Sandspieltherapie

Sandspieltherapie ist eine tiefenpsychologische Methode zur psychosozialen Diagnostik und zur Therapie seelischer und psychosomatischer Störungen. Vorwiegend wird sie zur Behandlung von Kindern, zunehmend aber auch bei Erwachsenen eingesetzt, z.B. bei Selbstwertproblemen, Entwicklungsstörungen, Lern- und Konzentrationsschwäche.

Der Sand wird in einem speziell angefertigten Tisch-Sandkasten angeboten, dessen typische Maße (72 × 57 × 7 cm) sich nach der Größe des menschlichen Blickfeldes richten. Die Innenseite ist meist in einem an Wasser erinnernden blauem Farbton gehalten, um Flüsse, Meere und Seen darstellen zu können. Gestaltet wird mit trockenem und/oder feuchtem Sand, ergänzend zur Auswahl stehen Figuren wie Menschen, Tiere, Fabel- oder mythologische Wesen, Pflanzen, Gebäude, Fahrzeuge, und Naturmaterialien wie Steine und Muscheln.

Ohne thematische Vorgabe können in der Therapie aus dem vorgegebenen Material spontan abstrakte oder konkrete Darstellungen entstehen. Sie sollen symbolische Umsetzungen und Darstellungen von Empfindungen, Erfahrungen oder unbewussten Konflikten sein, und können nach Ansicht der Sandspieltherapeuten Lösungsmöglichkeiten enthalten.

Das Sandspiel soll in „tiefere seelische Schichten“ führen, die für das Bewusstsein oder die Sprache schwer zugänglich sind oder sonst keinen angemessenen Ausdruck hätten finden können. (Quelle: Auszug aus Wikipedia, CC-BY-SA-3.0)

Begründet wurde die Methode in den 1950er Jahren von der Schweizerin Dora M. Kalff (1904-1990). Martin Kalff (geb. 1946), der Sohn von Dora M. Kalff,  ist eines der Gründungsmitglieder der ISST (Internationale Gesellschaft für Sandspieltherapie) sowie Dozent des Buddhistischen Zentrums Zollikon/Schweiz.

Die Methode basiert auf drei Grundlagen:

Die Methode hat eine enge Verwandtschaft mit Carl Gustav Jungs Verfahren der „aktiven Imagination„.

«Psychotherapie ist nicht vorrangig eine angewandte Wissenschaft. Es erinnert in einigem eher an eine Religion»

Jerome Frank, Psychiater, im American Journal of Orthopsychiatry

Untersuchung der Methode auf esoterische Hintergründe

Carl Gustav Jung
erlebte nach eigener Aussage eine „Initiation in das Reich des Dunkeln“
(Bild: Wikipedia Commons, orionpozo, Liz. CC-BY-2.0)

Da die Sandspiel-Therapie auf den psychologischen und weltanschaulichen Hintergründen der oben genannten Psychotherapeuten aufbaut, sollen diese kurz dargestellt werden.

Carl Gustav Jung war ein esoterisch und spiritistisch erfahrener Psychiater mit ausgeprägtem Hang zu alchemistischer und asiatisch-religiöser Literatur und der dahinter stehenden Weltanschauung. Jung sieht seine Psychologie als „wissenschaftliches Pendant zu den neueren Bewegungen des Spiritismus, der Astrologie, der Theosophie, Anthroposophie und Parapsychologie usw., insofern sie das zentrale Ziel all dieser Bewegungen teilt, nämlich die „Zurückwendung zur Seele“, und zwar im ‚gnostischen Sinne’ “ (zitiert in: Nannen, S. 10).

Seine direkten Vorfahren und er selbst waren aktiv spiritistisch tätig. Jung besuchte von 1894 bis 1899 Séancen seiner Cousine Helly Preiswerk, die in Trance mediale Fähigkeiten zu haben schien, sowie zwei Jahre lang, von 1895 bis 1897, die wöchentlichen Séancen eines «Gläser- und Tischrücker-Kreises», der sich um ein fünfzehnjähriges Medium gebildet hatte.

Margaret Lowenfeld war eine Kinderärztin und Psychotherapeutin. Wie bei C.G. Jung ist aus ihrem familiären Hintergrund Okkultismus bekannt, denn ihre Mutter veranstaltete zu Hause spiritistische Sitzungen.

Sie beschäftigte sich mit der Art, wie Kinder denken, bevor sie die Sprache zur Verfügung haben. 1929 begann sie mit der Entwicklung der sog. „Welttechnik“ (Worldtechnique). Der Name stammt daher, dass sich die Kinder im Spielzimmer aus kleinen Figuren Welten bauten. Lowenfeld stellte dann für diese Betätigung Spielkästen aus Zinkblech zur Verfügung und analysierte dieses Spiel psychologisch.

Dora Kalff (1904-1990) war Absolventin des C.G.-Jung-Instituts in Zürich und kam an Lowenfelds Institute for Child Psychology (ICP), um dort zu studieren. Nach ihrer Rückkehr in die Schweiz hat sie die Worldtechnique in Sandspiel umbenannt und die Lowenfeldschen Theorien um Jung’sche Ideen erweitert. Zusätzliche Einflüsse in der weiteren Entwicklung der Sandspiel-Therapie kamen aus östlichen Philosophien bzw. spirituellen Traditionen wie Taoismus und Buddhismus, für die Dora Kalff sich zunehmend öffnete.

Der Erziehungswissenschaftler und Esoterikkritiker Prof. Reinhard Franzke schreibt zu solchen Psychotechniken, die das „Unbewusste“ ansprechen:

„Wie können vernünftige Menschen Teilen der Seele übermenschliche Eigenschaften zusprechen, einen eigenen Willen, Absichten, Weisheit und Vernunft? Wie kann man glauben, in den Tiefen der menschlichen Seele gäbe es eine Art verschlossenen Keller, in dem eine intelligente, allwissende, allmächtige und weise Person eingesperrt
ist und die nur im Zustand der Trance befreit und kontaktiert werden kann? Wie kann man postulieren, das „Unbewusste“ oder „Unterbewusstsein“ wüsste alles (besser), könne Wunder bewirken, die Lebensumstände und den Gesundheitszustand beeinflussen und verändern?“

Beurteilung aus christlich-biblischer Sicht

Was ist nun das Problematische an solchen psychotherapeutischen Methoden aus der Sicht des Wortes Gottes? Der christliche Autor (Was hilft wirklich?) und Diplom-Psychologe Roland Antholzer nennt das Grundproblem der Psychotherapie beim Namen:

Psychotherapie hat ihren Ursprung im Menschen insofern, als ihr menschliche Konzepte zugrunde liegen, Menschenbilder, in denen für Gott kein Raum ist. Sie wendet entsprechend auch menschliche Methoden an, Methoden nämlich, die von Menschen ausgedacht wurden, die Gott nicht kannten; Methoden, die sie nach eigenem Gutdünken und Ermessen einsetzten. Dabei zielt Psychotherapie darauf ab, dass der Mensch in seiner Autonomie vor Gott und Menschen gestärkt wird. Da ein Gottglaube letztlich als „Lebenskrücke“ angesehen wird, soll der Mensch lernen, auch ohne diese „Krücke“ auszukommen und sein Selbst zu verwirklichen. Psychotherapie ist anthropozentrisch.“

Der Mensch steht also im Mittelpunkt, nicht Gott. Antholzer veranschaulicht dies in einem übersichtlichen Schema:

Schema nach R. Antholzer: Was hilft wirklich? – Biblische Seelsorge contra Psychotherapie, S.106

Der Rückgriff auf fremdreligiöse Praktiken (wie hier des Buddhismus und Taoismus) entfernt beide, nämlich Therapeut und Klient, noch weiter von Gott und damit von seiner Hilfe.

Ebenso wird das Problem der Schuld, die den hilfesuchenden Menschen bei einer nicht bestehenden Beziehung zu Jesus Christus von Gott trennt, nicht angegangen, sondern im besten Fall rein zwischenmenschlich gesehen und entsprechend behandelt. Gott als personales Gegenüber, dem gegenüber der Mensch moralisch verantwortlich ist, wird ausgeklammert. Häufig wird der Klient in seiner Sünde noch bestätigt, wie z.B. in Bezug auf außereheliche oder gleichgeschlechtliche Beziehungen bzw. eine esoterische Betätigung.

Literatur- und Quellenverzeichnis

Wikipedia: Sandspieltherapie

Wikipedia: Margaret Lowenfeld

SGSST:  Was ist Sandspieltherapie? – Mit Darlegung der psychologischen bzw. philosophischen Einflüsse

Franzke, Prof. Dr. R.: Unbewusstes/Unterbewusstsein (im Web Archive)

Jung, C.G.: Das Seelenproblem des modernen Menschen (GW, Olten, Freiburg 1928)

Roland Antholzer, Thomas Schirrmacher: Was hilft wirklich?
Biblische Seelsorge contra Psychotherapie
Taschenbuch, 272 S., Schwengeler 2001 Download (pdf)

Wie so oft ist eine säkulare Ideologie wie die Psychotherapie längst wieder am Verblassen, während sie auf christlicher Seite gerade ihren Höhepunkt erlebt. Christliche Psychologen oder zahlreiche Buchautoren im evangelikalen Bereich beginnen ihr Anerkennungsfest für die Psychotherapie auf einem sinkenden Schiff. Dabei verkennt man völlig die beste Alternative: eine fundierte, biblische Seelsorge.

Els Nannen

C. G. Jung: Der getriebene Visionär

Nicht nur die Tiefenpsychologie und die Psychoanalyse, auch die Theologie und – seit neuester Zeit – die New-Age-Bewegung wurden nachhaltig von C.G. Jung beeinflusst. Aus seinen rein subjektiven Erlebnissen und Erfahrungen leitete er allgemeingültige Verhaltensnormen ab und entwickelte seine »Therapien«. Es wird aber offenbar, dass Jungs Psychologie eine Heilslehre und seine Psychotherapie ein Heilsweg ist. Manche versuchen, Gottes Wort damit zu erklären oder zu ergänzen, anderen geht es vor allem um »eine Reise nach innen« in Jung’schem Sinn. Doch für Jung lag das Heil in der »Kollektivseele«, die ihm »Dämon« oder »Gott« bedeutete, was für ihn Synonyme waren.


Eingestellt am 7. August 2015 – Letzte Überarbeitung am 10. April 2024