 44. Neu herausgegeben von J. Haarbeck, Pastor in Elberfeld, im November 1899 (Verlag der Buchhandlung des Erziehungsvereins, Neukirchen, Kreis Mörs)

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