…das Evangelium Gottes, 2 welches er zuvor verheißen hat durch seine Propheten in der heiligen Schrift, 3 von seinem Sohn, der geboren ist von dem Samen Davids nach dem Fleisch (Römer 1, 3)
V. 3. Diejenigen , welche den zweiten Vers in Parenthese geschlossen, haben auch περί an V. 1. anschließen zu müssen geglaubt. Wir verbinden es mit προεπηγγείλατο (Theod., Rück., Meyer.). Noch allgemeiner, als die Parenthesirung von V. 2. ist die von τοῦ γενομένου – νεκρῶν gewesen (Griesb., Knap , Vater u. A.), aber hier eben so wenig zu rechtfertigen, als bei V. 2., denn auch hier dient der ausführende Zusatz zur steigernden Entwickelung des Begriffs von υἱὸς. Die neueren Ausleger streiten, ob υἱὸς θεοῦ als Amtsname zu fassen und durch Messias zu übersetzen, oder ob es als Wesensbezeichnung anzusehen sei *). Es frägt sich, wie entstand die alttestamentliche Bezeichnung des Messias als Gottessohn? Es konnte in diese Benennung mehr oder weniger Inhalt gelegt werden. Es läßt sich nachweisen , daß schon in den Propheten der Messias als ein höheres Wesen aufgefaßt wurde, Jes. 9, 6. Mal. 3, 1. Mich. 5, 1 .; eben so auch bei jüdischen Theologen, vgl. Bertholdt, Christol. Jud. p. 131., Schmidt, Bibl. für Krit. und Exeg. Th. 1. S. 38., Justin. Mart., Dial. c. Tryphone S. 226. 336. ed . Col.
Da nun nachweislich die Apostel und insbesondere Paulus von Christo die Wesenseinheit mit Gott gelehrt, so ist es durchaus unwahrscheinlich , daß sie die Benennung Gottessohn nur als Amtsnamen gebraucht haben sollten. Der volle Inhalt, der in der Benennung «Gottessohn» liegt, wird ihnen beim Gebrauch des Wortes nicht allezeit gleich gegenwärtig gewesen seyn, weshalb auch Paulus hier das einfache περὶ τοῦ υἱοῦ αὑτοῦ weiter entfaltet, aber implicite waren sie sich gewiß immer eines umfangreichen Gehalts des Terminus bewußt; Heydenreich, Zeitschr. f. Predigerwissenschaft, B. 1. H. 1. S. 27. sagt: «Im Glauben, Jesus sei der Christ, lag zugleich der mit eingeschlossen, in Christo sei erschienen und noch immer eins mit ihm das höhere Wesen, welches Johannes den λόγος
nennt.»
Quelle:
Tholuck, Dr. August: Kommentar zum Briefe Pauli an die Römer.
Neue Ausarbeitung, Bei Eduard Anton, Halle 1842. [S. 49f; Digitalisat]
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