Johannes 17, 3

«Das ist aber das ewige Leben, daß sie dich, der du allein wahrer Gott bist, und den du gesandt hast, Jesum Christum, erkennen.» (Johannes 17, 3)

Gott und Jesum erkennen – das ist ewiges Leben. Dann kann damit aber nicht ein Aufmarsch von Begriffen und ein Lehrgebäude gemeint sein, sondern man muß an die biblische Sprache denken, die „erkennen“ von der innigsten Liebesgemeinschaft braucht. Gott und Jesus werden nur so weit erkannt, als man sie liebt, und man kann sie nur so echt und wahr lieben, wenn man sie am inneren Menschen erfährt. Es steht nicht so, als ob die Lehre über Gott zuerst an einen Menschen herangebracht werden müßte, um Ehrfurcht und Liebe zu wecken, sondern umgekehrt ist’s gegangen: Die erfahrene Liebe von oben rief unsere Liebe wach und nachher suchte diese dankbare Rührung nach Begriffen, Namen, Lehren, die hoch genug für Gott und Jesus wären. Der goldene Faden im Gewebe unseres Erdenlebens ist, was wir in heiligem Schauer und süßer Bewegung vom Unsichtbaren erlebten: Scheidung von der Sünde, Gebetserhörungen, Tröstungen, die wir nicht in Worten weitersagen konnten. Schließ die Augen, wenn du allein dich müde geweint im Leid, oder müde gelesen in der Bibel und schicke deine Seele, daß sie Gott, dem nahen, gegenwärtigen, begegne.

Hier bin ich, Herr, mein Vater und Erlöser! Höre mich, sieh mich freundlich an, reiche mir deine durchgrabene Hand, zieh mich an dein Herz und laß mich eine kleine Weile Heimatglück in der Fremde genießen.

Amen.


Was muß das für eine Erkenntnis sein, daß Johannes sie ewigem Leben gleichsetzt? Solche Erkenntnis muß erfahrene Erlösung sein, muß eine solche Wirklichkeit sein, daß der arme Sünder, der mit uns zusammentrifft, innerlich überzeugt wird: Das ist es, was ich suche. Das gerade brauche ich, um aus meinem Elend herauszukommen. – Dann ist schon klar, daß das nicht in Begriffen und Worten stehen kann, sondern in einer Erfahrung, die neue Kraft und neues Leben mit sich bringt. Davon war im Alten Testament geweissagt: ein Volk, das seinen Gott erkennt, wird sich aufmachen und es ausrichten. Nun muß sich das erfüllen, wenn man die Offenbarung Gottes in Christo an sich gerissen hat, diesen Gottesstrom in sich hinein hat fluten lassen. Das gibt dann den Sinn des Lebens auf Erden; sein Mark, seine Seele, seine treibende Kraft: das ewige Leben. Weil aber durch Liebe und Erfahrung die Erkenntnis Gottes und Christi wächst, wächst auch die Wirkung dieses ewigen Lebens hiernieden. Wenn wir einst Gott so erkennen werden, wie er jetzt uns, dann werden wir das Vollmaß des ewigen Lebens erlangt haben. Hier ist beides – Erkenntnis und Leben – nur Stückwerk.

Wir danken dir, Herr, daß du beides in der Hand hast, den Abbruch des alten und den Aufbau des neuen Lebens. Wir wollen in deiner Hand bleiben. Wirke deine Werke, wenn unsere Werke welken. Führ uns hindurch!

Amen.


Bildnachweis: Keller, Samuel, Pfarrer in Düsseldorf; aus Bestand: AEKR Bibliothek BK3005


Die Menschen verwarfen Jesus nicht wegen dem, was er tat, sondern wegen dem, was er war; auch wir sollen in erster Linie nicht an das glauben, was er getan hat, sondern was er ist. »Wer den Sohn hat, der hat das ewige Leben«. Gewiß, später müssen wir auch das von ihm vollbrachte Heilswerk erkennen; zunächst aber ist das Wichtigste die Frage, ob wir den Sohn haben oder nicht – und nicht, ob wir den ganzen Heilsplan verstehen. Die erste Voraussetzung für die Rettung ist nicht die Erkenntnis, sondern die Begegnung mit Christus.

Oft haben wir das Gefühl, andere Menschen seien gerettet worden durch die falschen Schriftstellen! Sie wurden durch Verse angesprochen, die scheinbar nicht den Weg zum Heil weisen, und es kommt uns so vor, als sei ihre Rettung bei einer solchen Ausgangsbasis gar nicht möglich! Früher wünschte ich mir immer, wenn ich Menschen zu Jesus führte, ihre Rettung würde sich auf einen Vers wie etwa Johannes 3, 16 gründen, aber inzwischen habe ich erkannt, daß bei dem ersten lebenswichtigen Schritt nur eines vonnöten ist: Der Mensch muß in persönliche Verbindung zu Gott treten. Es spielt daher keine Rolle, welche Schriftstelle Gott sich aussucht, um diesen Schritt herbeizuführen.

(Watchman Nee)


In der Erkenntnis Gottes liegt das ewige Leben. Nicht jedes Kennen ist ein  E r k e n n e n. „Kennst du jene Quelle im Tale?“ – „Ja, ich habe sie schon oft gesehen.“ – „Aber hast du auch aus ihr getrunken, wenn du dürstend daherkamst? Dann erst hast du sie erkannt.“ – Kennst du Gott vom Hörensagen nur? Oder hast du ihn erkannt? Hast du einen Eindruck bekommen von seiner Heiligkeit? Hast du gezittert vor seinem gerechten Zorn (Jes. 12, 1)? Hast du erkannt seine Liebe, sein Erbarmen, sein Vergeben, sein göttliches Aufrichten? Auge in Auge, Herz an Herz, so lernt man Gott erkennen. Es ist nicht zumeist eine Tat des V e r s t a n d e s. Es heißt nicht: Erkennen,  d a ß  du wahrer Gott bist; sondern:  d i c h erkennen.

Und die Erkenntnis Gottes geht Hand in Hand mit der Erkenntnis dessen, den er als Heiland gesandt hat. Manche reden wohl gern von einem lieben Gott, aber sie brauchen und wollen keinen Heiland. Ach, dann haben sie nicht den  w a h r e n  G o t t  und darum auch kein Leben.

Zum ersten Mal vernehmen wir hier den herrlichen Doppelnamen, der bald hinausgetragen werden sollte in die weite Welt: Jesus Christus, der  R e t t e r,  der  g e s a l b t e  König.

Herr Jesu, lehre mich immer tiefer eindringen in die lebenbringende Erkenntnis, die Du selbst uns geoffenbart hast! Lehre mich glauben und besitzen!

(Dora Rappard)

Quelle: CLV AndachtenJohannes-EvangeliumJohannes 17, 3


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Eingestellt am 19. Dezember 2023 – Letzte Überarbeitung am 10. Juli 2024