1. Johannes 1, 6+7 (N. Fries)

XXVI. p. Trinitatis. Sonntag.

1. Joh. 1, V. 6 und 7: So wir sagen, daß wir Gemeinschaft mit Ihm haben, und wandeln in Finsterniß, so lügen wir, und thun nicht die Wahrheit. So wir aber im Lichte wandeln, wie Er im Lichte ist, so haben wir Gemeinschaft unter einander, und das Blut Jesu Christi, seines Sohnes, macht uns rein von aller Sünde.

Gemeinschaft mit Gott und Gemeinschaft unter einander, ─ das nennt Johannes: die Wahrheit thun; wer aber in Finsternis, das ist, in der alten Sünde, wandelt, und sagt dabei: ich habe Gemeinschaft mit Gott, der lügt und thut nicht die Wahrheit. Wie sollen wir armen, verlorenen Sünder aber dazu kommen, daß wir im Lichte wandeln? Hier steht’s geschrieben: Das Blut Jesu Christi, des Sohnes Gottes, macht uns rein von aller Sünde! es ist eine Wunderkraft, die in diesem heilig=theuren Blute verborgen liegt, weit, himmelweit erhaben über alle Naturkräfte! denn das vermag keine andere Kraft, mein durch Sünden, Lüste und Laster durch und durch verunreinigtes und besudeltes Herz und Gewissen so rein und helle zu machen, wie ein schneeweiß Gewand; welches geschiehet, sobald ich durch das für mich vergossene Blut Christi die völlige Vergebung aller Sünden empfange. Und noch ferner: Das vermag keine andere Kraft, mein zu allem Guten untüchtiges und unlustiges Herz wacker und eifrig zu machen, daß es allem Bösen absagt und allem Guten anhanget, und je mehr und mehr mein Gewissen so zart macht, daß ich immer treuer werde, auch im Kleinen und Kleinsten. So geschieht es, daß wir aus der Finsternis herauskommen und im Lichte wandeln, und haben Gemeinschaft mit Dem, der im Lichte ist, mit unserem Gott und mit unsern Brüdern, weil sie auch in demselben Lichte wandeln. So ist unser Wandel im Himmel, wie Paulus schreibt, ─ jetzt und hier auch schon ─ im Himmel. ─ Freilich erhebt dagegen an jedem Abend die inwendige Stimme allerlei Einspruch mit Seufzen, dieweil Licht und Finsternis im Streit liegen, so lange wir in diesem Erdenleben stehen. Aber, Herr, unser Gott, wir bauen und trauen dennoch festiglich darauf:

„Das Blut Jesu Christi, Deines Sohnes, macht uns rein von aller Sünde!“

(Nikolaus Fries)

Mel.: Christus, der uns selig etc.

Hab‘ ich ‚was nicht recht gethan,
Ist mir’s leid von Herzen,
Dahin gegen nehm‘ ich an
Christi Blut und Schmerzen!
Denn das ist die Ranzion
Meiner Missethaten!
Bring ich das vor Gottes Thron
Ist mir wohl geraten!

Quelle:

Abend=Segen aus Gottes Wort zur täglichen Erbauung der Häuser und Herzen. Von N. Fries, Hauptpastor in Heiligenstedten (für alle Tage des ganzen Kirchenjahres). Itzehoe. Verlag von Ad. Nusser, 1887. [Seite 389: XXVI. p. Trinitatis. Sonntag.. Digitalisat]


Eingestellt am 18. März 2026