Ist Gott für mich, so trete gleich alles wider mich (EG 351)

Als Wochenlied dem 23. Sonntag nach Trinitatis und dem Gedenktag der Augsburgischen Konfession zugeordnet, aufgenommen in der evangelischen Kirche in Brinkum (Stuhr).
Vorgetragen von Pastor Detlef Korsen

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1) Ist Gott für mich, so trete
gleich alles wider mich;
so oft ich ruf und bete,
weicht alles hinter sich.
Hab ich das Haupt zum Freunde
und bin geliebt bei Gott,
was kann mir tun der Feinde
und Widersacher Rott’?

2) Nun weiß und glaub ich feste,
ich rühm’s auch ohne Scheu,
daß Gott, der Höchst’ und Beste,
mein Freund und Vater sei
und daß in allen Fällen
er mir zur Rechten steh’
und dämpfe Sturm und Wellen
und was mir bringet Weh.

3) Der Grund, da ich mich gründe,
ist Christus und sein Blut;
das machet, daß ich finde
das ew’ge, wahre Gut.
An mir und meinem Leben
ist nichts auf dieser Erd;
was Christus mir gegeben,
das ist der Liebe wert.

4) Mein Jesus ist mein Ehre,
mein Glanz und helles Licht;
wenn der nicht in mir wäre,
so dürft’ und könnt ich nicht
vor Gottes Augen stehen
und vor dem strengen Sitz;
ich müßte stracks vergehen,
wie Wachs in Feuers Hitz’.

5) Der, der hat ausgelöschet,
was mit sich führt den Tod;
der ist’s, der mich rein wäschet,
macht schneeweiß, was ist rot.
In ihm kann ich mich freuen,
hab einen Heldenmut,
darf kein Gerichte scheuen,
wie sonst ein Sünder tut.

6) Nichts, nichts kann mich verdammen,
nichts nimmt mir meinen Mut;
die Höll’ und ihre Flammen
löscht meines Heilands Blut.
Kein Urteil mich erschrecket,
kein Unheil mich betrübt,
weil mich mit Flügeln decket
mein Heiland, der mich liebt.

7) Sein Geist wohnt mir im Herzen,
regiert mir meinen Sinn,
vertreibet Sorg und Schmerzen,
nimmt allen Kummer hin,
gibt Segen und Gedeihen
dem, was er in mir schafft,
hilft mir das Abba schreien
aus aller meiner Kraft.

8) Und wenn an meinem Orte
sich Furcht und Schwachheit find’t,
so seufzt und spricht er Worte,
die unaussprechlich sind
mir zwar und meinem Munde,
Gott aber wohl bewußt,
der an des Herzens Grunde
ersiehet seine Lust.

9) Sein Geist spricht meinem Geiste
manch süßes Trostwort zu,
wie Gott dem Hilfe leiste,
der bei ihm suchet Ruh,
und wie er hab erbauet
ein edle neue Stadt,
da Aug’ und Herze schauet,
was es geglaubet hat.

10) Da ist mein Teil und Erbe
mir prächtig zugericht’t;
wenn ich gleich fall und sterbe,
fällt doch mein Himmel nicht;
muß ich auch gleich hier feuchten
Mit Thränen meine Zeit,
Mein Jesus und sein Leuchten
durchsüßet alles Leid.

11) Wer sich mit dem verbindet,
den Satan fleucht und haßt,
der wird verfolgt und findet
ein’ harte, schwere Last
zu leiden und zu tragen,
gerät in Hohn und Spott,
das Kreuz und alle Plagen
die sind sein täglich Brot.

12) Das ist mir nicht verborgen,
doch bin ich unverzagt,
dich will ich lassen sorgen,
dem ich mich zugesagt,
es koste Leib und Leben,
und Alles, was ich hab’;
an dir will ich fest kleben
und nimmer lassen ab.

13) Die Welt, die mag zerbrechen,
du stehst mir ewiglich;
kein Brennen, Hauen, Stechen
soll trennen mich und dich.
Kein Hunger und kein Dürsten,
kein Armut, keine Pein,
kein Zorn der großen Fürsten
soll mir ein Hind’rung sein.

14) Kein Engel, keine Freuden,
kein Thron, kein Herrlichkeit,
kein Lieben und kein Leiden,
kein Angst und Fährlichkeit,
was man nur kann erdenken,
es sei klein oder groß:
der keines soll mich lenken
aus deinem Arm und Schoß.

15) Mein Herze geht in Sprüngen
und kann nicht traurig sein,
ist voller Freud’ und Singen,
sieht lauter Sonnenschein.
Die Sonne, die mir lachet,
ist mein Herr Jesus Christ;
das, was mich singen machet,
ist, was im Himmel ist.

Liedtext: 1653, Paul Gerhardt (1607-1676)
Melodie: England (1590), Augsburg (1609), Melchior Teschner (1613)

“Ist Gott für mich, so trete gleich alles wider mich” ist ein evangelisches Kirchenlied. Den Text dichtete Paul Gerhardt 1653. Das Lied ist in allen kirchlichen Gesangbüchern des deutschsprachigen Protestantismus enthalten, im Evangelischen Gesangbuch (EG) unter Nr. 351 (Hauptlied am Reformationstag), im Mennonitischen Gesangbuch unter Nr. 437.

Paul Gerhardts Dichtung umfaßt 15 Strophen – im EG sind die ursprünglichen Strophen 11 und 12 ausgelassen – zu je acht jambischen dreihebigen Zeilen mit dem Reimschema [ababcdcd], wobei weibliche und männliche Reime abwechseln. Dieser regelmäßige Strophenbau begegnet bei Gerhardt und in der gesamten Barockdichtung häufig.

Ausgangspunkt der Dichtung sind die Gipfelaussagen, mit denen Paulus im Römerbrief seine Darlegung des Evangeliums von Jesus Christus zusammenfasst (Röm. 8, 26–39 LUT). Alle Unheilsmächte sind entmachtet, weil Gott durch die stellvertretende Liebeshingabe seines Sohnes die Sünde, den Ursprung des Unheils, entmachtet hat. Vereinigt mit Christus und erfüllt vom Heiligen Geist überwinden die Glaubenden auf dem Weg zur Herrlichkeit alle Widerstände.

Was Paulus in „Wir“-Aussagen formuliert, wird bei Paul Gerhardt zum nicht enden wollenden, zugleich reflektierten und gefühlsstarken „Ich“-Bekenntnis und, in den Strophen 13 und 14, zum Gebet. Biografische Hintergründe, etwa die Katastrophe des Dreißigjährigen Kriegs, können vermutet werden. Seine schlimmsten persönlichen und beruflichen Leiden hatte Gerhardt zur Zeit der Abfassung des Liedes allerdings noch vor sich.

Quelle der Liedbeschreibung: Eintrag bei Wikipedia (DE)

Links und Verweise:

Liedeintrag bei “Die christliche Liederdatenbank” (10 Strophen)

Liedeintrag bei Hymnary.org

Liedeintrag bei Liederindex (mit Notensatz, 4 stimmig und 5 Strophen Text)

Audiofile der Melodie (unbekannt, mp3, externer Link zu liederindex.de)

Audiofile der Melodie (Teschner, mp3, externer Link zu liederindex.de)

Nr. 395: Evangelisch-Lutherisches Gesangbuch von Wisconsin und anderen Staaten, erschienen bei Georg Brumder, Milwaukee/Wisconsin, 1872 (alle 15 Verse)