Jeremia 3, 12

Kehre wieder, du abtrünniges Israel, so will ich mein Angesicht nicht gegen euch verstellen.

Wer ist der Fromme, der sich nie, der sich nicht oft vom Herrn abwendet, und den Blick auf sein Angesicht verliert? Doch selig bist du, wenn du dich, so oft du dich von ihm wegwendest, gleich wieder zu ihm kehrest; und hättest du des Tages hundertmal Seiner vergessen, wenn du nur hundertmal sein Antlitz wieder suchest. Aber wenn du wegbleibst, in der Abkehr und Vergessenheit des Herrn verharrest, so entsteht eine Abtrünnigkeit, eine gänzliche Abwendung vom Herrn, eine Scheidung zwischen dir und Ihm. Dann verliert das Herz, wenn es auch noch wollte, den Mut, zu ihm zurück zu kehren, es denkt: Er nimmt mich nicht mehr an; Er hat sein Angesicht gegen mich verstellt, hat mich verlassen. Das sind aber falsche Gedanken; denn in seinem Worte steht es anders geschrieben, als in deinem abtrünnigen Herzen. Er ruft dir, er will, das abtrünnige Israel soll sich wieder zu ihm kehren, er will keine Seele, auch die abtrünnige nicht, verloren, sondern lieber gerettet sehen. O möchten alle kommen, die sich vom Herrn, der ihnen früher so freundlich nahe war, mehr oder weniger abgewendet, ihn aus den Augen und aus dem Herzen verloren haben, möchten sie sich doch wieder zu ihm kehren! Wie gern würde er sein freundliches Angesicht wieder zu ihnen wenden, und sich von ihnen finden lassen!

(Johannes Evangelista Gossner)