1. Mos. 1, V. 26 und 27:
Und Gott sprach: Lasset uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei, die da herrschen über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel, und über das Vieh und über die ganze Erde, und über alles Gewürm, das auf Erden kriecht. Und Gott schuf den Menschen Ihm zum Bilde, zum Bilde Gottes schuf Er ihn!
Das ist die anerschaffene königliche Herrlichkeit des Menschen! Herrschen sollte er über alle Kreatur. Der allmächtige und allbeherrschende Gott hat den Menschen bekleidet mit Seiner eignen Macht, hat ihn neben sich auf den Thron Seiner Herrlichkeit gesetzt! Welch‘ eine Selbstentäußerung! das ist so, als wenn ein großer König seinen erstgeborenen Sohn zum Mit-Regenten einsetzt. Aber noch mehr: Sein eigen Bild hat Gott dem Menschen anerschaffen! So wie er dasteht: das Haupt aufgerichtet, das Auge sonnenhaft, dem Himmel zugewandt, das Ohr geöffnet für das Wunderreich der Töne, das Herz, eine klare Tiefe voll edler Perlen, der Geist, aufwärts fliegend wie ein Adler! so ist er das Bild Gottes, seines Schöpfers! ─ Aber was ist aus all‘ dieser ursprünglichen Herrlichkeit geworden? ─ Die Creatur beherrscht den Menschen, denn er hat sich ihr verkauft durch die Sünde! ─ das Bild Gottes ist verzerrt, entartet, verderbet! ─ Ach, wenn’s nicht Advent geworden auf Erden, dann wär’s uns besser, daß wir nie geboren wären! Aber „Gott sei Dank in aller Welt“, hier ist ein Menschensohn, ein zweiter Adam, ein Weibes=Same, der hat es Alles wiedergebracht! Er herrscht, und wir sollen mit Ihm herrschen, denn unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat! Er ist der Abglanz der Herrlichkeit Gottes, das Ebenbild Seines Wesens, und Er lebt in uns und wir in Ihm: Christus verkläret in uns! So ist Gottes Bild wieder hergestellt! ─ und es ist noch nicht erschienen, was wir sein werden! Das ist Adventsfreude! Gelobt sei Gott! ─
Mel. „Wie soll ich dich empfangen“ etc.
| Dein König auserlesen Und schön von Angesicht, Des Höchsten Bild und Wesen, Der Glanz von Gottes Licht. Des Vaters Wohlgefallen, Des großen Gottes Sohn Erwählet dich vor Allen Zu Seiner Freud und Kron‘. |
Mein König kommt! willkommen! Ach welche Freud‘ und Lust! Ich hab‘ Ihn aufgenommen, Er labet meine Brust. Er tränket mich mit Weine, Er küsset meinen Mund, Er tröstet die Gebeine, Nun ist mein Herz gesund. |
Quelle:
Abend=Segen aus Gottes Wort zur täglichen Erbauung der Häuser und Herzen. Von N. Fries, Hauptpastor in Heiligenstedten (für alle Tage des ganzen Kirchenjahres). Itzehoe. Verlag von Ad. Nusser, 1887. [Seite 5: Advent. (Erste Woche.) Dienstag. Digitalisat]
Liedverse: „Erhebe dich, mein Herze“
Lied Nr. 4, aus: Vollständiges Schleswigsches Gesangbuch, 1758 [Digitalisat]