Markus 16, 19 (Ahlfeld/Münkel/Rappard)

Nachdem denn der Herr zu ihnen geredet, ward er aufgenommen in den Himmel und setzte sich zur Rechten Gottes. (Markus 16, 19)

Wunderbar der Anfang, wunderbar das Ende. Ein Strom, welcher mit großer Kraft von den Alpen herniederkommt und sich durch noch so viele Felsen Bahnen bricht, kann zuletzt doch noch im Sande versiegen. Aber was aus Gott geboren ist, versiegt nicht im Sande, am wenigsten der von Ewigkeit her aus ihm geborene Sohn, den der Vater durch Kräfte und Wunder so herrlich bezeuget hatte bis zu seiner Auferstehung. Christus war auferstanden von den Toten. Vierzig Tage lang war er seinen Jüngern erschienen. Er hatte sie überzeuget von seiner Auferstehung, sie wieder gesammelt, in ihren Ämtern bestätigt und zuletzt die heilige Taufe eingesetzt. Sterben konnte er nicht wieder. Er war einmal um unserer Sünde willen gestorben. An ihm selbst hatte der Tod kein Recht und keinen Teil.

Wer wollte den töten, der den Tod selbst überwunden hatte? Hier bleiben konnte er auch nicht. Die Kirche, die Gemeinde sollte im Glauben gebaut werden. Wäre der Herr hier geblieben, so wäre es kein Glaube. Fertig war Jesus mit seiner Arbeit, das Werk des heiligen Geistes sollte anfangen. Die Gemeinde sollte nicht mehr an die sichtbare Person gebunden sein. Der heilige Geist sollte nun seine Arbeit beginnen. Durch ihn sollte das Wort ausgetragen werden über die ganze Erde. Ihn wollte Christus senden, ihm wollte er hienieden auch Raum machen.

Herr Jesus Christus, erfülle heute unsere Herzen mit der rechten Freude und dem rechten Jubel der Kinder Gottes. Senke uns recht hinein in die brüderliche Gemeinschaft und Einheit mit dir. Du, unser Bruder, unser Heiland, kehrest zurück in die Herrlichkeit, die du vor der Welt her hattest. Du nimmst unsere verklärte Menschheit mit hinauf in die Herrlichkeit. Heute gibt dir dein Vater den Lohn deiner Demut, Liebe, Treue, und deiner Schmerzen. Für die Krippe zu Bethlehem gibt er dir den Ehrenthron zu seiner Rechten, für das Kreuz auf Golgatha den Stuhl des Regiments immer und ewiglich, und für die Dornenkrone die Ehrenkrone. Herr, deine Jünger, deine Glieder freuen sich mit dir in deinem Siege und deiner Herrlichkeit.

Amen.

(Friedrich Ahlfeld)

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Es läßt sich denken, daß die himmlischen Geister den Herrn Jesum mit Freuden aufgenommen haben. Wär‘ es aber nicht besser oder nötiger, daß er bei uns geblieben wäre? Ist das ein Gewinn für uns, wenn wir ihn verlieren, wo wir seiner am meisten bedürfen, bei dem schweren Werke, das wir treiben, in der harten Anfechtung, die wir leiden, unter so vielen Widersachern, gegen die nicht einmal Zeichen und Wunder helfen? Wir müßten wider unser eigen Herz reden, wenn wir nicht bekennen wollten, daß wir ohne ihn verwaist sind, wie eine Herde, die keinen Hirten hat. Wie viel besser wär‘ es uns, wenn er uns noch selber in Person lehrte, führte und stärkte! Das leugnet kein Christ, daß uns viel fehlt, so lange wir ihn nicht bei uns haben. Doch das ist des Herrn weise und liebevolle Ordnung, daß wir erst zu unserer Läuterung ein Leben im dunklen Glauben führen sollen, ehe wir zum seligen Anschauen gelangen. Das müssen wir nicht ändern wollen, weil er es so zu unserm Heil geordnet hat. Nur glaube niemand, daß uns darum etwas fehlt, was zum Kampfe wider die Welt oder zum Heile unserer Seele nötig ist.

Christus sitzt zur Rechten Gottes. Hast du dir auch die richtige Vorstellung davon gemacht? Die Rechte Gottes ist seine göttliche unendliche Macht, welche reicht, soweit die Welt geht. Wo die Rechte Gottes nicht ist, da kann kein Grashalm wachsen, kein Mensch atmen, kein Stern scheinen, kein Engel Gott loben. Denn die Rechte Gottes erhält alles, ist in allem, und gibt allem Leben und Wesen. Sitzt denn Christus zur Rechten Gottes, so sitzt er mitten in seiner Macht, die mit den Enden der Welt noch kein Ende findet. Christus ist als Mensch aufgefahren sichtbar und thront sichtbar im Himmel über allen Kreaturen. Aber eben darum ist er uns sichtbar nahe in der Macht Gottes; er ist uns näher als das Kleid an unserm Leibe; er wohnt in uns, er waltet um uns, er wirkt und regiert durch uns. Er geht mit uns in die Gefängnisse, er verläßt uns nicht in der Tiefe, er steht uns bei, wenn die Hölle ihren Rachen weit auftut. Deine beseligende Erkenntnis! Seh‘ ich ihn nicht, so hab‘ ich ihn doch; ich brauche keine Wege zu machen, um zu ihm zu kommen.

So laßt uns laufen durch Geduld in dem Kampfe, der uns verordnet ist!  Wir haben Christum noch, dem alle Gewalt gegeben ist im Himmel und auf Erden. Was hat es denn mit uns für Not? Das Reich, das einen solchen König hat, steht auf einem Grunde, der nicht wankt, und wer auf demselben Grunde steht, der wird wohl bleiben. Wenn Christum seine Macht und Herrlichkeit hinaufgerückt hat über alle Himmel, wo er selbst den Engeln und vollendeten Gerechten zu hoch und unbegreiflich ist, so bringt ihn uns seine Liebe und sein herzliches Erbarmen wiederum so nahe, als wenn zu seinen vornehmsten Reichsgeschäften und zu den Hauptwerken seiner göttlichen Macht die mancherlei kleinen Angelegenheiten unseres Herzens gehörten, unserer Schwachheit aufzuhelfen und unsern Weg zu ebnen, unsern Kummer zu stillen. Denn über alle Herrlichkeit, Macht und Gewalt des Himmels gehen ihm die teuren Seelen, um die er gearbeitet und die er mit seinem Blute erkauft hat. Ihre Namen stehen alle in seinem Herzen geschrieben, und sein Auge ruhet ohne Unterlaß auf ihnen. Heil uns, daß wir solch einen Heiland haben!

(Kornelius Münkel)

Quelle: Andachten Markus 16, 19 in der Glaubensstimme

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Er sitzet zur rechten Hand Gottes.

Versenken wir unseren Geist in diesen erhabenen Begriff. Zur rechten Hand Gottes haben wir unseren hochgelobten Heiland zu suchen. Dort thront Er in Herrlichkeit und Macht. Von dort schaut Er hernieder auf die Seinen, und dorthin blicken sie, wenn sie Kraft und Trost und Hilfe suchen. An mehreren Stellen kommt dieser majestätische Ausdruck vor. Schon David singt: Der Herr sprach zu meinem Herrn: Setze dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde zum Schemel deiner Füße lege (Ps. 110, 1). Markus erzählt in seinem knappen, markigen Stil: Der Herr ward aufgehoben gen Himmel und sitzet zur rechten Hand Gottes (Kap. 16, 19). Dorthin blickte Stephanus in seiner Todesnot und rief: Siehe, ich sehe den Himmel offen und des Menschen Sohn Rechten Gottes stehen (Apostelg. 7, 55). In den Episteln, besonders im Hebräerbrief, kommt der Ausdruck vor in Verbindung mit der Herrlichkeit des ewigen Hohenpriesters. Ja, Jesus selbst, in der Stunde, da er ausgeliefert wurde in der Menschen Hände und, gebunden und verhöhnt, vor dem hohen Rate seines Volkes stand, sprach: Ihr werdet sehen des Menschen Sohn sitzen zur Rechten der Kraft (Matth. 26, 64).

Meine Seele freut sich hoch der Majestät meines königlichen Herrn und beugt sich in Anbetung zu Seinen Füßen.

Er, der in Todesnächten
Die Hölle überwand,
Der Held zu Gottes Rechten,
Er hat mich Freund genannt.

(Dora Rappard)

Quelle:

Andacht: CLV Andachten (Archiv)  –  Markus-Evangelium  –  Markus 16, 19


Übersicht: Markus-Evangelium  ─  Markus 16

Diese Schriftstelle ist der Tagesvers zum 14. Mai 2026

Eingestellt am 14. Mai 2026