Lukas 8, 15

Das aber auf dem guten Land sind, die das Wort hören und behalten in einem feinen und guten Herzen und bringen Frucht in Geduld.
(Lukas 8, 15 LUT)

Volle Entfaltung des Lebens

„Selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren“ (Lukas 11, 28): die es hören, nicht nur mit dem äußern Ohr, sondern mit dem inneren Ohr des Herzens und Gewissens, und dann – es auch bewahren und nicht wieder verlieren! Hat ein Gotteswort dich innerlich berührt und erfaßt, dann hüte dein Herz mit allem Fleiß! Die Vögel kommen sonst und picken den Samen auf. Es sind die Flattergedanken, die uns um allen Segen bringen, es sind geschwätzige Menschen, die uns zerstreuen und zu keiner Sammlung kommen lassen. Gehe still deiner Wege und suche die Stille auf! Denke weiter über das Gehörte nach, vor allem aber bete darüber! Dann vertiefen sich die Eindrücke.

Der Same wurzelt ein und entwickelt sich zum Halm, aus dem zuletzt die Frucht sproßt. Ein feines, gutes Herz ist also ein achtsames, das mit den Eindrücken von oben sorgfältig umgeht. Es ist das Gegenteil von einem löcherigen Gefäß. Eine Marienseele behält die gehörten Worte. Warum? Weil sie sie immerfort in sich bewegt. Das einzig unfehlbare Mittel gegen Vergeßlichkeit besteht darin, daß man beständig an eine Sache denkt. – Wie schärft es uns doch die Bibel ein, die Gottesworte treulich zu bewahren!

„Schreibe sie über die Pfosten deines Hauses, beschäftige dich mit ihnen, wenn du in deinem Hause sitzt oder auf dem Weg gehst, wenn du dich niederlegst oder aufstehst! Binde sie an deine Hand, daß du sie immer vor dir hast, und sie sollen dir ein Denkmal vor deinen Augen sein!“ (5. Mose 6, 6-9).

Das Leben mit seinen Geschäften und Anforderungen bringt Zerstreuung genug. Suchen wir doch mitten im Alltag einige Minuten zur Einkehr und Sammlung zu gewinnen. Wie oft läßt man sich unnötig zerstreuen und plaudert sich und andere leer! Laßt uns doch unsere Taschenbibel oder das Neue Testament bei uns tragen, um immer wieder ein Gotteswort ins Herz zu fassen! Das Wort Gottes hat die Eigenschaft, daß es nur schmackhafter wird, je mehr wir davon genießen. Menschliches Wort bekommt man satt, wenn es gar so oft ins Ohr fällt. –

Aus dem Hören des Wortes Gottes kommt der Glaube, aus dem Glauben die Frucht eines neuen Lebens und Wandels. „Wer von dem Worte Gottes redet“ – es ist das unhörbare Reden oder Sinnen des Herzens gemeint – „Tag und Nacht, der ist wie ein Baum, gepflanzt an den Wasserbächen, der seine Frucht bringt zu rechter Zeit, und was er macht, das gerät wohl“ (Ps. 1, 2.3). – Beharrlich das Wort im Herzen tragen und beharrlich Frucht bringen, darin besteht das ganze Christentum. Solch treue Seelen bekommen immer mehr Hunger nach dem Wort. Wer da hat, dem wird gegeben, daß er die Fülle habe.

(Dr. Carl Eichhorn jun.)

Quelle: CLV AndachtenLukas-EvangeliumLukas 8, 15


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Eingestellt am 26. Februar 2024