Nikolaus Decius (um 1485 – nach 1546)

f) Sonstige Anhänger und Freunde Luthers.

Decius, Nikolaus.  Er war anfangs Mönch, später Probst des Klosters Steterburg in Wolfenbüttel. Gleich beim Beginn der Reformation trat er zur evangelischen Lehre über, verließ sein Kloster und wurde nach seinem Uebertritt zum Lutherthum Schulkollege an der St. Catharinen= und Aegidienschule zu Braunschweig, in welcher der braunschweigische Reformator Gottschalk Kruse oder Crusius schon im J. 1521 Eingang gefunden hatte. Hier erregte er durch die seither unerhörte Aufführung vielstimmiger Musikstücke zur Verschönerung des protestantischen Gottesdienstes großes Aufsehen. Er war ein Meister in der Musik und besonders im Harfenspiel, und setzte seine Lieder, welche von Anfang der Reformation an ein Gemeingut der evangelischen Kirche wurden, selbst in Musik. Im Jahr 1524 kam er als Prediger an die St. Catharinenkirche nach Stettin, wo er nach kurzem, aber segensvollem Wirken für die reine Lehre des Worts im J. 1529 starb. Man sagt, er sey aus Haß von den Katholischen vergiftet worden.

Seine Lieder sind:

Allein Gott in der Höh sey Ehr  ─  W.[ürtt.] G.[esangbuch 1864], Nr. 36
„Heilig ist Gott der Vater“
„Lamm Gottes, unschuldig“  ─  W.[ürtt.] G.[esangbuch 1864], Nr. 160

(Quellen: Rethmeyers braunschw. Kirchenhistorie. Thl. III. S. 19.)

Quelle:

Geschichte des Kirchenlieds und Kirchengesangs der christlichen, insbesondere der deutschen evangelischen Kirche. Von Eduard Emil Koch, Pfarrer in Heilbronn. Erster Haupttheil: Die Dichter und Sänger. Erster Band. Zweite, verbesserte und durchaus vermehrte Auflage. Stuttgart. Druck und Verlag der Chr. Belser’schen Buchhandlung. 1852. [S. 111f; Digitalisat]

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in Pommern:

Decius, *) Nicolaus, oder richtiger Nicolaus von Hof  (Nicolaus a Curia), ein Mönch aus der Stadt Hof im Voigtland gebürtig („vom Hoffe“), kam um’s J. 1519, als der Herzog Heinrich der Jüngere von Braunschweig geschafft hatte, daß seine Schwester Elisabeth Vorsteherin des freiadelichen Stifts Steterburg wurde, als deren Beistand an dieses Stift mit der Würde eines Probsts, verließ aber dann nach dem Monat Juli 1522 diese Stelle, weil er Luthers Lehre zugefallen war, und begab sich nach Braunschweig, wo ihn der gerade damals seit 1521 im Egidienkloster das lautere Evangelium predigende, mit Luther persönlich befreundete Reformator Braunschweigs, der Mönch Gottschalk Cruse oder Crusius anzog. Er wurde daselbst Schulkollege oder Lehrer an der Catharinen= und Egidienschule.

Hier soll er auch als ein Meister in der Musik zur Ausschmückung des evang. Gottesdienstes, den Crusius anrichtete, vielstimmige Musikstücke aufgeführt haben, die großes Aufsehen erregten und Viele zu diesem Gottesdienst herbeizogen.

Um Ostern 1523 aber kam er, „ein nicht geringer Mann in der Lehre und Frömmigkeit“, vielleicht auf Empfehlung der Elisabeth, einer Schwester des Herzogs von Pommern, nach Stettin, der Hauptstadt Pommerns, wo er dann bald in Verbindung mit dem kaum zuvor dahin berufenen Paulus von Rhode (Paulus a Rhoda) „mit großem Beifall und Ansehen des gemeinen Mannes“ das Evangelium zu predigen anfieng gerade zu der Zeit, als der Herzog Bogislav von Pommern und der Bischof von Cammin auf dem Reichstag zu Nürnberg verweilten.

„Sie trieben es auch“ heißt es in der alten Pommer’schen Chronik Kanzows „gewaltig fort, unangesehen, daß Domherrn, Mönche und Pfaffen sammt ihrem Anhang rasend dagegen getobt haben und den Herzog Bogislav gegen sie erregen wollten, daß man sie umbringen oder verjagen sollte; aber der Herzog ließ es geschehen und strengte sich nicht sonders dagegen an, denn es waren Dr. Valentin Staientin, Jac. Wobesan und andre gelehrte Leute in seinen Räthen, die dem Evangelio wohl gewogen waren und es verhinderten, daß ihnen nichts Leides geschehen müßte“.

Noch bevor der Herzog vom Reichstag zurückkehrte und dann schon 30. Sept. 1523 den Tod erlitt, hatten diese beiden evangelischen Prediger es bereits errungen, daß sie durch Verfügung des Raths die beiden Kirchen zu St. Jacob und zu St. Nicolai auf bestimmte Stunden für den evangelischen Gottesdienst neben dem der römischen Priester eingeräumt erhielten und verordnet wurde, es sollen ihnen dazu Meßgewande, Kelch, Brod und Wein gegeben, auch zu ihren Predigten die Sonntagsglocken geläutet werden. Die Kirche zu St. Jacob wurde in solcher Weise dem Paulus von Rhode und die Nicolaikirche Nicolaus von Hof, oder wie er in den Braunschweiger Urkunden gewöhnlich heißt Nicolaus Hovesch, d. i. von Hof, eingeräumt, und als die Reformation, die nun in Braunschweig ihren stetigen Fortgang nahm, so daß 1524 selbst viele Karthäusermönche aus ihrem Orden und Kloster traten, endlich völlig durchgeführt war, wurden in dem Kirchen=Visitation=Abschied von 1535 beide im Predigtamt an den genannten Kirchen förmlich bestätigt. Allein schon am 21. März 1541 starb Nicolaus als „Pastor an der St. Niclauß=Kirchen zu Stettin“ eines so schleunigen Todes, daß man Vergiftung durch die Katholischen vermuthete.

Auch in Stettin, wie in Braunschweig, war Nicolaus auf Hebung des evangelischen Gottesdienstes und Kirchengesangs bedacht; er verfaßte für seine nach Luthers Vorgang deutsch eingerichtete Messe, die er noch im priesterlichen Meßgewand hielt, drei Gesänge in niederdeutscher Sprache, die er denn auch, wie der sonst auch als ganz zuverlässig erprobte Rehmeyer behauptet, „weil er ein vortrefflicher Musicus gewesen, der auf der Harfe sehr wohl spielen können, in die noch gewönlichen anmuthigen Melodeyen gebracht“. Es sind die schönen Gesänge:

Allene Godt in der höge sey eer **)
Allein Gott in der Höh sey Ehr “  ─  das Gloria in excelsis deo, bereits im ältesten niederdeutschen G. mit der Vorrede des Jak. Speratus von 1526, dann in den geystlek. leder. Rostock. 1531.“ und im Magdeborcher G. 1534. und sofort in allen niederdeutschen G.G.

Hillich ys Godt de Vader ─ das Sanctus. Zuerst im Rostocker G. von 1531 und im Magdeborcher von 1534 und dann in allen niederdeutschen G.G.

Lamm Godtes, unschuldich
„Lamm Gottes unschuldig“ ─ das Agnus Dei. Zuerst im Rostocker G. von 1531 und im Magdeburger von 1534 und dann in allen niederdeutschen G.G.

In hochdeutscher Sprache erschien das erste und dritte mit Weglassung des zweiten, welches darum später auch mit der Alleinherrschaft der hochdeutschen Sprache aus dem Kirchengebrauche verschwand, zum erstenmal in dem durch Schumann zu Leipzig 1539 gedruckten G., und zwar, wie auch in allen spätern G.G. des 16. Jahrhunderts, anonym.

(S. 419-421)

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Nicolaus  D e c i u s  (Nicolaus von Hof, der Reformator von Stettin),  Dichter und Sänger zugleich (s. S. 419). Ihm gehört nach Rehtmeyers zuverlässiger Angabe in seiner Braunschweigischen Kirchenhistorie die Melodie *)

18. „O Lamm Gottes, unschuldig“  ─ sein eigen Lied im Rostocker G. 1531.

─ erstmals im Magdeb. G. von Lotther. 1540.

(S. 471f.)

Quelle:

Geschichte des Kirchenlieds und Kirchengesangs der christlichen, insbesondere der deutschen evangelischen Kirche. Von Eduard Emil Koch, Dekan, ordentlichem Mitglied der historisch-theologischen Gesellschaft zu Leipzig. Erster Haupttheil: Die Dichter und Sänger. Erster Band. Dritte, umgearbeitete, durchaus vermehrte Auflage. Stuttgart. Druck und Verlag der Chr. Belser’schen Buchhandlung. 1866. [Digitalisat]

siehe auch: Blogeintrag Nikolaus Decius


Eingestellt am 8. Februar 2026