Jesaja 28, 2+3 (Kroeker)

Siehe, ein Starker und Mächtiger vom HERRN wie ein Hagelsturm, wie ein schädliches Wetter, wie ein Wassersturm, der mächtig einreißt, wirft sie zu Boden mit Gewalt, daß die prächtige Krone der Trunkenen von Ephraim mit Füßen zertreten wird. (Jesaja 28, 2+3)

Diesen Gerichtsdienst wird Assur an der sittlich so welken Blüte, wie Ephraim es trotz seines äußeren Glanzes war, vollziehen.

Daß es zu dieser allgemeinen Volksberauschung des stark gewordenen Nordreichs kam, daran waren nicht nur Samarías Könige und Fürsten schuld:

„Priester und Propheten schwindeln im Met, sind verwirrt vom Wein, schwanken vom Met, schwindeln im Gesicht, wanken im Schiedsspruch“ (V. 7).

Wahrlich eins der schärfsten Urteile, das je über die geistliche Führung eines Volkes ergangen ist! Teilen die Diener des Kultus und die Vermittler der göttlichen Offenbarung, Priester und Propheten erst den Rausch und den Geist ihres Volkes und Staates, dann haben sie ihre höhere Sendung und ihre prophetische Mission verloren. Anstatt durch ihren Priesterdienst am Altar und durch ihre Schau von der Prophetenwarte aus dem Volke ewig neu die Entscheidung zwischen Leben und Todvorzulegen, fehlt ihnen jede  höhere Orientierung, bejahen sie, was zum Tode führt.

Ihre Inspirationen fließen nicht aus dem Heiligtum, darum führt ihr Weissagen das Volk nicht ins Heiligtum. Das Volk hört in ihnen sich, aber nicht Gott. Gottes Urteil schweigt, weil kein Ohr da ist, das es vernimmt, und kein Mund sich findet, der in der Vollmacht der Offenbarung zu reden vermag.

Quelle:

Das lebendige Wort. Eine Einführung in die göttlichen Gedankengänge und Lebensprinzipien des Alten Testaments in 15 Bänden.
Band 5: Jesaja – Teil 1 (Jesaja 1-39) Immanuel und die Völker. Von Jakob Kroeker (Überarb.: Hans Brandenburg) [S. 181; Digitalisat als pdf-, epub- oder Word-Datei, bei Sermon Online]



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Eingestellt am 30. Januar 2026