Das mediale Offensein für die Geisterwelt (Holzhauer)

Die unheimlichen Erfahrungen der Ärztin Minna Popken belehren uns über die Gefahen eines medialen Offenseins für die Geisterwelt infolge einer seelischen Hingabe an die mystische Frömmigkeit.

Das gesunde Offensein für das unsichtbare Wirken des Heiligen Geistes haben wir durch Buße, Glauben: durch die Neugeburt des inneren Menschen. Dies eröffnet uns den weiteren Weg in Gottes Wort: den Weg zu einem vertieften Verständnis Seiner Heilsgedanken und Seiner Heilsziele. Es bringt uns in eine geistliche Lebensverbindung mit Gott dem Vater über den Sohn, und durch den Heiligen Geist auch in die konkret gelebte Gemeinschaft der Heiligen. (Heilige: im biblischen Sinne, z.B. nach Eph. 1, 1: die Gemeinde!)

Das ungesunde mediale Offensein dagegen bringt uns in Verbindung mit der abgefallenen Geisterwelt und in Abhängiskeit von der Dämonenwelt des Fürsten dieser Welt, dieses Kosmos (Joh. 12, 31), der alles daransetzt, die Gemeinde Gottes zu unterwandern und zu verführen.

Das Offensein eines bestimmten Personenkreises für die unsichtbare kosmische Welt ist der eigentliche Ansatzpunkt und der Schlüssel zur Beurteilung der geheimnisvoll-unheimlichen Erscheinungen in der Mystik und der vielen fragwürdigen Berichte über außersinnliche Wahrnehmungen in der okkultesoterischen Literatur – einschließlich der historischen und gegenwärtigen mysteriösen Geschehnisse im schwärmerischen Teil des Pietismus und der sog. charismatischen Gemeindeerneuerung. Dieses Offensein für die Geisterwelt, das ebenfalls die Grundvoraussetzung für den Spiritualismus/Spiritismus ist, wird Mediumität oder Medialität genannt. Eine solche Sensitivität beeinflußt die Seele des Menschen und belastet zumeist auch sein Nervensystem.

In der Seelsorge erkennen wir eine mediale Kontaktfähigkeit als okkulte Belastung oder Behaftung, als dämonische Beeinflussung, ja, als Besessenheit: Satan „be-sitzt“ die Sinne des Menschen, und sei es nur sekundenlang.

Medial vorbelastet bzw. medial geprägt worden zu sein, ist noch keine eigene Sünde, wohl aber eine ernste Gefahr für das Glaubensleben. Es gibt Gotteskinder, die noch darunter leiden. Andere halten diese „Fähigkeiten“ für eine besondere Begnadung des Geistes und gliedern sie bewußt und bedenkenlos in ihre Verkündigung ein (z.B. Prophetien – entgegen Off. 22, 18). Wieder andere halten Medialität für neutral und meinen, es käme nur darauf an, in wessen Dienst sie gestellt würde.

Auf Grund vieler negativer Erfahrungen halte ich die Medialität für ungöttlich und gefährlich; sie sollte in jedem Fall, auch wenn sie sich hinter scheinbar biblischen Äußerungen verbirgt, – wie auch andere zweifelhafte Prägungen, Bindungen, Veranlagungen – dem HERRN bekannt und Ihm im Gebet ausgeliefert werden. Das kann in einem persönlichen Absagegebet mit oder ohne Seelsorger erfolgen.

Zu einer ehrlichen Absage gehört in der Folgezeit das bewußte, willentliche Enthalten (Fasten!) von aller Freizeitbeschäftigung mit okkulten Dingen, einschließlich der Enthaltung von bestimmter Literatur, Musik, Filmen usw. Denn „diese Art fährt nicht aus, denn durch Beten und Fasten“ (Mk. 9, 29, vergl. Jes. 58, 3…). Stattdessen ist eine intensive Beschäftigung mit Gottes Wort erforderlich, damit die Seele (Mt. 12, 43-45: das „Haus“) nicht leer bleibe.

Wer dagegen seine „mediale Antenne“ für geistlich hält und – weil sie das religiöse Fleisch aufwertet – behalten möchte, gefährdet sich und andere. Er muß damit rechnen, daß er früher oder später zunehmend in Geisterkämpfe verwickelt wird und daß sich weitere Pseudo-Geistesgaben einstellen, die ihn nach und nach in wachsende Abhängigkeit von fremden Mächten ziehen. Diese üben ihren Einfluß dann bis in die Gemeinden hinein aus. Hier liegt die eigentliche Gefahr in den derzeitigen spirituellen Bewegungen.

Die unrealistische Flucht ins Übersinnliche, der wir heute in allen religiösen Schattierungen begegnen, hängt nicht allein mit der Zukunftsangst zusammen und der Aussichtslosigkeit im Blick auf viele schwer zu bewältigende Probleme, sondern der eigentliche Motor ist die „neue Spiritualität“, das zunehmende Interesse an den Grenzwissenschaften, der Esoterik, der Geistheilung, ganzheitlicher Naturheilkunde, Psi, Astrologie usw. Nach einem Bericht über die Buchmesse in Frankfurt Oktober 1986 sind 12000 Buchtitel über diese Gebiete im Handel*. An der Spitze steht der esoterische Erfolgsautor Michael Ende mit seinen Bestsellern „Momo“ und „Die unendliche Geschichte“.

* Amazon listet unter dem Stichwort „Esoterikbuch“ ca. 65000 Einträge; im Jahr 2017 betrug der Umsatz im Esoterikmarkt insgesamt 15-20 Mrd. EUR (Angaben nach einem Bericht der SZ)

Heute ist man in manchen Kreisen der Ansicht, daß paranormale Fähigkeiten, wie wir sie vorzugsweise bei den Mystikern finden, ursprünglich jedem Menschen zu eigen gewesen wären. Nur die zunehmende Fixierung des Menschen auf seinen Intellekt und sein naturfernes, materialistisches denken habe seine „kosmische Verbundenheit“, d.h. seine Beziehungen zum Übersinnlichen verlorengehen lassen.

Heilsgeschichtlich gesehen, hängt die Okkult-Begabung jedoch mit dem Sündenfall zusammen und dem darauffolgenden Götzendienst, der in allen Völkern immer mit Okkultismus und Zauberpraktiken verbunden war.

Die Propheten des Alten Bundes waren keine medialen Magier wie die Medizinmänner, Geistheiler, die Sterndeuter, Zauberer, Wahrsager und Schamanen der Okkultreligionen, sondern sie waren einmalig von Gott herusgerufene, von IHM beauftragte und von SEINEM Geist geleitete Menschen (2. Petr. 1, 21); die SEIN Wort hörten, und die es  weiterzugeben und darzustellen hatten.

Das ist der Unterschied.

(Rudi Holzhauer)

Quelle:

Holzhauer, Rudi: Die Mystik – Ein faszinierender Irrweg, S. 27-29. 1984/86.
Überarbeitung, hrsg. von Sr. Antje-Marianne Kloth, 1989 (Heft mit Ringbindung)

Weblinks und Verweise

Antholzer Roland: Mächte der Bosheit – Seelsorge bei dämonischer Verstrickung
Download beim CLV-Verlag unter https://clv.de/Maechte-der-Bosheit/256200

Franzke, Prof. Dr. Reinhard: Mediale Praktiken in der Schule
Download unter https://horst-koch.de/mediale-praktiken-in-der-schule/ bzw.
http://www.didaktikreport.de/Irrlehren_der_Padagogik.pdf

Holzhauer, Rudi: Verführungsprinzipien, S. 37 (Verlag der IABC, Wiesbaden)

Koch, Dr. Kurt E.: Medialität aus der Sicht der Seelsorge, in: Seelsorge und Okkultismus, S. 384ff. Digitalisat: books.google.de/books?isbn=3924293600

Koch, Dr. Kurt E.: Medialität und Befreiung (externer Link zu horst-koch.de)

Koch, Kurt E: Der Einblick in die seelische Not der okkulten Fälle. Auszug aus Seelsorge und Okkultismus, S. 30-78. Digitalisat: books.google.de/books?isbn=3924293600

Eingestellt am 1. Mai 2022