Offenbarung 12

Wer Verstand hat der zähle die Zahl der Bestie; denn es ist die Zahl eines Menschen, und seine Zahl ist 666.

Die ziemlich verbreitete LA ἐστάθη in c. 12, 18 (s. oben S. 445 A 20), neben welcher Hort (1881) I, 522; II, 138 die gut genug bezeugte LA ἐστάθην nicht einmal einer Erwähnung wert fand, wäre eine sonderbare Einleitung der c. 13, 1 (καὶ εἶδον) beginnenden und ununterbrochen bis 13, 10 fortlaufenden Beschreibung eines neuen visionären Erlebnisses des Jo[hannes].  Denn in dieser ganzen Scene werden zwar verschiedene Handlungen des Drachen erwähnt, wie die Übertragung seiner Herrschergewalt auf das aus dem Meere emporsteigende andere Tier, die Verähnlichung desselben mit dem geschlachteten Lamm Christus, welches von einer tödlichen Wunde getroffen wird, die nicht hindert daß es wieder lebendig wird (v. 2 ff. 11 ff.).  Aber schlechterdings nichts wird erwähnt, was den Drachen hätte veranlassen können, an den Strand des Meeres sich zu stellen, um es zu sehen oder überhaupt etwas von ihm zu erfahren, da er ja selbst dies alles geplant und ins Werk gesetzt hat oder setzen wird.  Um so nötiger war es für Jo; denn bei aller Anknüpfung an die Weissagung des Buches Daniel und an die darauf aufgebaute Weissagung Jesu und die gemeinapostolische Weissagung vom Antichrist erfuhr er in ekstatischem Zustand und durch ihn die Christenheit bei Lesung der Ap. sehr viel Neues und Wichtiges. Zugleich aber brachte Jo dadurch zu anschaulicher Darstellung, durch welche Mittel und auf welchem Wege Satan seinen dritten und letzten Kriegsplan gegen die Gemeinde der Heiligen (c. 12, 17) zur Ausführung bringen werde. Bis dahin war geschildert, was Satan in eigener Person verübt; von c. 12, 18 13, 18 wird geschildert, daß und wie er sich menschlicher Werkzeuge zur Erreichung seiner Zwecke bedienen wird, um humaner zu erscheinen und dadurch alles, was Mensch heißt, um so leichter zu betrügen. Das ἐστάθην ἐπὶ τὴν ἄμμον τῆς θαλάσσης 12, 18 ist nicht anders zu verstehen wie das c. 8, 3 von einem Engel gesagte ἦλθεν καὶ ἐστάθη ἐπὶ τὸ θυσιαστήριον (ν. l. τοῦ θυσιαστηρίου).

Während Jo bis dahin den am Himmel und auf der Erde und zwischen Himmel und Erde seinem Auge sich darbietenden Gegenständen und Vorgängen zugewendet gestanden hat, erblickt er nun zum ersten Mal ein Stück Meer und tritt an den Strand desselben heran 27). Unter dem Sand des Meeres ist selbstverständlich nicht der mehr oder weniger tief unter dem Wasserspiegel des Meeres liegende Sand zu verstehen, welchen ein Taucher oder ein Ertrinkender erreichen mag, sondern der sandige Strand, auf welchem stehend oder auf- und abgehend der Städter oder Landbewohner den Ausblick…


Eingestellt am 4. März 2026