Mein Schöpfer, deine Creatur (Rambach)

Von Gottes Wesen: Von der Allmacht Gottes.

Mel.: „Preis, Lob, Ehr‘, Ruhm, Dank“

1. Mein Schöpfer, deine Creatur
Will deiner Allmacht Ruhm besingen,
Ach zeige mir die wahre Spur
Bei solchen ungewohnten Dingen.
Gieb mir ein Herz, das seine Ohnmacht fühlt,
Wenn es ein Lied von deiner Allmacht spielt.

2. Es reichet deine Macht so weit,
Als selbst dein großes Wesen reichet.
Nichts ist, das deiner Herrlichkeit
Und deinen hohen Thaten gleichet.
Es ist kein Ding so wichtig, groß und schwer,
Das deiner Hand zu thun unmöglich wär.

3. Es muß auf dein allmächtig Wort
Sich alles unterthänigst bücken.
Du führest deinen Anschlag fort,
Du sprichst, so muß sich alles schicken.
Du rufst, so kommt, du winkst, so stehet da,
Was man vorhin mit keinem Auge sah.

4. Du hast dies große Wunderrund
Mit deiner Allmacht aufgeführet.
Es machet Erd und Himmel kund,
Daß sie ein starker Arm regieret.
Dein machtig Wort, das sie geschaffen hat,
Ist ihnen auch an aller Pfeiler Statt.

5. Zwar pflegst du nicht im Gnadenreich
Nach unumschränkter Macht zu handeln.
Da gehet Alles recht und gleich,
Ein jeder kann in Freiheit wandeln.
Du offnest da das Tod- und Lebensthor,
Legst Wohl und Weh der freien Seele vor.

6. Doch wenn sie so verständig ist
Und nach dem guten Theil sich neiget
Wenn sie der citeln Welt vergißt
Und unter deine Zucht sich beuget
So lösest du des Satans festes Band
Und machst sie frei durch eine starke Hand.

7. Die Größe deiner Wundermacht
Dadurch du deinen Sohn erwecket
Den man erstarrt ins Grab gebracht
Wird auch an einer Seel entdecket
In welcher nun des Glaubens blödes Licht
Durch Dampf und Nacht und schwarze Schatten bricht

8. O Allmacht! deinen großen Ruhm
Kann kein so enges Blatt beschließen,
Der Himmel ist dein Eigenthum,
Die Erd ein Schemel deinen Füßen.
Die Creatur erstarrt vor deiner Hand,
Denn deine Macht ist ihr nicht unbekannt.

9. Du hast die Ordnung zwar gesetzt,
Nach welcher die Natur muß wirken,
Doch hast du selbst sie oft verletzt
Und läßt dich nicht von ihr umzirken.
Die große Zahl so vieler Wunder zeugt,
Daß deine Macht weit über Alles steigt.

10. Doch wartet unser Glaube noch,
Zu sehn die Krone deiner Werke,
Wenn du des Todes eisern Joch
Zerschmettern wirst durch deine Stärke,
Und die befrein von seiner kalten Hand,
Die er jetzt hält mit schwerer Fesseln Band.

11. Was für ein Wunder deiner Macht
Wird das entzückte Auge schauen,
Wenn du nach jener langen Nacht
Wirst Körper aus dem Staube bauen,
Wenn deine Hand der dürren Knochen Rest
Mit Fleisch und Haut und Glanz bekleiden läßt.

12. O Allmacht, mein erstaunter Geist
Wirft sich vor dir in Staub darnieder.
Ich bin erstarrt und übereist,
Ich schleppe träg‘ und todte Glieder.
Ach, mache mich zum Zeugen deiner Kraft,
Die aus dem Tod ein neues Leben schafft.

13. Ach, zünd‘ in mir den Glauben an,
Der sich um deine Stärke schlinget,
Der auch allmächtig werden kann,
Wenn er in dich begierig dringet.
Senkst du in mich dies Pfand des Himmels ein,
So wird auch mir kein Ding unmöglich sein.

14. So soll denn mein erstorbner Leib
Mich nicht mehr schwach und schüchtern machen;
Wenn ich mit dir vereinigt bleib,
So kann ich aller Ohnmacht lachen.
Dein Wort gilt mehr, als was der Zweifel sagt,
Auf deine Macht sei, Herr, der Kampf gewagt.

Liedtext: Johann Jakob Rambach (1693-1735)

Quelle:

Lied Nr. 10, in: D. Joh. Jac. Rambach’s geistliche Lieder. Vollständig gesammelt und nebst einem Abriß seines Lebens unverändert herausgegeben von Dr. phil. Julius Leopold Pasig, Nachmittagsprediger an der Universitätskirche zu Leipzig und Mitglied der historisch=theologischen Gesellschaft daselbst. Leipzig, Verlag von Gebhardt und Reisland, 1844. [Digitalisat]

Weblinks und Verweise

Lied Nr. 182, in: Gesangbuch für Gemeinden des Evangelisch-Lutherischen Bekenntnisses. Herausgegeben von der allgemeinen Ev.-luth. Synode von Ohio u. a. St. Druck von Schulze und Gaßmann, Columbus/Ohio, 1870 [Digitalisat, jeweils externe Links zu Hymnary.org]


Eingestellt am 10. Januar 2025