Werde munter, mein Gemüte (EG 475)

(1) [1] Werde munter, mein Gemüte,
und ihr Sinne, geht herfür,
daß ihr preiset Gottes Güte,
die er hat getan an mir,
da er mich den ganzen Tag
vor so mancher schweren Plag,
vor Betrübnis, Schand und Schaden
treu behütet hat in Gnaden.

(2) [2] Lob und Dank sei dir gesungen,
Vater der Barmherzigkeit,
daß mir ist mein Werk gelungen,
daß du mich vor allem Leid
und vor Sünden mancher Art
so getreulich hast bewahrt,
auch die Feind hinweggetrieben,
daß ich unbeschädigt blieben.

(-) [3] Keine Klugheit kann ausrechnen
deine Güt und Wundertat,
ja, kein Redner kann aussprechen,
was dein Hand erwiesen hat.
Deiner Wohltat ist zu viel,
sie hat weder Maß noch Ziel:
ja, du hast mich so geführet,
daß kein Unfall mich berühret.

(3) [4] Dieser Tag ist nun vergangen
und die trübe Nacht bricht an;
es ist hin der Sonnen Prangen,
so uns all’ erfreuen kann.
Stehe mir, o Vater, bei
daß dein Glanz stets vor mir sei,
mich umgebe und beschütze,
ob ich gleich im Finstern sitze.

(4) [5] Herr, verzeihe mir aus Gnaden
alle Sünd und Missetat,
die mein armes Herz beladen
und mich gar vergiftet hat.
Hilf mir, da des Satans Spiel
mich zur Hölle stürzen will.
Du allein kannst mich erretten,
lösen von der Sünde Ketten.

(5) [6] Bin ich gleich von dir gewichen,
stell ich mich doch wieder ein;
hat uns doch dein Sohn verglichen
durch sein’ Angst und Todespein.
Ich verleugne nicht die Schuld;
aber deine Gnad und Huld
ist viel größer als die Sünde,
die ich stets in mir befinde.

(-) [7] O du Licht der frommen Seelen,
o du Glanz der Ewigkeit,
dir will ich mich ganz befehlen
diese Nacht und allezeit.
Bleibe doch, mein Gott, bei mir,
da es nunmehr dunkel schier,
da ich mich so sehr betrübe,
tröste mich mit deiner Liebe.

(-) [8] Schütze mich vor ‘s Teufels Netzen,
vor der Macht der Finsternis,
die mir manche Nacht zusetzen
und erzeigen viel Verdrieß.
Laß mich dich, o wahres Licht,
nimmermehr verlieren nicht;
wenn ich dich nur hab im Herzen,
fühl ich nicht der Seele Schmerzen.

(-) [9] Wenn mein Augen schon sich schließen
und ermüdet schlafe ein,
muß mein Herz dennoch beflissen
und auf dich gerichtet sein.
Meiner Seelen mit Begier,
träume stets, o Gott, von dir,
daß ich fest an dir bekleibe,
und auch schlafend dein verbleibe.

6) [10] Laß mich diese Nacht empfinden
eine sanft’ und süße Ruh,
alles Übel laß verschwinden,
decke mich mit Segen zu.
Leib und Seele, Mut und Blut,
Weib und Kinder, Hab und Gut,
Freunde, Feind und Hausgenossen
sei’n in deinen Schutz geschlossen.

(7) [11] Ach bewahre mich vor Schrecken,
schütze mich vor Überfall,
laß mich Krankheit nicht aufwecken,
treibe weg des Krieges Schall,
wende Feu´r und Wassersnot,
Pestilenz und schnellen Tod,
laß mich nicht in Sünden sterben
noch an Leib und Seel verderben.

(8) [12] O du großer Gott, erhöre,
was dein Kind gebeten hat;
Jesu, den ich herzlich ehre,
bleibe ja mein Schutz und Rat;
und mein Hort, du werter Geist,
der du Freund und Tröster heißt,
höre doch mein sehnlich Flehen.
Amen, ja, das soll geschehen.

Liedtext: 1642, Johann Rist (1607-1667)
Melodie: 1642, Johann Schop (1600-1665), Böhmische Brüder 1661 “Wohl mir, daß ich Jesum habe”

Strophen mit [ ]: Diese Liedfassung folgt dem Lied
Nr. 612 (Evangelisch-Lutherisches Gesangbuch von Wisconsin und
anderen Staaten, publ. Georg Brumder, Milwaukee/Wisconsin, 1872).
Strophen mit ( ): Liedfassung des EG 475

Verweise:

Notenblatt, 4stimmig, mit Text, aus: Gesangbuch mit Noten, herausgegeben von der Allgemeinen Conferenz der Mennoniten von Nord-Amerika. Christliche Central-Buchhandlung, Berne, Ind., 1890 (Franz. Volksweise, externer Link zu Hymnary.org)

Notenblatt, 4stimmig, ohne Text (J. Schop, externer Link zu Hymnary.org)

Audiofile der Melodie (midi, J. Schop, externer Link zu Hymnary.org)