Auf, auf, mein Geist, auf, auf, den Herrn zu loben (Freylinghausen, Auswahl tausend geistreicher Lieder #3)

Von Gottes Wesen, Eigenschaften und Vollkommenheiten.

Mel.: Der Herr, mein Licht, ist etc.

1) Auf, auf, mein Geist, auf, auf, den Herrn zu loben,
Auf, auf, erwecke dich und säume nicht;
Was in dir ist, werd still und sanft erhoben
Zu Gott Jehovah, unsrer Sonn‘ und Licht:
Er ist allein Lob, Ehre, Preis und Ruhm
Zu nehmen würdig stets und überall:
Erhebe ihn mit frohem Jubel=Schall,
Geh ein in sein erhabnes Heiligthum.

2) Er ist das große Wesen aller Wesen,
die höchst und einige Vollkommenheit:
Von ihm, durch ihn, zu ihm ist, wie wir lesen,
Das, was nur ist, geworden in der Zeit:
Er hat und kennet seines Gleichen nicht,
Wer ist wie er und seine Majestät?
Vor ihm die Creatur mit Zittern steht;
Sein Wohnhaus ist ein unzugänglich Licht.

3) Man sieht ihn nicht, und ist doch wohl zu sehen,
Man gebe nur auf seine Werke acht;
Da sehn wir ihn als vor den Augen stehen
Im Schmucke seiner weisen Gottheitspracht:
Die Himmel rühmen ihres Schöpfers Ehr;
Die Luft, die Erd und was im Meer sich regt,
Das alles den zu zeigen sich bewegt,
Der ist und heißt Jehovah, unser Herr.

4) Was gut und fein kann nur genennet werden,
Was uns mit Lust und Lieblichkeit anlacht,
Was in sich faßt der Himmel sammt der Erden,
Der große Bau von Schönheit und von Pracht,
Und was dies Rund uns köstlichs in sich schleußt,
Das kommt aus diesem unerschöpften Meer,
Und dessen unerforschter Fülle her.
Er ist der Quell, der immer überfließt.

5) Er ist das A und O, Anfang und Ende,
Der Erste, und wird auch der Letzte sein;
Er ist zu spüren, wo man sich hinwende,
Das Heimlichste wird klar in seinem Schein:
Sein Licht ist nicht vermischt mit Dunkelheit,
Die Kraft, so ihm beiwohnt, wird nimmer schwach,
Er weiß in sich von keinem Ungemach:
Er ist und bleibt, wie er war vor der Zeit.

6) Was er zusagt, dem kann man sicher trauen,
Die That stimmt mit den Worten überein;
Man darf mit ganzem Herzen darauf bauen,
Des Herren Ja ist Ja, sein Nein ist Nein;
Voll Recht und Billigkeit ist sein Gericht,
Er hat Geduld und übet Langmuth aus:
Mit Heiligkeit hat er geziert sein Haus,
Er ist die Lieb, der’s nie an Lieb gebricht.

7) Wie selig ist doch, der ihn also kennet,
Und zu ihm Abba, Vater, sagen kann!
Den er auch wiederum den Seinen nennet,
Und ihn als Sohn und Tochter siehet an:
Nichts ist so hoch, nichts kann so herrlich sein,
Der höchsten Fürsten hoch erhabner Stand
Ist, gegen dies zu rechnen, lauter Tand;
Es ist zu schlecht, es bleibt ein öder Schein.

8) O Herrscher, wie soll ich denn gnug erheben dich,
Daß du mich auch zu denen zugezählt,
Die du in Christo hast gebracht zum Leben,
Und sie in ihm zu Kindern auserwählt;
Zwar seh ich dich jetzt nur im dunkeln Licht,
Doch weiß ich, es kommt künftig noch der Tag,
Da ich dich ohne Decke schauen mag
Von Angesicht zu frohem Angesicht.

9) Indeß, mein Geist, auf, auf, ihn stets zu loben,
Auf, auf, erwecke dich und säume nicht;
Was in dir ist, werd sanft und still erhoben
Zu Gott Jehova, unsrer Sonn und Licht:
Er ist allein Lob, Ehre, Preis und Ruhm
Zu nehmen würdig stets und überall;
Erhebe ihn mit frohem Jubelschall,
Bis er dich bringt in’s Himmelsheiligtum.

Liedtext: Johann Anastasius Freylinghausen (1670-1739)
Melodie: „So führst du doch recht selig, Herr, die Deinen
Johann Georg Stötzel (1711-1793),
Stötzel’s Choralbuch, Stuttgart 1744.

Quelle:

Lied Nr. 3, in:  Auswahl Tausend geistreicher Lieder für Kirche, Haus und Kämmerlein, als Tausend „Starke“ am Thronstuhl unsers himmlischen Salomo. Dritte, neu geordnete und vermehrte Auflage. Gütersloh, 1860. Mit einem Vorwort von Pastor Volkening, Jöllenbeck bei Bielefeld. Gedruckt und in Commission bei C. Bertelsmann in Gütersloh, so wie bei dem Herausgeber selbst zu haben. [Seite 2; Digitalisat]

Weblinks und Verweise

Liedeintrag bei Christliche Liederdatenbank

Liedeintrag bei Hymnary.org

Lied Nr. 20, in: Das neue und verbesserte Gesangbuch, worinnen die Psalmen Davids samt einer Sammlung alter und neuer Geistreicher Lieder, sowohl für Privat= und Hausandachten, als auch für den öffentlichen. G. und D. Billmeyer, Philadelphia, 1814 (Digitalisat, externe Links zu Hymnary.org)


Eingestellt am 10. März 2026