Heilsordnung. Glaube und Rechtfertigung.
Mel.: „O Gott, du frommer Gott“
1) Versuchet euch doch selbst,
Ob ihr im Glauben stehet?
Ob Christus in euch ist?
Ob ihr ihm auch nachgehet?
In Demuth und Geduld,
In Sanftmuth, Freundlichkeit,
In Lieb‘ dem Nächsten stets
Zu dienen seyd bereit?
2) Der Glaube ist ein Licht,
Im Herzen tief verborgen,
Bricht als ein Glanz hervor,
Scheint als der helle Morgen,
Erweiset seine Kraft,
Macht Christo gleichgesinnt,
Erneuert Herz und Muth,
Macht dich zu Gottes Kind.
3) Er schöpft aus Christo Heil,
Gerechtigkeit und Leben,
Und will’s in Einfalt auch
Dem Nächsten wiedergeben.
Dieweil er überreich
In Christo worden ist,
Preis er die Gnade hoch,
Bekennet Jesum Christ.
4) Er hofft in Zuversicht
Was Gott im Wort zusaget;
Drum muß der Zweifel fort,
Die Schwermuth wird verjaget.
Sieh, wie der Glaube bringt
Die Hoffnung an den Tag,
Hält Sturm und Wetter aus,
Besteht in Ungemach!
5) Wir waren Gottes Feind‘:
Er gibt vom Himmelsthrone,
Sein eingebor’nes Kind,
Er liebt uns in dem Sohne,
Setzt Liebe gegen Haß;
Wer gläubig dieß erkannt,
Entbrennt in Liebe bald,
Die allen Haß verbannt.
6) Wie uns nun Gott gethan,
Thun wir dem Nächsten eben:
Droht er uns mit dem Tod,
Wir zeigen ihm das Leben;
Flucht er, so segnen wir;
In Schande, Spott und Hohn
Ist unser bester Trost
Des Himmels Ehrenkron‘.
7) Setzt Gott uns auf die Prob‘,
Ein schweres Kreuz zu tragen, ─
Der Glaube bringt Geduld,
Erleichtert alle Plagen;
Statt Murren, Ungeduld,
Wird das Gebet erweckt,
Weil aller Angst und Noth
Von Gott ein Ziel gesteckt.
8) Man lernet nur dadurch
Sein Elend recht verstehen,
Wie auch des Höchsten Güt‘,
Hält an mit Bitten, Flehen,
Verzaget an sich selbst
Erkennet sich als nichts,
Sucht bloß in Christo Kraft,
Der Quelle alles Lichts.
9) Hält sich an sein Verdienst,
Erlanget Geist und Stärke,
In solcher Zuversicht
Zu üben gute Werke;
Steht ab vom Eigensinn,
Flieht die Vermessenheit,
Hält sich in Gottesfurcht
In Glück und schwerer Zeit.
10) So prüfe dich denn wohl,
Ob Christus in dir lebet?
Denn Christi Leben ist’s,
Wonach der Glaube strebet;
Er machet erst gerecht,
Dann heilig, wirket Lust
Zu allem guten Werk; ─
Sieh, ob du auch so thust?
11) O Herr! so mehre doch
In mir den wahren Glauben,
So kann mir keine Macht
Die guten Werke rauben;
Wo Licht ist, geht der Schein
Freiwillig davon aus.
Du bist mein Gott und Herr,
Bewahr mich und mein Haus!
Liedtext: nach Joachim Justus Breithaupt (1658-1732)
Melodie: 1679, Ahasverus Fritsch (1629-1701)
Andere Melodie: 1710, Johann Georg Christian Störl (1675-1719)
Quelle:
Lied Nr. 326, in: Gesangbuch für die Evangelische Kirche in Württemberg, Stuttgart 1864, S. 210f. Verlags-Comptoir des neuen evangelischen Gesangbuchs.
Weblinks und Verweise
Lied Nr. 37: Gesangbuch für die evangelische Kirche in Württemberg, Schmuckausgabe 1912, S. 52 (mit 1stimm. Notensätzen, Erste Weise Meiningen 1693/Zweite Weise bei A. Fritsch 1679; Verlagskontor des evangelischen Gesangbuchs, Stuttgart): „O Gott, du frommer Gott“
Notensatz, 4stimmig (pdf, J. Störl, externer Link zu Hymnary.org)
midi
Notensatz, 4stimmig (pdf, A. Fritsch, externer Link zu Hymnary.org) ![]()

