Jesus antwortete: Mein Reich ist nicht von dieser Welt. Wäre mein Reich von dieser Welt, meine Diener würden darum kämpfen, daß ich den Juden nicht überantwortet würde; aber nun ist mein Reich nicht von hier.
(Johannes 18, 36.37)
Das sind königliche Worte, mitten aus der Leidensgeschichte heraus. Unser Heiland heißt nicht umsonst schon in Jes. 9, 6 der Wunderbare; er ist ein wunderbarer König: herrlich vor seinen Gläubigen, unverstanden und verachtet vor der Welt. Er steht da, als der Verspottete, Verspieene, Geschlagene und Gelästerte; ist er ein König, so kann sein Reich nicht von dieser Welt sein. Könige dieser Welt stehen und fallen mit äußerem Glanz und äußerer Macht; ihr Thron, und Reich geht zu Grunde, sobald sie der Verachtung anheim fallen und Gewalt der Waffen sie nicht mehr hält. Eben darum sind die Reiche dieser Welt vergänglich; ihre Grundlagen sind keine ewigen, sie stammen aus der Eitelkeit. Christus ist der König der Wahrheit, und sein Reich das Reich der Wahrheit. Darum behält er auch in aller Schmach, sei es vor dem Hohenpriester, oder vor Pilatus oder Herodes seine königliche Würde und Majestät. Seine Krone ist nicht von Volkes Gnaden, der ewige Gott hat sie ihm gegeben. Seine Dynastie ist keine zeitliche, er ist der König der Ewigkeit.
Speichel, Schläge, Spott und Hohn können seine Herrlichkeit nicht schmälern, sie besteht in der Wahrheit, gegenüber der Lüge und dem Schein. Die Welt lebt von der Lüge und dem Schein, seit der Mensch dem Satan geglaubt hat. Was sie erobert und zusammenhält, tut sie mit Gewalt; was unser König Christus erobert, erobert er durch das Wort der Wahrheit; Anwendung äußerer Gewalt ist seinem Reiche fremd. Ein solches Königtum versteht Pilatus und Herodes nicht; dem Ersteren erscheint es als Eigensinn, dem Letzteren als Narrheit. So ist es heute noch. Lassen wir uns nicht irre machen. Christi Jünger verschmähen die Art und die Mittel der Weltreiche; sie wollen nicht äußerlich herrschen und glänzen; sie stützen sich nicht auf die Gunst der Mächtigen dieser Erde, noch auf den Beifall der Menge; ihre Macht und Herrlichkeit ist die Wahrheit. Von dieser zeugen sie, wie der Meister es getan, und folgen ihm nach durch die Schmach in der Gewißheit: Die Reiche der Welt müssen unsers Herrn und seines Christus werden. Offb. 11, 15.
Ja, Herr! Du bist mir herrlich. Du bist der Schönste unter den Menschenkindern, auch inmitten der Schmach. Deine Stimme will ich hören und Dir folgen.
Amen.

Quelle:
Andacht zum 24. März, in: Suchet in der Schrift. Tägliche Betrachtungen für das ganze Jahr mit Anhang. Von E. Schrenk. 18. bis 24. Tausend. Kassel. Druck und Verlag von Ernst Röttger, 1892. [Seite 84; Digitalisat]
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Diese Schriftstelle ist der Tagesvers zum 7. Februar 2026