Ringe recht, wenn Gottes Gnade

Christliches Leben. Heiligung.

1) Ringe recht, wenn Gottes Gnade
dich nun ziehet und bekehrt,
daß dein Geist sich recht entlade
von der Last, die ihn beschwert.

2) Ringe, denn die Pfort ist enge,
und der Lebensweg ist schmal;
hier bleibet Alles im Gedränge,
was nicht zielt zum Himmelssaal.

3) Kämpfe bis aufs Blut und Leben,
dring hinein in Gottes Reich:
will der Satan widerstreben,
werde weder matt noch weich.

4) Ringe, daß dein Eifer glühe,
und die erste Liebe dich
von der ganzen Welt abziehe;
halbe Liebe hält nicht Stich.

5) Ringe mit Gebet und Schreien,
halte damit feurig an:
laß dich keine Zeit gereuen,
wär’s auch Tag und Nacht getan.

6) Hast du denn die Perl’ errungen,
denke ja nicht, daß du nun
alles Böse hast bezwungen,
das uns Schaden pflegt zu tun.

7) Nimm mit Furcht ja deiner Seele,
deines Heils mit Zittern wahr:
hier in dieser Leibeshöhle
schwebst du täglich in Gefahr.

8) Halt ja deine Krone feste;
halte männlich, was du hast.
Recht beharren ist das Beste;
Rückfall ist ein böser Gast.

9) Laß dein Auge ja nicht gaffen
nach der schnöden Eitelkeit;
bleibe Tag und Nacht in Waffen,
fliehe Träg- und Sicherheit,

10) Laß dem Fleische nicht den Willen,
gib der Lust den Zügel nicht:
willst du die Begierden füllen;
so verlischt das Gnadenlicht.

11) Fleisches Freiheit macht die Seele
kalt und sicher, frech und stolz;
nimmt hinweg des Glaubens Oele,
läßt nichts als ein faules Holz.

12) Wahre Treu’ führt mit der Sünde
bis ins Grab beständig Krieg,
richtet sich nach keinem Winde,
sucht in jedem Kampf den Sieg.

13) Wahre Treu’ liebt Christi Wege,
steht beherzt auf ihrer Hut,
weiß von keiner Wollustpflege,
hält sich selber nichts zu gut.

14) Wahre Treu’ hat viel zu weinen,
spricht zum Lachen: du bist toll!
weil es, wenn Gott wird erscheinen,
lauter Heulen werden soll.

15) Wahre Treu’ kömmt dem Getümmel
dieser Welt niemals zu nah;
ist ihr Schatz doch in dem Himmel:
d’rum ist auch ihr Herz allda.

16) Dies bedenket wohl, ihr Streiter!
streitet recht, und fürchtet euch:
geht doch alle Tage weiter,
bis ihr kommt ins Himmelreich.

17) Denkt bei jedem Augenblicke,
ob’s vielleicht der letzte sei;
bringt die Lampen ins Geschicke,
holt stets neues Oel herbei.

18) Liegt nicht alle Welt im Bösen?
Steht nicht Sodom in der Glut?
Seele, wer soll dich erlösen?
Eilen, eilen ist hier gut.

19) Eile, wo du dich erretten
und nicht mit verderben will’t;
mach dich los von allen Ketten,
fleuch als ein gejagtes Wild.

20) Lauf der Welt doch aus den Händen;
dring ins stille Zoar ein,
Eile, daß du mögst vollenden:
mache dich von allem rein.

21) Laß dir nichts am Herzen kleben,
fleuch vor dem verborg’nen Bann,
Such in Gott geheim zu leben,
daß dich nichts beflecken kann.

22) Eile, zähle Tag und Stunden,
bis dein Bräut’gam kommt und winkt
und, wenn du nun überwunden,
dich zum Schauen Gottes bringt.

23) Eile, lauf ihm doch entgegen,
sprich: mein Licht, ich bin bereit,
nun mein Hüttlein abzulegen;
Mich dürst’t nach der Ewigkeit.

Liedtext: Johann Joseph Winckler (1670-1722)
Musik: Ludwig van Beethoven
Andere Melodie: Nettleton, Wyeth’s Repository of Sacred Music, Part Second, 1813

Ringet darnach, daß ihr durch die enge Pforte eingehet; denn viele werden, das sage ich euch, darnach trachten, wie sie hineinkommen, und werden’s nicht tun können. (Lukas 13, 24)

Verweise:

Notenblatt, 4stimmig (Ludwig van Beethoven, externer Link zu Hymnary.org)

Notenblatt, 4stimmig (Nettleton, externer Link zu Hymnary.org)

Audiofile (Nettleton, externer Link zu Hymnary.org)

Diese Liedfassung folgt der Nr. 416: Evangelisch-Lutherisches Gesangbuch von Wisconsin und anderen Staaten, erschienen bei Georg Brumder, Milwaukee/Wisconsin, 1872.