2. Timotheus 2, 13

„Glauben wir nicht, so bleibt er treu; er kann sich selbst nicht verleugnen.“

Ein wunderbares Wort; beschämend und Glauben weckend zugleich. Ein reicher, edler Mann hat eine Geldsumme an einer Bank deponiert mit der Bestimmung: „Wenn Pastor Keller im Vertrauen auf meine mündliche Zusage kommt, um von diesem Guthaben einen Betrag abzuheben, soll er ihm ausbezahlt werden.“ Glaube ich nun heute und morgen seiner Zusage nicht, zieht er seine Wohltat nicht zurück: er kann von seinem edlen Unternehmen nicht zurücktreten. Es bleibt dabei, und wenn Jahre vergehen, daß seine Zusage gehalten wird. Er bleibt sich treu! – So handelt Gott mit uns seit unserer Taufe. Da wurde uns seine Gnade und der Segen seiner Gemeinschaft mitgeteilt als eine Zusage. Wie lange Zeit verging, bis wir uns getrauten, in der himmlischen Bank ein Stückchen Vergebung, Friede und Freude in bar zu erheben! Wie viel mag noch vorhanden sein! Warum soll ich nicht heute Abend noch vor dem Schlafengehen mich melden und bitten: „Hundert Mark Gnade in Gold und hundert Mark Kraft in Kleingeld!“ Die himmlischen Bankbeamten freuen sich, wenn sie was ausbezahlen können!

Herr, vergib mir all die Tage, wo ich, ohne dir etwas zuzutrauen, mich mit meiner eigenen Armut behelfen wollte. Heute will ich’s wagen, all meine Sorgen wie leere Geldbeutel dir zu bringen. Fülle sie mir mit deiner Gnade, daß ich errettet gar fröhlich rühmen könnte. Amen.

Samuel Keller (1856-1926)