Das ist mir lieb, daß der HERR meine Stimme und mein Flehen hört. Denn er neigte sein Ohr zu mir; darum will ich mein Leben lang ihn anrufen.
(Psalm 116, 1+2)
Herr, allmächtiger Gott und Heiland, du Tröster aller Traurigen, du Helfer aller Kranken, wir preisen deinen herrlichen Namen, daß du uns deine Barmherzigkeit hast erfahren lassen. Wir kommen mit Danken vor dein Angesicht, daß du unsre liebe Mutter (Kind, Bruder) von ihrer Krankheit errettet und ihr Leben gnädig bewahrt und erhalten hast. Du hast unser Gebet erhört. Deine Güte ist’s, daß wir nicht gar aus sind. Deine Barmherzigkeit ist alle Morgen neu, und deine Treue ist groß (Klagel. 3, 22f); Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes getan hat (Ps. 103, 2). Gib uns deinen Geist, daß deine Güte, die wir nicht verdient haben, uns zu dir ziehe, daß wir, wie der Samariter, umkehren und uns von Herzen zu dir bekehren und dir danken mit einem neuen Leben in rechtschaffener Gerechtigkeit und Heiligkeit (Epheser 4, 24).
Bewahre uns auch ferner vor allem Argen. In deine Hände befehlen wir uns; du wirst es wohl machen, du treuer Gott.
Amen.
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Ja freilich, was kann einem betrübten Herzen lieber sein, als wenn es empfindet, daß so ein heiliger, mächtiger und gerechter Gott erhört das Gebet eines so unheiligen Menschen, eines ohnmächtigen und verlassenen armen Sünders? Ja, das ist das höchste und größte Lob Gottes, daß so ein heiliger Gott hört die Stimme eines so unreinen Menschen; so ein gerechter Gott Seine Ohren neigt zu einem armen Sünder; so ein mächtiger Gott sich wendet zur Erde und Asche. Sollte uns das nicht lieb sein? Was hat ein armer Untertan für Liebe und Freude daran, wenn ihn seine hohe Obrigkeit gerne hört? Das ist einem Geringen gleich als ein frischer Regen in dürrer Zeit, und als ein Tau, so über die verwelkten Blumen fällt (Deuteronomium 32, 2). Sollte nicht die Gnade des Höchsten mehr erfreuen? Sonderlich aber ist dies eine große unaussprechliche Freundlichkeit Gottes, daß Er 1. Seine Gegenwart an unser Gebet gebunden hat: Der HErr ist nahe allen, die Ihn anrufen etc., Ps. 145, V. 18. Ferner 2. Seine Erhörung: Jes. 65, V. 24. 3. Seine Hilfe: Psalm 50, 15. 4. Ja, das ist eine überaus große Herrlichkeit, daß wir mit Gott also reden mögen, als mit unserm eigenen Herzen. Ach, mit welchem Menschen können wir das tun? Darum ist es am besten, seines Herzens Leid Gott geklagt.
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Die Frucht fällt nicht beim ersten Schütteln. Schüttle wieder, schüttle noch einmal! Manchmal, wenn der Baum sehr schwer beladen ist und fest in der Erde steckt, mußt du ihn tüchtig hin und her schütteln; endlich stemmst du mit dem Fuß an, packst den Baum und schüttelst mit aller Kraft; du spannst alle Muskeln und Sehnen an, um endlich die Früchte zu bekommen. So mußt du auch beten. Schüttle den Lebensbaum, bis dir die Gnadenfrüchte in den Schoß fallen. Jesus hat’s gerne, wenn man kräftig betet. Bete nur recht dringlich. Deinen Mitmenschen würdest du durch solches Bitten vielleicht lästig, aber dem Herrn gefällt es. O, geht in euer Kämmerlein, ihr, die ihr den Herrn noch nicht gefunden habt, sucht ihn, solange er zu finden ist, rufet ihn an, solange er nahe ist. Der Geist Gottes treibe euch ins Gebet. Jesus muß euch hören. Die Himmelstür öffnet sich dem, der hartnäckig anklopft und sich nicht abweisen läßt. Der Herr helfe euch, so zu bitten, daß ihr endlich sagen könnt:
„Du hast meine Stimme und mein Flehen gehört, du hast dein Ohr zu mir geneigt, darum will ich mein Leben lang dich anrufen.“