Herr, deine Rechte und Gebot‘ (Denicke, Württ. Gesangbuch 1864)

Wort Gottes. Vom christlichen Leben und Wandel.

Mel.:Es ist gewißlich an der Zeit

1) Herr, deine Rechte und Gebot‘,
Danach wir sollen leben,
Wollst du mir, o getreuer Gott,
Ins Herze selber geben,
Daß ich zum Guten willig sey,
Mit Sorgfalt und ohn‘ Heuchelei,
Was du befiehlst, vollbringe,

2) Gib, daß ich dir allein vertrau‘;
Allein dich ehr‘ und liebe,
Auf Menschenhülf‘ und -Trost nicht bau‘,
In deiner Furcht mich übe;
Daß großer Leute Gnad‘ und Gunst,
Gewalt, Macht, Reichtum, Witz und Kunst,
Mir nicht zum Abgott werde.

3) Hilf, daß ich deinen Gnadenbund
Aus deinem Wort erkenne,
Auch nicht vergeblich mit dem Mund,
Herr, deinen Namen nenne;
Daß ich bedenke Tag und Stund‘,
Wie stark mich meiner Taufe Bund
Zu deinem Dienst verbinde.

4) Laß mich am Tage deiner Ruh‘
Mit Andacht vor dich treten,
Die Zeit auch heilig bringen zu
Mit Danken und mit Beten;
Daß ich hab‘ meine Lust an dir,
Dein Wort gern höre und dafür
Herzinniglich dich preise.

5) Die Eltern, Lehrer, Obrigkeit,
So vorgesetzt mir werden,
Laß mich ja ehren allezeit,
Daß mir’s wohl geh‘ auf Erden;
Für ihre Sorg‘ und Treu‘ laß mich,
Auch wenn sie werden wunderlich,
Gehorsam seyn und dankbar.

6) Hilf, daß ich nimmer eig’ne Rach‘
Aus Zorn und Feindschaft übe;
Dem, der mir anthut Kreuz und Schmach
Verzeihe, und ihn liebe;
Sein Glück und Wohlfahrt jedem gönn‘,
Auch schau, ob ich ihm dienen könn‘,
Und thu es dann mit Freuden.

7) Unreine Werk‘ der Finsterniß
Laß mich mein Lebtag meiden,
Daß ich für böse Lust nicht müss‘
Der Hölle Qual dort leiden;
Schaff in mir, Gott, ein reines Herz
Daß ich schandbare Wort‘ und Scherz,
Nebst andern Sünden, fliehe.

8) Gib, Herr, daß ich mich redlich nähr‘,
Und böser Ränke schäme;
Mein Herz von Geiz und Unrecht kehr‘
Und fremes Gut nicht nehme;
Und von der Arbeit meiner Händ‘,
Was übrig ist, auf Arme wend‘,
Und nicht auf Pracht und Hoffart.

9) Hilf, daß ich meines Nächsten Glimpf
Zu retten mich befleiße,
Von ihm abwende Schmach und Schimpf;
Doch Böses nicht gut heiße.
Gib, daß ich lieb‘ Aufrichtigkeit,
Und Abscheu habe jederzeit
An Lästerung und Lügen.

10) Laß mich des Nächsten Haus und Gut
Nich wünschen noch begehren:
Was aber mir vonnöthen thut,
Das wollst du mir gewähren;
Doch, daß es niemand schädlich sey,
Ich auch ein ruhig Herz dabei,
Und deine Gnad‘ behalte.

11) Ach Herr, ich wollte deine Recht‘,
Und deinen heil’gen Willen,
Wie mir gebührt als deinem Knecht,
Ohn‘ Mangel gern erfüllen;
Doch fühl ich wohl, was mir gebricht,
Und wie ich das geringste nicht
Vermag aus eig’nen Kräften.

12) Drum gib du mir von deinem Thron,
Gott Vater, Gnad‘ und Stärke;
Verleih mir, Jesu, Gottes Sohn,
Daß ich thu rechte Werke;
O heilger Geist, hilf, daß ich dich
Von ganzem Herzen, und als mich,
Ohn‘ Falsch den Nächsten liebe.

Liedtext: David Denicke (1603-1680)
Melodie: 1529, Martin Luther (1483-1546) Es ist gewißlich an der Zeit“, „Nun freut euch, lieben Christen g’mein

Quelle:

Lied Nr. 229, in: Gesangbuch für die Evangelische Kirche in Württemberg, Stuttgart 1864, S. 150f.. Verlags-Comptoir des neuen evangelischen Gesangbuchs.

Der Liederdichter David Denicke, am 30. Januar 1603 geboren in Zittau/Sachsen, war Hof- und Konsistorialrat in Hannover. Mit Justus Gesenius gab er im Jahr 1659 das alte Hannoverische Gesangbuch heraus, das die ersten Veränderungen älterer Lieder enthält.

Weblinks und Verweise

Liedeintrag bei Hymnary.org

Melodieseite (LUTHERS HYMN) mit Notensatz, 4stimmig (PDF) und Audiofiles (midi, mp3), externe Links zu Hymnary.org

Choralmelodieseite Nun freut euch, lieben Christen g’mein bei Bach Cantatas Website (im Web Archive)


Eingestellt am 20. Dezember 2025