Liedvortrag: Pastor Detlef Korsen
Melodie: 15. Jahrhundert, Böhmische Brüder 1544.
Trost.
1) Auf den Nebel folgt die Sonn,
auf das Trauern Freud und Wonn;
auf die schwere, bitt’re Pein
stellt sich Trost und Labsal ein.
Meine Seele, die zuvor
sank bis zu dem Höllentor,
steigt nun bis zum Himmelschor.
2) Der, vor dem die Welt erschrickt,
hat mir meinen Geist erquickt;
seine hohe, starke Hand
reißt mich aus der Hölle Band.
Alle seine Lieb und Güt
überschwemmt mir mein Gemüt
und erfrischt mir mein Geblüt.
3) Hab ich vormals Angst gefühlt,
hat der Gram mein Herz zerwühlt,
hat der Kummer mich beschwert,
hat der Satan mich betört:
ei, so bin ich nunmehr frei;
Heil und Rettung, Schutz und Treu
steht mir wieder treulich bei!
4) Gott läßt keinen traurig stehn
noch mit Schimpf zurückegehn,
der sich ihm zu eigen schenkt
und ihn in sein Herze senkt.
Wer auf Gott die Hoffnung setzt,
findet endlich und zuletzt,
was ihm Leib und Seel ergötzt.
5) Kommt’s nicht heute, wie man will,
sei man nur ein wenig still;
ist doch morgen auch ein Tag,
da die Wohlfahrt kommen mag.
Gottes Zeit hält ihren Schritt;
wann die kommt, kommt unsre Bitt‘
und die Freude reichlich mit.
6) Ach wie oftmals dacht‘ ich doch,
da mir noch der Trübsal Joch
auf dem Haupt und Halse saß
und das Leid mein Herze fraß:
Nun ist keine Hoffnung mehr,
auch kein Ruhen, bis ich kehr‘
in das schwarze Totenmeer.
7) Aber mein Gott wandt‘ es bald,
heilt‘ und hielt mich dergestalt,
daß ich, was sein Arm getan,
nimmermehr g’nug preisen kann.
Da ich weder hier noch da
einen Weg zur Rettung sah,
hatt‘ ich seine Hilfe nah.
8) Als ich furchtsam und verzagt
mich selbst und mein Herz geplagt,
als ich manche liebe Nacht
mich mit Wachen krank gemacht,
als mir aller Mut entfiel,
trat’st du, mein Gott, selbst ins Spiel,
gabst dem Unfall Maß und Ziel.
9) Nun, solang ich in der Welt
haben werde Haus und Zelt,
soll mir dieser Wunderschein
stets vor meinen Augen sein;
ich will all mein Leben lang
meinem Gott mit Lobgesang
hie’für bringen Lob und Dank.
10) Allen Jammer, allen Schmerz,
den des ew’gen Vaters Herz
mir schon jetzo zugezählt
oder künftig auserwählt,
will ich hier in diesem Lauf
meines Lebens allzuhauf
frisch und freudig nehmen auf.
11) Ich will geh’n in Angst und Not,
ich will geh’n bis in den Tod,
ich will geh’n ins Grab hinein
und doch allzeit fröhlich sein.
Wem der Stärkste will beisteh’n,
wen der Höchste will erhöh’n,
kann nicht ganz zugrunde geh’n.
Liedtext: Paul Gerhardt (1607-1676)
Melodie: Vorreformatorisch; Nürnberg 1544,
bei Johann Horn, Choralbuch der Böhmischen Brüder.
Zweite Weise: 1876, Friedrich Mergner (1818-1891);
Andere Melodie: Friedrich Layriz (1808-1858), In Natali Domini.
Quelle:
Lied Nr. 350, in: Gesangbuch für die evangelische Kirche in Württemberg, Schmuckausgabe, S. 371-373 (Verlagskontor des evangelischen Gesangbuchs, Stuttgart 1912), mit den 1stimm. Notensätzen von J. Horn/Erste Weise, Choralbuch 13 (147) und von Fr. Mergner/Zweite Weise, Choralbuch 14 (148).
Weblinks und Verweise
Seiten „Johann Horn“ und „Friedrich Mergner“ in der deutschsprachigen Wikipedia
Liedeintrag bei Christ My Song, mit Audiodatei midi und 4stimm. Notensatz im PDF-Format (2019, Johannes Thomas Rüegg)
Melodieseite (In Natali Domini/IMMORTALITY, Friedrich Layriz; externer Link zu Hymnary.org), mit 4stimm. Notensatz im PDF-Format und Audiofile im midi-Format
Lied Nr. 496, in: Evangelisches Gesangbuch für die Provinz Pommern, Stettin 1918, S. 231f. (Hrsg.: Pommersche Provinzial-Synode, neun Strophen enthaltend)
Lied Nr. 2, in: Deutsches Liederbuch: Sammlung von Chorälen und Liedern für Schule und Haus. Bearbeitet von Pastor Julius Hofmann. Herausgegeben von der Sonntags=Schule der Zions=Gemeinde, Baltimore/Maryland, 1895. [Digitalisat, mit 4stimmigem Notensatz im JPEG-Format, Gesangbuch der Böhm. Brüder 1544, sieben Strophen enthaltend; jeweils externe Links zu Hymnary.org]
Lied Nr. 566, in: Deutsches Kirchenliederbuch oder die Lehre vom Kirchengesang.
Praktische Abtheilung. Ein Beitrag zur Förderung der wissenschaftlichen und kirchlichen Pflege des Kirchenliedes so wie der häuslichen Erbauung. Von J. P. Lange, Dr. und ordentlichem Professor der Theologie an der Universität zu Zürich.
Zürich, Verlag von Meyer und Zeller, 1843. [Digitalisat bei Hathi Trust]
Lied Nr. 437, in: Evangelisches Gesangbuch. Nach Zustimmung der Provinzialsynode vom Jahre 1884 zur Einführung in der Provinz Brandenburg mit Genehmigung des Evangelischen Oberkirchenrats. Königliches Konsistorium, Berlin 1911 (Seite 305f., neun Strophen enthaltend; jeweils externe Links zu Hymnary.org)