Hermann Bezzel (1861-1917)

Hermann Bezzel (* 18. Mai 1861 in Wald bei Gunzenhausen, Mittelfranken; † 8. Juni 1917 in München; ab 1910 Hermann von Bezzel) war Rektor der Diakonissenanstalt Neuendettelsau und Oberkonsistorialpräsident der bayerischen Landeskirche.

Leben

Am 18. Mai 1861 wurde Hermann Bezzel als erstes von zwölf Kindern in Wald, heute eingemeindet nach Gunzenhausen (Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen), geboren. Sein Vater war der Walder Dorfpfarrer Ludwig Bezzel. Nach dem Schulbesuch im Ansbacher Gymnasium Carolinum studierte er in Erlangen Philologie und Theologie. Er trat der Burschenschaft der Bubenreuther bei.

Korporationshaus der Burschenschaft Bubenruthia Erlangen
Bild: Cowabbr, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Nach acht Jahren als Lehrer am damaligen Internat Alumneum in Regensburg wurde Hermann Bezzel 1891 als Nachfolger von Friedrich Meyer zum Rektor der Diakonissenanstalt nach Neuendettelsau berufen. Dort führte er  die von ihrem Gründer Wilhelm Löhe geprägte Einrichtung zu neuer Anerkennung und innerer Kraft.

Zu seiner Arbeit sagte er: „Zeugen Jesu sind stille Leute. Sie reden nicht viel, sind nicht vielgeschäftig, aber man sieht sie bei der Arbeit“. Im Kampf gegen den Liberalismus einerseits und eine starre Orthodoxie andererseits strebte er zeitlebens danach, ein guter Lutheraner, vor allem aber Christ zu sein. Er prägte das Wort von den „durchbeteten Räumen“ und manche andere Worte, die in verschiedenste Zitatensammlungen aufgenommen wurden.

In seine Zeit als Rektor fällt auch die Gründung der sogenannten „Höheren Töchterschule“ in Neuendettelsau (1903). 1909 wurde er Leiter des Oberkonsistoriums (d. h. Verwaltungschef) der Kirchenleitung der bayerischen Evangelisch-Lutherischen Kirche in München.

Im Jahre 1910 führten der Hauptprediger der Sebalduskirche in Nürnberg, Christian Geyer (1862–1929) und der ebenfalls in Nürnberg predigende Friedrich Rittelmeyer eine heftige theologische Auseinandersetzung mit dem Oberkonsistorium über ihre liberale Interpretation von Bibel und Bekenntnis.

Bezzel trat dabei vehement für das bestehende Bekenntnis der Kirche ein. Er schrieb:

»So lasset uns halten an dem Bekenntnis, für das unsere Väter landesflüchtig, heimatlos, ehrlos, wehrlos geworden sind; an dem Bekenntnis, in dessen Schatten ich dereinst meinen letzten Seufzer aufgeben will. Es ist nicht ein von Theologen ersonnenes Bekenntnis, sondern das Bekenntnis, das die Gemeinde mit ihrem Herzblut erlebt hat und mit ihrem Herzblut vertreten muß.«

»Ich werde mit aller Willigkeit, mit aller Freude und Güte auch dem geringsten, dem einfachsten Vikar begegnen, auch von ihm lernen; aber ich werde nie dazu schweigen, wenn unsere Kirche allmählich ein Sprechsaal würde, in dem die einzelnen theologischen Meinungen hin- und herschwirren – und die Gemeinde steht dabei und leidet.«

Ebenfalls im Jahre 1910 wurde Bezzel in den Adelsstand erhoben. Er starb am 8. Juni 1917 in München und wurde in Wald beerdigt.

Einzelnachweise

Quellen:
Seite „Hermann Bezzel“ (auszugsweise). In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 2. Mai 2020, 23:07 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Hermann_Bezzel&oldid=199556105 (Abgerufen: 21.01.2021, 09:37 MEZ)

Biblische Betrachtungen:

Matthäus 24, 14

Johannes 14, 23