Wie Gott mich führt, so will ich gehn (Württ. Gesangbuch 1912 #333)

1) Wie Gott mich führt, so will ich gehn,
ohn‘ alles Eigenwählen;
geschieht, was er mir ausersehn,
wird’s mir an keinem fehlen.
Wie er mich führt, so geh‘ ich mit,
und folge willig Schritt für Schritt
in kindlichem Vertrauen.

2) Wie Gott mich führt, so bin ich still
und folge seinem Leiten:
Obgleich im Fleisch der Eigenwill‘
will öfters widerstreiten.
Wie Gott mich führt, bin ich bereit
in Zeit und auch in Ewigkeit,
stets seinen Schluß zu ehren.

3) Wie Gott mich führt, bin ich vergnügt,
ich ruh‘ in seinen Händen.
Wie er es schickt und mit mir fügt,
wie er’s will kehr’n und wenden,
sei ihm hiermit ganz heimgestellt;
er mach’s, wie es ihm wohlgefällt,
zum Leben oder Sterben.

4) Wie Gott mich führt, so geb‘ ich mich
in seinen Vaterwillen;
Scheint’s der Vernunft gleich wunderlich:
sein Rat wird doch erfüllen,
was er in Liebe hat bedacht,
eh‘ er mich an das Licht gebracht;
ich bin ja nicht mein eigen.

5) Wie Gott mich führt, so bleib‘ ich treu
im Glauben, Hoffen, Leiden.
Steht er mit seiner Kraft mir bei,
was will mich von ihm scheiden?
Ich fasse in Geduld mich fest;
was Gott mir widerfahren läßt,
muß mir zum Besten dienen.

6) Wie Gott mich führt, so will ich gehn,
es geh‘ durch‘ Dorn und Hecken.
Von vornen läßt sich Gott nicht sehn,
doch einst wird er’s aufdecken,
wie er nach seinem Vaterrat
mich treu und wohl geführet hat;
dies sei mein Glaubensanker.

Liedtext: Lampertus Gedicke (1683-1736)
Melodie: Martin Luther 1529/1535; Choralbuch 51 (167) Es ist gewißlich an der Zeit

Lambert Gedicke (auch: Gedike; geb. am 6. Januar 1683 in Gardelegen; † am 21. Februar 1736 in Berlin) war ein deutscher evangelischer Theologe und Kirchenlieddichter.

Gardelegen, Rathaus
Bild: Björn Gäde,  CC-BY-SA 3.0, Wikim. Commons

Gedike stammte aus der Altmark und war der Sohn des Superintendenten Christian Gedike von Gardelegen (Provinz Sachsen, heute Sachsen-Anhalt). Nach dem Studium bei August Hermann Francke in Halle (Saale) wurde Lambert Gedicke zunächst Lehrer am Franckeschen Waisenhaus, später Feldprediger und 1717 preußischer Feldpropst in Berlin. Als solcher war er zugleich Inspektor sämtlicher preußischer Garnisons- und Feldprediger. Er war verehelicht mit Anna Barbara Ohm von Januschowsky; ihre Enkel, der preußische Schulreformer Friedrich Gedike und der Direktor der Bürgerschule in Leipzig, Ludwig Gedike, waren bekannte preußische Pädagogen.

Aus seiner Feder stammt unter anderem das hier wiedergegebene Kirchenlied „Wie Gott mich führt, so will ich gehn“ (EKG 302). Bekanntheit erlangte er ferner als Bearbeiter des ersten preußischen Militär-Gesangbuches.

Schriftstellen

Tue mir kund den Weg, darauf ich gehen soll; denn mich verlangt nach dir.
(Psalm 143, 8)

Wir wissen aber, daß denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, denen, die nach dem Vorsatz berufen sind. (Römer 8, 28)

Denn unser keiner lebt sich selber, und keiner stirbt sich selber. Leben wir, so leben wir dem HERRN; sterben wir, so sterben wir dem HERRN. Darum, wir leben oder sterben, so sind wir des HERRN. (Römer 14, 7.8)

Denn ich hoffe auf den HERRN, der sein Antlitz verborgen hat vor dem Hause Jakob; ich aber harre sein. (Jesaja 8, 17)

Fürwahr, du bist ein verborgener Gott, du Gott Israels, der Heiland.
(Jesaja 45, 15)

Wenn denn nun meine Herrlichkeit vorübergeht, will ich dich in der Felskluft lassen stehen und meine Hand ob dir halten, bis ich vorübergehe.
 (2. Mose 33, 22)

Quellen, Weblinks und Verweise

Lied Nr. 918, in: Geistlicher Liederschatz, 1842.

Seite „Lambert Gedike“ in der deutschsprachigen Wikipedia

Liedeintrag bei Hymnary.org

Notensatz, 4st., ohne Liedtext (LUTHERS HYMN, pdf, externer Link zu Hymnary.org)

Audiofile der Melodie (LUTHERS HYMN, midi, mp3, externer Link zu Hymnary.org)

Liedeintrag bei Christ My Song

Notensatz, 4st., mit Liedtext (Gedike/Rüegg, pdf, externer Link zu Christ My Song)