Der Most verschwindet, der Weinstock verschmachtet; und alle, die von Herzen fröhlich waren, seufzen. (Jesaja 24, 7)
In der höchsten Not wendet er sich zum Gebet. Wer in der Versuchung seine Zuflucht zu Gott nehmen kann, daß er in der Betrübnis nicht verzweifle, sondern einen Seufzer abschickt und betet, der hat überwunden.
Das Ächzen und Stöhnen des Herzens verursacht aber oft so peinliche Qualen, daß es einem Winseln und Girren gleichkommt. Dieser Zustand verursacht aber große Qualen, daß man oftmals kein Wort mehr reden kann, wie wir an den Sterbenden sehen; es kommen nur noch dumpfe Seufzer hervor. Wenn wir da auch manchmal meinen, Gott habe uns verlassen, so hört er dennoch unser seufzendes Gebet, denn obwohl alle unsere Sinne vom Schmerz überwältigt sind, und vor Traurigkeit unsere Kehle verschlossen ist, so sieht Gott doch in unsere Herzen hinein, und erhört unsere Seufzer. Ja sie vermögen sogar mehr, als ausdrückliche, deutliche Worte, wofern der Geist dabei ist, der uns vertritt mit unaussprechlichen Seufzern.
Quellenangaben:
Aus: Heim’s u. Hoffmann’s Erkl. der großen Propheten,
wiedergegeben in: Glaubensstimme – Die Archive der Väter: Andachten Jesaja 24
Wilhelm Hoffmann, Fr. Jakob Ph. Heim: Die großen Propheten Jesaja, Jeremia, Hesekiel, Daniel, erbaulich ausgelegt aus den Schriften der Reformatoren. Zum Besten der Anstalt für verlassene und taubstumme Kinder zu Winnenden im Königreich Württemberg herausgegeben von Stadtpfarrer Heim und Diaconus W. Hoffmann daselbst. Winnenden 1839, im Selbstverlage der Anstalt. Für den Buchhandel in Commission bei S. G. Liesching in Stuttgart. [S. 181f; online lesen bei BSB/MDZ]
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