englisch: protestant hymn book; französisch: recueil de cantiques protestant; psautier; italienisch: innario.
Esther Wipfler (2017)
I. Definition
Das evangelische Gesangbuch beinhaltet eine Auswahl geistlicher Lieder (Psalmlieder, Hymnen, freie Lieddichtungen) für den gottesdienstlichen und den privaten Gebrauch, die durch Gebete, den Katechismus und die Gottesdienstordnung erweitert sein kann. Letzteres trifft vor allem zu, wenn sie von der jeweiligen Kirchenleitung autorisiert wurde [1].
Neben den allgemeinen Gesangbüchern für die Gemeinden gibt es auch spezielle Liedersammlungen für bestimmte Personengruppen (Kinder, Soldaten etc.). Dieser Artikel behandelt ausschließlich die deutschsprachigen Gesangbücher unter dem Aspekt der Illustration.
II. Forschungsgegenstand
Aufgrund ihrer Bedeutung im evangelischen Gottesdienst und in der privaten Frömmigkeit wurden Gesangbücher schon früh gesammelt. Die Illustration wurde spätestens ab den 1930er Jahren ein eigener Gegenstand der kunstwissenschaftlichen Forschung [2]. Nach den Arbeiten von Hoberg und Lerche, die Hoberg noch in den 1980er Jahren ergänzte [3], erhielt die Erforschung der Gesangbuchillustration einen neuen Impuls durch die wissenschaftliche Beschäftigung mit dem Pietismus [4]. Epochen oder Regionen übergreifende Untersuchungen sind jedoch selten [5]. In den Katalogen der nahezu ausschließlich regional angelegten Ausstellungen von Gesangbüchern findet man gelegentlich Abbildungen der Illustrationen, die dort jedoch zumeist nicht kunsthistorisch ausgewertet wurden [6].
Die Quellenlage ist zwar gut, aber nicht immer leicht zugänglich erschlossen: Neben den in VD 16–18 erfassten Werken, von denen schon viele digitalisiert wurden, gibt es noch umfangreiche Bestände vor allem in den Archiven der Landeskirchen. Allerdings sind sie dort häufig nicht zentral erfasst, da u. a. Stiftungszusammenhänge gewahrt werden müssen. Dies erschwert die Möglichkeit eines Gesamtüberblicks. Für manche Archive und Bibliotheken liegen jedoch eigene Bibliographien vor, beispielsweise für Württemberg [7], die Augsburger Bibliotheken [7], die Gießener Universitätsbibliothek [9], die Bremer Gesangbücher [10] und für die Sammlung im Archiv der Pfälzischen Landeskirche in Speyer (ca. 950 Exemplare).[11] Darüber hinaus erfasst die „Hymnological Database“ (HDB), die gemeinsam vom Gesangbucharchiv der Universität Mainz und der Theologischen Fakultät Straßburg betrieben wird, derzeit etwa 30000 überwiegend deutschsprachige Gesangbücher des 16. bis 20. Jh., davon mehr als zwei Drittel evangelischer Provenienz,[12] allerdings sind auch hier die Illustrationen nicht weiter erschlossen.