Gott hat uns gezeugt nach Seinem Willen, durch das Wort der Wahrheit, daß wir wären Erstlinge Seiner Kreaturen. (Jakobus 1, 18 / LUT)
Morgen─Andacht am 5. Mai
Er hat es gewollt und hat uns geboren durch das Wort der Wahrheit, daß wir seien eine Art Erstlingsfrucht unter seinen Geschöpfen. (Jakobus 1, 18 / Textbibel)
Jakobus hatte vor diesen Worte im ersten Kapitel seines Briefs von den Anfechtungen, vom gläubigen Gebet, von der Demut als der nötigen Eigenschaft der Reichen, und von der eigenen bösen Lust als der Wurzel aller Versuchungen gehandelt, gleichwie er hernach vor dem Zorn und vor aller Unsauberkeit und Bosheit warnet, und von dem Mißbrauch und rechten Gebrauch des göttlichen Wortes, und von der Beschaffenheit des rechten Gottesdienstes ernstliche Lehren und Gebote vorträgt. Zwischen diese Lehren und Gebote hinein, die einen strengen Ernst mit sich führten, gab er dann den Brüdern, an die er schrieb, einen kurzen Wink, der sie auf die Betrachtung ihres hohen geistlichen Adels wies. Und so wurde ihnen diese Betrachtung erquicklich und heilsam, da sie hingegen ihnen schädlich geworden wäre, wenn Jakobus ohne das Salz der Gebote ganze Blätter von ihren geistlichen Vorzügen voll geschrieben hätte. Gott hat uns gezeugt, sagt er, nach Seinem Willen. Kein Verdienst auf unserer Seite, sondern nur der Liebeswille Gottes war die Ursache dieser Zeugung. Das Mittel dazu aber ist das Wort der Wahrheit, das man hören kann, wie Jakobus hernach sagt. Indem man’s aber hört, dringt die Kraft Gottes mit demselben in den Menschen ein, und so zeugt oder wiedergebiert Gott den Menschen, wenn dieser nicht widerstrebt, und sich von dem Wort der Wahrheit genugsam richten, aber auch zum Glauben an den Heiland der Welt bringen läßt.
Was sind wir aber, wenn wir so von Gott gezeugt sind? Gottes Kinder sind wir, wie ein Jeder leichtlich erkennen kann: Jakobus aber sagt hier, wir seien ein gewisser Erstling der Kreaturen Gottes. Es gibt sehr viele Kreaturen Gottes, und unter denselben sind viele sehr vortrefflich. Die allervortrefflichste unter allen aber ist die menschliche Natur, welche das ewige und wesentliche Wort, welches Gott ist, in die Einigkeit Seiner Person aufgenommen hat. Nach derselben heißt der Sohn Gottes das (sichtbare) Ebenbild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborne der ganzen Schöpfung, der Anfang und der Erstgeborne unter den Toten, die auferstehen, Kolosser 1, 15.18, der Erstgeborne unter vielen Brüdern, Römer 8, 9, wie auch der Erstling unter denen, die da schlafen und wieder auferstehen, 1. Korinther 15, 20. Bis zu dieser Würde reicht Niemand hin, er heiße Engel oder Mensch, denn die Engel müssen diesen Erstgebornen anbeten, Hebräer 1, 6, folglich auch die Menschen und alle übrigen Geschöpfe, Offenb. Joh. 5, 8-13. Übrigens sollen doch auch diejenigen, die Gott nach Seinem Willen durch das Wort der Wahrheit gezeugt hat, ein gewisser Erstling der Kreaturen Gottes sein. Niemand sei auf seine menschliche Natur stolz, denn ein Mensch kann bis unter alle Würmer, bis in die untere Hölle hinab erniedrigt, und ewiglich als ein überwundener Feind zum Schemel der Füße Jesu gelegt sein: aber ein wiedergeborener Mensch ist ein Erstling unter den Geschöpfen, und hat einen hohen Rang unter ihnen, ist vorzüglich von Gott geliebt, hochgeachtet und zu einer sehr großen und ewigen Herrlichkeit bestimmt. Man bedenke, was Paulus 1. Korinther 9, 13 von sich und den übrigen Aposteln geschrieben hat. Laßt uns also mit Christo sterben, damit wir mit Ihm leben, laßt uns dulden, damit wir mit Ihm herrschen.
Wir haben es gar nicht unserm Willen, sondern Gottes Willen, nicht unserem eigenen Vermögen, sondern allein Gottes Kraft zuzuschreiben, daß wir wiedergeboren werden können und wirklich sind.
Mel.: „Nun ruhen alle Wälder“
1. Gott selbst gebiert uns wieder,
So sind wir Christi Glieder,
Mit Christi Geist erfüllt;
Wir von Natur Verlornen
Sind nun die Neugebornen
Nach Gottes Sohnes Ebenbild.
2. Wir können uns das Leben,
Als Tote, nicht mehr geben;
Gott ist es, der es kann;
Sonst blieben ohne Zweifel
Wir eben wie der Teufel.
Gott wollte es, Gott hat’s getan.
3. Seid denn belebt, ihr Seelen,
Befeuert Zung‘ und Kehlen,
Und singt aus aller Kraft!
Gott ist es, der Getreue,
Der sich Sein Lob auf’s Neue
Im Munde Seiner Kinder schafft.
4. Ihr Werke Seiner Hände,
Begürtet nun die Lende,
Die Wahrheit sei die Gurt;
Lebt zu des Vaters Lobe;
Dies ist des Lebens Probe.
Sonst seid ihr eine Mißgeburt.
5. HErr, laß uns aus der Erden
Einst neugeboren werden,
Und herrlich aufersteh’n,
Und in dem Bild des Sohnes,
Getränkt vom Strom des Thrones,
Des Vaters Lob mit Dank erhöh’n!

Quellenangaben:
Andacht: M. Magnus Friedrich Roos, württ. Prälaten zu Anhausen Christliches Hausbuch, welches Morgen= und Abend=Andachten auf jeden Tag des ganzen Jahres nebst beigefügten (Hiller’schen) Liedern enthält.
Nebst einem Anhange von weiteren Gebeten für zwei Wochen und für einige besondere Fälle. Mit dem Lebensabriß des sel. Verfassers, eingeleitet von seinem Urenkel Repetent Fr. Roos. Mit einem Stahlstich. Stuttgart, 1860.
Druck und Verlag von J. F. Steinkopf. [Digitalisat]
Liedtext: Geistliches Liederkästlein zum Lobe Gottes, bestehend aus 732 kleinen Oden über so viel biblische Sprüche: Kindern Gottes zum Dienst aufgesetzt von M. Philipp Friedrich Hiller. 2 Theile in 1 Bande. Vermehrt mit dem Lebenslauf, sowie Bildniss des Verfassers und einem Register über sämmtliche Liederverse. Verlag von Rupp, Reutlingen 1869. [S. 126; Digitalisat]
