2. Timotheus 4, 10

Denn Demas hat mich verlassen und hat diese Welt liebgewonnen und ist gen Thessalonich gezogen, Kreszens nach Galatien, Titus nach Dalmatien.

Wie viele Kinder Gottes sind an dies oder das gebunden! Wie Judas ans Geld, wie Ananias und Saphira an den Ehrgeiz, wie Demas an die Welt! Ach, dann trägt das Ende die Last! Judas, obwohl er einer der Zwölfe war, endete am Strick des Selbstmörders. Ananias und Saphira, obwohl sie Glieder der Urgemeinde waren, kamen im Gericht Gottes um. Demas, der ein Mitarbeiter des Apostels Paulus war, verließ ihn und verließ dann auch den Herrn. Da ist einer an Menschen gebunden in seelischer Hängerei und Abgötterei, ein anderer ist es an diese oder jene Gewohnheit, die zur Leidenschaft geworden ist, ein dritter ist gebunden an Hund und Katze, an Papagei und Kanarienvogel, an goldenen Schmuck oder an Süßigkeiten oder was es sonst sein mag.

„Fühlst du dich noch gebunden? Entreiß dich nur beherzt. Das Lamm hat überwunden, was deine Seele schmerzt.“ Weg mit der Gebundenheit!

An dieser Stelle machen viele einen Fehler. Wenn sie zur Erkenntnis gekommen sind, daß sie gebunden sind, dann beten sie: „Herr, erlöse mich davon!„ Und — sie bleiben gebunden. Also hat der Herr sie nicht davon gelöst? Nein, hier heißt es nicht, um Lösung von der Gebundenheit beten, sondern hier heißt es: einen Entschluß fassen und eine Tat tun. Der Herr Jesus hat gesagt: „Ärgert dich dein rechtes Auge, dann reiß es aus und wirf es von dir! Ärgert dich deine rechte Hand, dann haue sie ab!“ Da erwartet der Herr von uns eine Tat, eine mannhafte Tat, daß wir das, was uns zur Gefahr wird, drangeben und wegtun.

Leuchtet das Licht Gottes hinein in solche Gebundenheiten deines inneren Lebens, dann sei gehorsam und denke an das Wort: „Wer nicht absagt allem, was er hat, der kann nicht mein Jünger sein!” Verschließ dich dem Lichte Gottes nicht, wenn es dein Herz und dein Leben durchleuchtet! Bitte lieber den Herrn: „Entdecke alles und verzehre, was nicht in deinem Lichte rein!“ Dann wird sich das Wort Jesu auch bei dir bewahrheiten: „Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.”

Ein Wandel im Licht ist die selige Folge, wenn man das Leben hat durchleuchten lassen. Im Blick auf die Vergangenheit ist man getrost: „So wahr Gottes Sonne am Himmel noch pranget, so wahr hab ich Sünder Vergebung erlanget.“ Der Feind findet keine Handhabe mehr, uns wegen alter Geschichten zu verklagen, sie sind getilgt und gesühnt im Blute des Lammes. Solche sind wir gewesen, aber wir sind abgewaschen, wir sind geheiligt, wir sind gerecht geworden durch den Namen des Herrn Jesu und durch den Geist unseres Gottes. Im Blick auf die Gegenwart erfreuen wir uns eines offenen Himmels, unter dem wir leben dürfen. Der Herr hat gesagt: „Ich will dir den Weg zeigen, den du wandeln sollst, ich will dich mit meinen Augen leiten.„ Wenn wir ihm nach den Augen sehen, dann leitet er uns auch mit seinen Augen, wie er gesagt hat, und mit seinem Lichte erleuchtet er unseren Pfad: „Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege“, wie schon der Psalmist gesagt hat. Wie klar und deutlich erkennen wir in dem Lichte des Wortes unseren Weg durch die Welt. Wir dürfen wissen, daß wir mit schnellen Schritten dem Ende dieses Zeitlaufs entgegengehen und daß der Tag Christi nahe ist. Darum betet die Gemeinde des Herrn: „Amen, ja, komm, Herr Jesu!”

(Ernst Modersohn: Jesus – das Licht der Welt)

Weitere Predigten und Auslegungen:

Thomas Karker: Predigt über 2 Tim 4,10: Demas – vom Mitarbeiter zum Wegläufer