Nun der Himmel bleibt verschlossen (Starck)

Elia war ein Mensch gleich wie wir; und er betete ein Gebet, daß es nicht regnen sollte, und es regnete nicht auf Erden drei Jahre und sechs Monate.Und er betete abermals, und der Himmel gab den Regen, und die Erde brachte ihre Frucht. (Jakobus 5, 17.18)

Gesang

Mel.: Zion klagt mit Angst und Schmerzen

1. Nun der Himmel bleibt verschlossen
Lange Zeit, o großer Gott!
Weil kein Regen sich ergossen,
Häufet sich auch unsre Not;
Man sieht alles traurig steh’n,
Und nach frischem Wasser geh’n;
Menschen, Vieh, Laub, Gras und Aehren
Deinen Regentau begehren.

2. Vater, gib uns deinen Segen;
Willst du nicht mehr Vater sein?
Vater! gib uns einen Regen!
Sonst dringt bei uns Teu’rung ein;
Sieh‘, die Erd‘ tut auf den Mund,
Schreiet dich an alle Stund‘,
Alles Laub will fast erblassen,
Wenn du nicht willst regnen lassen.

3. Es verwelken alle Früchte,
Das Getreid‘ steht fast verdürrt,
Was sonst blühte, wird zu nichte,
Weil es keinen Saft verspürt;
Alles wird von Hitz‘ verbrennt,
Daß man es fast gar nicht kennt;
Das Wild sucht auch vor Vermatten,
aller Orten kühle Schatten.

4. Zwar wir haben’s wohl verdienet,
Daß der Himmel ehern ist,
Daß auch unser Feld nicht grünet,
Weil du annoch zornig bist,
Über uns, die früh und spat,
Häufen unsre Missetat;
Weil wir harte Herzen haben,
Soll uns auch kein Regen laben.

5. Weil wir nicht die Sünde fliehen,
Wenig achten Gottes Wort,
Muß der Regen sich verziehen
Fern von unserm Land und Ort;
Andre sehn im Ueberfluß,
Deines Regens Segens=Guß,
Nur auf unsre dürre Auen
Willst du nicht in Gnaden schauen.

6. Ach! wir fallen vor dir nieder,
Bitten dich um Gnad‘ und Huld,
Ach, wir kehren heute wieder,
Weinen über unsre Schuld;
Ach, vergib uns gnädiglich,
Womit wir erzürnet dich
Ach, wir wollen unser Leben,
Dir zu deinem Dienst ergeben.

7. Ach, erbarme Dich in Gnaden,
Über uns und unser Land ,
Laß uns doch nicht ferner schaden,
Der erhitzten Sonne Brand;
Schließ‘ den Himmel wieder auf,
Laß dem Regen freien Lauf;
Laß den Regen uns erblicken,
Menschen, Vieh und Feld erquicken.

8. Wirst du dies Gebet erhören,
O du großer Segens=Gott!
Und uns unsre Bitt‘ gewähren,
Wenden diese große Not,
Daß du seist mit uns versühnet,
Daß das Feld aufs neue grünet,
Wollen wir zu allen Zeiten,
Deine Gnad‘ und Lieb‘ ausbreiten.

Liedtext: Johann Friedrich Starck (1680-1756)

Erstellt am 1. Oktober 2021