Jakob Vetter (1872-1918)

Jakob Vetter (* 23. November 1872 in Worms; † 13. Dezember 1918 in Riehen) war ein deutscher Erweckungsprediger und Begründer der Deutschen Zeltmission.

Leben und Wirken

Nach einer schweren Kindheit erlernte Jakob Vetter den Beruf eines Schneiders. In dieser Zeit wurde er von Gott angesprochen und geistlich erweckt. Durch das Lesen von Predigten des württembergischen Pfarrers Ludwig Hofacker (1798-1828) kam es zu einer weiteren Vertiefung dieses geistlichen Lebens. Er fühlte sich zum Predigtdienst berufen, sodaß er für vier Jahre in St. Chrischona bei Basel eine Predigerausbildung absolvierte. Nach eigenem Zeugnis wurde er wesentlich durch Carl Heinrich Rappard, Otto Stockmayer, Hudson Taylor und Samuel Zeller beeinflußt.

An Rappard und Zeller erinnert sich Jakob Vetter folgendermaßen:

„Von Tül­lingen aus besuchte ich die Versammlungen in Lör­rach. Dort sah und hörte ich Inspektor Rappard , der später mein Lehrer wurde. Die erste Versammlung, in der ich ihn hörte, ist mir unvergeßlich; denn er sprach als einer, der Vollmacht hatte. Der erste Ein­druck war überwältigend. Da stand der große, ehr­würdige Mann, jeder Zoll ein König. Der Saal war voll Menschen. Es war kurz vor Weihnachten. Der Text, den Rappard behandelte, hieß: ,Freuet euch in dem Herrn allewege! Und abermals sage ich: Freuet euch!’ (Phil. 4, 4). Er redete von der Freude, die wir als Christen in besonderer Weise an Weihnachten haben sollten. Christus ist gekommen, Christus kommt wieder! Auf Weihnachten soll sich alles freuen, die Großen und die Kleinen. Ihr Eltern, verderbt euren Kindern die Freude nicht, wenn sie kein gutes Zeug­nis aus der Schule bringen! Er sprach mächtig. Seine Stimme war oft laut wie der Donner, dann wieder zart wie der milde Südwestwind. Das war eine Pre­digt und eine Beredsamkeit, wie ich sie nie gehört hatte. Von jener Stunde an liebte ich den ehrwürdigen Patriarchen. Zuerst staunte ich über seine Beredsam­keit, später über seine Leutseligkeit als Inspektor und Lehrer und in den letzten Jahren seines Lebens über seine Demut und Liebe als Freund. Im Jahre 1892 war in Basel eine Evangelisation von Samuel Zeller aus Männedorf. Da hatte ich auch zweimal Gelegenheit, diesen Mann Gottes zu hören. Seine Art war eine ganz andere als die Rap­pards. Seine Rede war auch voll Geist und Leben, dazu recht volkstümlich, manchmal derb. Er sprach von der Torheit des Kreuzes (1. Kor. 1, 18) und das andre Mal von Josephs Versuchung. Seine Rede war wie ein breiter Strom, immer wuchtig und packend, voll bibli­scher Beleuchtungen und Geschichten. Von ihm lernte ich die Bibel mit der Bibel auslegen, immer und im­mer nur die Bibel predigen, und zwar das Alte und das Neue Testament; denn diese zwei gehören zusam­men, und das soll der Mensch nicht scheiden.”

Jakob Vetter zog sich bereits in dieser Zeit eine Lungentuberkulose zu. Durch Elias Schrenk (1831-1913) wurde er zum Evangelisten berufen.

Vetters Evangelisationsdienst in der hessischen Wetterau wurde nur durch zwei Reisen nach Großbritannien unterbrochen. 1899 unternahm Vetter eine Reise nach London, wo er vom Wirken des Predigers Charles Haddon Spurgeon (1834-1892) und des Gründers der Heilsarmee, General William Booth beeindruckt wurde. Nachdem Vetter 1905 aus Wales wieder zurückgekehrt war, erlebte er – zusammen mit Martin Girkon und Ernst Modersohn – die Mülheimer Erweckung mit.

Vetters Ideen einer Zeltmission nahmen nach längeren Diskussionen mit Otto Stockmayer Formen an, und 1902 wurde daraufhin die Deutsche Zeltmission gegründet; deren Zentrum entstand im Erholungsheim Patmos bei Geisweid (Kreis Siegen). Am 28. September 1906 heiratete er Maria Baumann aus Riehen in der Schweiz, als Schüler deren Vaters er sich in Sachen der heiligen Schrift ansah.

Jakob Vetter starb 1918 im Alter von nur 46 Jahren. Sein Grab auf dem Riehener Friedhof besteht bis heute.

Werke

Vetter gab insgesamt etwa 50 Bücher und Schriften heraus.

  • Das Heilige Blut. Deutsche Zeltmission 1915
  • Gottes Fußspuren in der Zeltmission. Deutsche Zeltmission 1907
  • Freie Gnade in Christo, Evangelisationsreden, P. Ott, Gotha 1903
  • Sieges-Lieder für die Versammlungen der Deutschen Zelt-Mission. 1. Auflage 1905, 18. Auflage 1936
  • Warum ich die Lehre von der Wiederbringung aller Dinge ablehne. 1917
  • Höchstes Glück auf Erden – Gemeinschaft mit Gott und der Weg zu ihr. 2. Aufl. Verlag Linea, Bad Wildbad 2007, ISBN 978-3-939075-21-9

Literatur

  • Burkard KrugVetter, Jakob. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 12, Bautz, Herzberg 1997, ISBN 3-88309-068-9, Sp. 1294–1295 [Archivfassung / externer Link zu Web Archive]
  • Wolfgang Putschky: Seine Gnade reicht aus. Aus dem Leben Jakob Vetters. Johannis, Lahr/Schwarzwald 2002, ISBN 3-501-01429-5
  • Paulus Scharpff: Geschichte der Evangelisation. 300 Jahre Evangelisation in Deutschland. Brunnen-Verlag, Giessen 1964
  • Marie Vetter: Evangelist Jakob Vetter. Ein Lebensbild. Verlag der Deutschen Zeltmission, Geisweid 1922

Quelle: Wikipedia (DE)