Schmücke dich, o liebe Seele (EG 218)

The Hastings College Choir sings a meditative verse (in English) of Johann Crüger’s beautiful chorale from the Geistliche Kirchen-Melodien of 1649. This Reformation chorale is featured in John Rutter’s contemporary work, „Hymn to the Creator of Light.“

1) Schmücke dich, o liebe Seele,
laß die dunkle Sündenhöhle,
komm ans helle Licht gegangen,
fange herrlich an zu prangen!
Denn der Herr voll Heil und Gnaden
will dich jetzt zu Gaste laden;
der den Himmel kann verwalten,
will jetzt Herberg‘ in dir halten.

2) Ach wie hungert mein Gemüte,
Menschenfreund, nach deiner Güte;
ach, wie pfleg‘ ich oft mit Tränen
mich nach deiner Kost zu sehnen;
ach wie pfleget mich zu dürsten
nach dem Trank des Lebensfürsten,
daß in diesem Brot und Weine
Christus sich mit mir vereine.

3) Heil’ge Freude, tiefes Bangen
nimmt mein Herze jetzt gefangen.
Das Geheimnis dieser Speise
und die unerforschte Weise
machet, daß ich früh vermerke,
Herr, die Größe deiner Werke.
Ist auch wohl ein Mensch zu finden,
der dein Allmacht sollt‘ ergründen?

4) Nein, Vernunft, die muß hier weichen,
kann dies Wunder nicht erreichen,
daß dies Brot nie wird verzehret,
ob es gleich viel Tausend nähret,
und daß mit dem Saft der Reben
uns wird Christi Blut gegeben.
Gottes Geist nur kann uns leiten,
dies Geheimnis recht zu deuten!

5) Jesu, meine Lebenssonne,
Jesu, meine Freud‘ und Wonne,
Jesu, du mein ganz Beginnen,
Lebensquell und Licht der Sinnen:
hier fall ich zu deinen Füßen;
laß mich würdiglich genießen
diese deine Himmelsspeise
mir zum Heil und dir zum Preise.

6) Jesu, wahres Brot des Lebens,
hilf, daß ich doch nicht vergebens
oder mir vielleicht zum Schaden
sei zu deinem Tisch geladen.
Laß mich durch dies heil’ge Essen
deine Liebe recht ermessen,
daß ich auch, wie jetzt auf Erden,
mög‘ dein Gast im Himmel werden.

Text: Johann Franck (1649/1653, Strophe 1 1646)
Melodie: Johann Crüger (1649)

Geschichte des Liedes

Schmücke dich, o liebe Seele ist ein lutherisches Kirchenlied. Den Text verfasste Johann Franck zwischen 1646 und 1653, die Melodie schuf Johann Crüger 1649. Das Lied steht, leicht überarbeitet, im Evangelischen Gesangbuch (EG 218).

Franck schuf das Lied als Betrachtung zur Vorbereitung auf das Abendmahl. Mit dem Anfang nimmt er eine mystische Tradition auf, die über Gabriel Biel zurückgeht auf Johannes Damascenus. Von diesem stammt der Tradition nach die erste Antiphon des Missale Romanum zur Prozession beim Fest der Darstellung des Herrn „Schmücke dein Brautgemach, Sion, nimm auf Christus, den König“ (Adorna thalamum tuum, Sion, et suscipe Regem Christum), dessen Bildgedanken Franck aufgreift.

Das Evangelische Kirchengesangbuch wie das Evangelische Gesangbuch geben das Lied ohne die ursprünglichen Strophen 2, 3 und 8 wieder.

Catherine Winkworth schuf 1858 eine sechsstrophige englische Übersetzung Deck thyself my soul with gladness (Liedtext siehe Verweise unten), die sie 1863 überarbeitete und die in dieser Form Eingang in zahlreiche lutherische, anglikanische und methodistische Gesangbücher gefunden hat.

Bild: Rabanus Flavus / CC0

Verweise:

Wikipedia (DE)

Text von Deck thyself my soul with gladness (externer Link auf hymnary.org)

Text von Deck thyself my soul with gladness (Jubilate Version/Piano Demo, externer Link auf jubilate.co.uk)

Liedvortrag von Deck thyself my soul with gladness (externer Link auf youtube)

Detlef Metz: Gabriel Biel und die Mystik (= Contubernium. Tübinger Beiträge zur Universitats- und Wissenschaftsgeschichte 55). Steiner, Stuttgart 2001